Chapeau Max Blumenthal und David Sheen!

von Ludwig Watzal

Der Auftritt des US-amerikanischen Journalisten Max Blumenthal und des israelischen Friedensaktivisten und Journalisten David Sheen in Deutschland war ein Erfolg, weil er gezeigt hat, dass die deutsche politische Klasse unfähig ist, mit Kritik an israelischen Kriegsverbrechen an den Palästinensern rational umzugehen. Die Medien haben sich nicht als aufklärerische, sondern als „totalitäre“ Macht geoutet, wie es Blumenthal genannt hat. Dank Internet funktioniert die Kontrolle über die öffentliche Meinung durch die gelenkten Konzernmedien nicht mehr, alles wird öffentlich, und die Menschen kündigen ihre Abos, „und dies ist auch gut so“.

Zum wiederholten Mal hat sich Deutschlands politische Klasse ein Armutszeugnis ausgestellt und gezeigt, wie politisch unterbelichtet und unterirdisch sie ist. Das Polittheater, das Gregor Gysi im Deutschen Bundestag aufgeführt hat, dürfte wohl zum „Running Gag“ im politischen Kabarett und dem Kölner Karneval werden. Gysi flüchtete sich vor zwei ausgewiesenen Kritikern der israelischen Regierungspolitik aufs „Klo“, anstatt sich den Fragen des als „Antisemiten“ verleumdeten jüdischen Israeli und des jüdischen US-Amerikaners zu stellen. Gysi lässt doch sonst kein Mikrofon aus. Aber dies ist Zivilcourage à la Linkspartei 2014.

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Brief der JS an die MdBs Pau und Beck und an Herrn Robbe (DIG)

von Jüdische Stimme (JS) für gerechten Frieden in Nahost e. V.

als Mitglieder der Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost e.V. (EJJP Deutschland) beziehen wir hiermit Stellung zu Ihrem Brief vom letzten Wochenende an die Leitung der Volksbühne am Rosa Luxemburg Platz, der zu einer Absage der geplanten Veranstaltung mit den Journalisten Max Blumenthal und David Sheen führte. Sie werfen ihnen vor, antisemitische Ressentiments in Deutschland zu bedienen, behaupten sogar, dass Herr Blumenthal „konsequent antisemitische Vergleiche zwischen Israel und dem Nationalsozialismus zieht“, ja, dass er sogar dafür „bekannt“ sei. Bei wem bekannt schreiben Sie aber nicht. Sie geben auch keine Beispiele und nennen keine weiterführenden “Links“, sondern stellen einfach eine schwerwiegende Anschuldigung auf, ohne sie mit Beweisen zu belegen, bzw. ohne sich genötigt zu fühlen dies zu tun. Zudem verschweigen Sie die jüdische Herkunft der beiden für Sie scheinbar bedrohlichen Journalisten. Als deutsch-europäische und israelische Juden und Jüdinnen, die heute in Deutschland leben, protestieren wir vehement gegen diese Angriffe auf die Redefreiheit zweier jüdischer Referenten – David Sheen ist darüber hinaus auch israelischer Staatsbürger – ,die am Russell-Tribunal zu Palästina teilnahmen und ihre Erfahrungen in Gaza und Israel mitteilen wollten. Wir sehen Ihre Intervention als einen konkreten Versuch, jegliche Kritik an der verbrecherischen israelischen Politik zu unterbinden. Obwohl Sie zugeben, dass eine gewisse Kritik an der Politik der israelischen Regierung wohl berechtigt sein könnte, wollen Sie festlegen, wie genau diese Kritik auszusehen hätte. Vergleiche Ziehen ist noch lange nicht Gleichsetzung.

Es ist sehr bedauerlich, dass Völkermord und die Ereignisse, die dazu führen, von Menschen begangen wurden und werden, die sich dazu verleiten lassen, nicht von einem Tag auf den anderen, sondern oft als Ergebnis eines längeren korrumpierenden Prozesses der Entmenschlichung, der in den Abgrund führt. Wir müssen alle darauf achten, dass solche Verbrechen nicht wieder begangen werden, egal wann, in welchem Land, von welchem Staat und gegen welche Bevölkerungsgruppe sie gerichtet sind. Das ist die Lehre von Auschwitz – die übrigens auch Max Blumenthal am vergangenen Sonntag zitierte. Es steht außer Frage, dass diese Aussage keine „antisemitischen Ressentiments“ bedient.

In Israel wird heute nicht nur eine Politik von ethnischer Säuberung gegenüber Palästinensern und Palästinenserinnen betrieben, sondern es herrscht auch offenen institutionellen Rassismus gegen nicht-jüdische afrikanische Einwanderer, Juden und Jüdinnen arabischer und äthiopischer Herkunft. Auch davon haben die beiden jüdischen Referenten berichtet. Wir, als Juden und Jüdinnen, die fortwährend aufgefordert sind, den Staat Israel zu unterstützen, haben nicht nur das Recht, sondern auch die Verantwortung über dieses Vorgehen Bescheid zu wissen und dieses Wissen weiterzugeben. Sie, als deutsche Parlamentarier-innen, deren Regierung die rassistische Politik der israelischen Regierung lauthals unterstützt, und Israel die Waffen liefert, die die Verfolgung und Tötung unschuldiger Menschen ermöglichen, müssten dies ebenso erfahren und sich für eine entsprechende sinnvolle Politik einsetzen, die diese Verbrechen verhindert. Mit Recht zitieren Sie George Bernard Shaw: Freiheit bedeutet Verantwortlichkeit. Das ist der Grund, weswegen die meisten Menschen sich davor fürchten. Leider trifft dies auch auf Sie zu.

 Mit freundlichen Grüßen

Jüdische Stimme (JS) für gerechten Frieden in Nahost

“Ein-Staaten-Lösung” für Israel/Palästina

von Ludwig Watzal

Israels Wirtschaftsminister Naftali Bennett, Vorsitzender der rechten Partei „The Jewish Home“, veröffentlichte in der New York Times einen Artikel, in dem er den Plan einer „Zwei-Staaten-Lösung“ als Ausweg aus dem israelisch-palästinensischen Konflikt begraben hat. Bennett gehört zu keiner radikalen zionistischen Randgruppe. Obwohl er ein Vertreter extremistischer kolonialer zionistischer Ideen ist, wird er als Nachfolger des Premierministers Netanyahu angesehen. In seiner Kolumne führt er die Politik der letzten 20 Jahre ad absurdum, die an die Oslo-Abkommen und eine Zwei-Staaten-Lösung geknüpft war. Seine Worte werden zur Zeit keine Früchte tragen, vielleicht jedoch in der Zukunft.

Das Bedrohungsszenario, das Bennett für Israel voraussagt, scheint die Konsequenz von Israels Verhalten als Besatzungsmacht zu sein: die Strangulierung des palästinensischen Volkes in den letzten 47 Jahren, die 18-jährige Besatzung des Südlibanons, seine Bombardierungen der Nachbarländer und das Töten von Tausenden der Palästinenser. Wenn Israel sich aus der besetzten Westbank zurückziehen würde, wären nicht nur der Tel Aviver Flughafen Ben Gurion und seine Börse Angriffen ausgesetzt, sondern auch die Altstadt von Jerusalem, schreibt Bennett.  Weiterlesen

Linken-Partei-Führer Gregor Gysi flüchtet vor jüdischen Intellektuellen aufs Bundestags-Klo!

von Daniel Neun

Wie der Versuch der israelischen Regierungslobby zwei die Berliner Republik besuchende jüdische Intellektuelle zum Schweigen zu bringen unsagbar peinlich nach hinten losging.

Es begab sich also zum 25. Jahrestag des friedlichen und erfolgreichen Sturms der Ostdeutschen auf die Mauer, ausgelöst durch einen der wenigen tatsächlichen Glücksfälle der deutschen Geschichte, dass zwei jüdische Intellektuelle, David Sheen und Max Blumenthal, nach Berlin kamen. Sprechen wollten sie, über ganz normale Kriegsverbrechen einer ganz normalen Regierung mit einem ganz normalen Militär in einer ganz normalen Besatzungszone eines ganz normalen Staates, der sein ebenfalls ganz normales Existenzrecht als Berechtigung zu verstehen scheint, in seiner aufständischen Kolonie Tausende von Menschen massakrieren zu dürfen.

Das stieß in der Berliner Republik natürlich auf äußerstes Empören. Also, das zwei jüdische Intellektuelle darüber reden wollten. Und dann noch aus Israel und den Vereinigten Staaten. Kommen die einfach hierher und wollen drüber reden. Also so nicht, ja!?, dachte man sich in  der Nomenklatura der Republik außer Funktion und schritt energisch ein….

Die Posse nahm ihren Lauf.

Hatte man einen kleinen Wink bekommen? Von regierungsamtlichen Pro-Asiaten vor Ort? Man weiß es nicht.  Weiterlesen

„One-State Solution“ for Israel/Palestine

by Ludwig Watzal

Israel’s economy minister Naftali Bennett, the leader of the right-wing party „The Jewish Home“, published an article in the New York Times in which he buried the concept of a „two-state solution“ as a way out of the Israeli Palestinian conflict. Bennett does not belong to the radical Zionist fringe. Although he is an advocate of extremist colonial Zionist ideas, he is considered to be the successor of Prime Minister Benyamin Netanyahu. In his op-ed, Bennett has made a mockery of the policy of the last 20 years, which was connected to the Oslo Accords and the two-state solution. His words won’t bear fruit right now, but they might be in the future.

The threat scenario, which Bennett forecasts for Israel, seems to be the consequence of the behavior of Israel as an occupying power: the strangulation of the Palestinian people for the last 47 years, the 18 year-long occupation of Southern Lebanon, the arbitrary bombardments of its neighboring countries, and the killing of thousands of Palestinian people. If Israel would pull out of the occupied West Bank, not only Tel Aviv’s Ben-Gurion Airport and its Stock Exchange but also the old-City of Jerusalem could come under rocket attacks, writes Bennett.

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„One-State Solution“ for Palestine?

von Ludwig Watzal

Kommt die „Ein-Staaten-Lösung“ für Palästina schneller als sich dies ihre Befürworter gedacht und erträumt haben? Wenn es nach Israels Wirtschaftsminister Naftali Bennett geht, wird es niemals zu einer „Zwei-Staaten-Lösung“ kommen. Die „Ein-Staaten-Lösung“ oder ihre verwandte Vorstellung einer Bi-Nationalität als Lösung für den israelisch-palästinensischen Konflikt war schon immer der Wunschtraum einiger weniger. Die zionistische Bewegung wurde nicht ins Leben gerufen, um in „Eretz Israel“ (Land Israel) einen Staat für zwei Völker zu gründen, sondern ausschließlich einen jüdischen Staat. Diese ideologische Prämisse wird von den Befürwortern einer „Ein-Staaten-Lösung“ konsequent verdrängt, obgleich eine über hundertjährige Erfahrung dafür spricht. Die „Ein-Staatler“ verhalten sich so, als seien sie eine „Weltmacht“.

Der Artikel von Bennett ist zwar noch nicht offizielle Regierungspolitik, aber so, wie Bennett tickt, denkt von Netanyahu, über Außenminister Lieberman bis zu Verteidigungsminister Yaalon fast das ganze israelische Kabinett. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese Haltung offizielle Regierungspolitik wird, spätestens dann, wenn Bennett Netanyahu als Ministerpräsident beerbt haben wird. Wer die Stimmung und die öffentliche Meinung in Israel kennt, sollte sich schleunigst von der „Zwei-Staaten-Lösung“ verabschieden. Dafür mögen zwar noch die Avnerys streiten, aber sie werden den zionistischen Traum von Israel in ganz Palästina nicht verhindern können. Dies ist die wirkliche „Ein-Staaten-Lösung„.

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Wie lange noch? Gedanken an Jerusalem

von Felicia Langer

„5. Juni 1968. Das arabische Jerusalem ist in Aufruhr. Es ist ein Jahr seit Beginn der israelischen Okkupation. Der Schmerz ist noch immer quälend frisch. Tausende fangen an, eine Trauerdemonstration zu organisieren: Trauer um die Opfer des Krieges und Protest gegen die Besatzung.“ So habe ich es in meinem ersten Buch (auf deutsch „Mit eigenen Augen“) festgehalten.

Meine Anwaltskanzlei befand sich seit Ende 1967 bis zur Schließung 1990 in Jerusalem, und zwar bewusst in West-Jerusalem, weil ich die Okkupation und Annektierung von Ost-Jerusalem nie anerkannt habe.

Wenn ich jetzt, im Jahre 2014, über die tragischen Geschichten aus dem okkupierten Ost-Jerusalem lese, über Enteignungen und Häuserzerstörungen, die in letzter Zeit noch intensiviert wurden, über die stetig fortschreitende Judaisierung der palästinensischen Stadtviertel, über das willkürliche Töten von Palästinensern und die gefährlichen Provokationen um Al Aksa, kehrt die Vergangenheit zu mir zurück:

Mein erster, fast zu Tode gefolterter palästinensischer Mandant stammte aus Jerusalem, Is’hak Ali al Ma’raji, mein erster Mandant in Administrativhaft war Naim al Ashab, und danach kamen viele andere, deren Häuser Israel zerstört hat oder die deportiert wurden. Und auch die Zeit der Steine in Jerusalem während der ersten Intifada holt mich wieder ein.

Das okkupierte Ost-Jerusalem war für mich immer ein Synonym für Unterdrückung und Leid, und so ist es leider geblieben. Jerusalem ist für mich ein Symbol der totalen Ablehnung der israelischen Besatzung durch die Palästinenser. Keine Mauer, keine Enteignung und Kolonisierung werden dies ändern. Die israelische Politik in Jerusalem ist ein Verbrechen gegen das Völkerrecht. Die israelische Regierung ist eine kriegsbetreibende Regierung und stellt eine Gefahr für die ganze Region dar.

Ich frage mich, wo sind die Weltmächte, die genau wissen, dass die Okkupation und Annektierung von Ost-Jerusalem völkerrechtswidrig sind? Wo ist der Weltsicherheitsrat? Israels verbrecherische Politik genießt offenbar Immunität und wird bis dato nahezu stillschweigend geduldet; gelegentliche verbale Protestnoten bleiben leere Floskeln, solange ihnen keine Taten folgen, und sind nur dem Protokoll geschuldet. Die Weltgemeinschaft ist gefragt: „Wie lange noch?“

A History Lesson: What ISIS Learned from IRGUN

by William A. Cook

Imbedded in Sir Thomas Beecham’s observation is an assumption, if you will, that civilizations advance, that humankind progresses in time to higher levels of intelligence as we shed ancient superstitions that locked our ancestors into barbaric acts, that our creativeness in application of scientific knowledge improves the human condition, perhaps even, that as time passes, we grasp the one underlying reality of human advancement that will truly fulfill that assumption, all are one in a shared universe or we all are doomed. We have been witness in this new century to ancient superstitions committing barbaric acts as hooded hangmen of old decapitate a fellow human, fulfilling in the act a vengeful retaliation against their perceived enemy. We like to think that this is a retrograde act retreating to an inferior state of centuries past making it easy to condemn as both barbaric and uncivilized. But it is not so.

There is an unstated corollary imbedded in Beecham’s quote that explains his note—“properly written”–; unless the historian accounts for the hidden truth, that omitted from the “accepted” lists of contemporary civilizations, the omitted truth, the controlled truth, the truth allowed by those in power, then the citizen’s perception will be guided by ignorance determined by forces beyond her or his control. The appearance of the advanced civilized society is often just that, an appearance dressed to fashion intellectual advancement wrapped in the perceived splendor of modern progress: business class in international travel, Vogue fashion in business suits for the businessman and the businesswomen, the estate homes attainable because of this perceived advanced excellence–the dress of advancement not the reality of its being.  Weiterlesen

Chickenshit

by Uri Avnery

When a high-ranking official of one country calls the leader of another country „chickenshit“, it may be assumed that the relations between the two countries are not at their best. In fact, they may be considered somewhat less than cordial.

This week, It happened. An unnamed very high-ranking US official said this in an interview with the respected American journalist who bears the very Jewish name of Jeffrey Goldberg.  No high-ranking official would use such a term for publication without the express permission of the President of the United States of America. So here we are.

History has seen many strange relationships between nations. But I dare say none stranger than that existing between Israel and the US. On the face of it, no two states could be closer to each other. Just a minor example: the day the memorable Chickenshit remark made headlines, the General Assembly of the United Nations adopted a resolution calling upon the US to put an end to its 50-year old embargo on Cuba. 188 countries, including the whole spectrum of EU and NATO countries, voted in favor. Two states voted against: the US and Israel.

Two countries against the entire world? No, not entirely. Micronesia, Palau and the Marshal Islands abstained. (These three mighty island nations generally support Israel, too, though few Israelis could place them on the map.)   Weiterlesen