Die Konstruktion des „Antisemitismus“

von Gerald Tauber

Ich habe mir heute den offenen Brief des Zentralratsvorsitzenden der Juden in Deutschland Dr. Schuster an den Göttinger Oberbürgermeister Köhler anlässlich der Verleihung des Göttinger Friedenspreises 2019 an die Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden e.V.durchgelesen. Die Preisverleihung scheint mir ein größeres Politikum zu sein, der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung forderte von dem Förderverein der den Preis verleiht zum Verzicht der Ehrung des Vereins auf. Ob der OB nun kalte Füße bekommen hat, wie die Pressemeldung in der Roten Fahne nahelegt, kann ich nicht wirklich beurteilen, das war lediglich eine Einzelne dazu.

Was mir jedoch auffällt alle diese Stimmen reden von Antisemitismus und das bei einer jüdischen Organisation? Da sollte man hellhörig werden, und ich bezweifle, dass diese beiden Stimmen überhaupt wissen, was sie den Mitgliedern des jüdischen Vereins eigentlich unterstellen, oder wissen sie es doch? Aber zuvor gehen wir mal in die Tiefe, der Verein unterstützt die palästinensische BDS-Bewegung, und dieser Umstand scheint mir persönlich wohl der Stein des Anstoßes zu sein. Ich hatte mich bereits mit dem Thema im Artikel „Täglich grüßt der Antisemitismus“ bereits befasst und die Argumente, in der der palästinensischen BDS-Bewegung eine antisemitische Grundhaltung unterstellt werden, als haltlos verworfen. Der Grund dafür ist eigentlich vollkommen simpel und so banal, alle diese Argumente, die der BDS-Bewegung eine antisemitische Grundhaltung unterstellen, beruhen auf Stereotypen. Was aber besonders erschreckend ist, sie blenden die Besatzungspolitik des Staates Israel vollkommen aus, als wenn es diese gar nicht geben würde. Damit versuchen der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung und der Zentralratsvorsitzende die palästinensische Forderung nach der Beendigung der Besatzung durch den Staat Israel zu delegitimieren. Ebenso stößt dabei auf, dass mit dem Versuch der Delegitimierung der Versuch einhergeht, die Besatzung des Westjordanlandes und des Gazastreifens durch den Staat Israel als eine Art Normalzustand zu klassifizieren, was er nun mal nicht seien kann.  Weiterlesen

Die Allzweckwaffe

Journalist und investigaction-Gründer Michel Collon unterzieht die aktuelle Antisemitismus-Debatte in Frankreich einer kritischen Analyse. Kritik an Israel wird umdefiniert zu Antisemitismus und damit zum politischen und gesellschaftlichen Todesurteil für die Kritiker. Rubikon mit dem ersten Teil von Collons Essay.

von Michel Collon

Was ist Antisemitismus? Früher gab es eine einzige Definition. Heute soll es zwei davon geben. Der neuen Definition haben sich Macron, François Hollande, Manuel Valls und auch das Europäische Parlament angeschlossen. Jeremy Corbyn wurde aufgefordert, sich ihr zu unterwerfen, wenn er eine Chance haben wolle, Premierminister zu werden. Um diese Abgrenzung von Begriffen mehren sich in mehreren Ländern Gerichtsprozesse. Warum?

An sich ist es gut, den Antisemitismus zu definieren. Um gegen den Rassismus zu kämpfen, braucht es eine klare gesetzliche Basis: Was ist als Aufruf zum Hass strafbar, und was gehört zur politischen Auseinandersetzung und damit zur freien Meinungsäußerung? Natürlich beträfe das auch die Islamfeindlichkeit und andere Formen des Rassismus.

Am 1. Juni 2017 hat eine Resolution des Europäischen Parlaments die Mitgliedstaaten und die Institutionen der EU aufgerufen, die von der Internationalen Allianz zum Holocaustgedenken, IHRA, empfohlene Definition des Antisemitismus anzunehmen und anzuwenden. Nach dieser Definition ist „Antisemitismus eine bestimmte Wahrnehmung von Juden, die sich als Hass gegenüber Juden ausdrücken kann. Der Antisemitismus richtet sich in Wort und Tat gegen jüdische oder nicht-jüdische Einzelpersonen und / oder deren Eigentum, sowie gegen jüdische Gemeindeinstitutionen und religiöse Einrichtungen” (1).

In dieser kleinen Studie werden wir unter die Lupe nehmen, was die IHRA ist, ob sie die Autorität besitzt, diese Debatte zu entscheiden, ob die Definition juristisch präzise genug ist und ob es versteckte Absichten hinter dieser Kontroverse geben könnte. >>>

Die Zensur-Justiz. Bedroht die Justiz die Meinungsfreiheit?

von Rolf-Peter Hintze

Wie bringt man Kritik zum Schweigen? Indem man verhindert, dass Kritikern Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt bekommt. Und wie deckelt man Kritik an eben diesem Verbot? Mit den selben fragwürdigen Methoden. Die Stadt München hat verhindert, dass über einen stark umstrittenen Stadtratsbeschluss in städtischen oder städtisch geförderten Räumen diskutiert werden konnte. Schlimm genug. Von noch größerer politischer Tragweite dürfte aber ein Urteil des Münchner Verwaltungsgerichts vom Dezember 2018 sein. Ein Münchner hatte gegen seine Stadt geklagt mit dem Ziel, einen städtischen Saal für eine Veranstaltung zu erhalten. Das Gericht wies die Klage ab. Interview mit dem früheren Verwaltungsrichter Peter Vonnahme zu diesem Urteil.

Rolf-Henning Hintze: Herr Vonnahme, bedeutet dieses Urteil das Ende einer jahrzehntelang praktizierten liberalen Versammlungspraxis in München?

Peter Vonnahme: Die Saalverweigerung für eine Diskussionsveranstaltung über einen Stadtratsbeschluss stellt in der Tat einen Besorgnis erregenden Wendepunkt dar. Bezeichnenderweise fällt das in eine Zeit, in der deutschlandweit eine geradezu hysterische Angst vieler kommunaler und kirchlicher Stellen zu beobachten ist, wegen israelbezogener Veranstaltungen in den Verdacht des Antisemitismus zu geraten. Mit Blick auf die Zukunft lässt das nichts Gutes erwarten. Wenn die logisch klare Grenzlinie zwischen legitimer Israelkritik und unzulässigem Antisemitismus verwischt wird, wächst die Gefahr, dass antijüdische Ressentiments wie etwa „Die Juden haben zu viel Macht“ bedient werden und zu „neuem Antisemitismus“ führen.

Eine Besonderheit des Münchner Stadtratsbeschlusses liegt darin, dass er jegliches „Befassen“ mit der BDS-Bewegung – BDS steht für Boycott, Divestment, Sanctions – in städtischen oder städtisch geförderten Räumen unterbindet. Ist diese Einschränkung rechtlich zulässig?

Nein. Die Stadt verkennt, dass es sich bei den Räumen nicht um ihre Räume handelt, sondern um Einrichtungen, die mit dem Geld der Bürger finanziert worden sind. Hieraus folgt, dass die Stadt nicht nach Gutsherrnart darüber verfügen kann, sondern dass sie sich an die einschlägigen gesetzlichen Vorschriften halten muss. Ohne auf die Rechtslage im Einzelnen einzugehen, ergibt sich die Widersinnigkeit des Stadtratsbeschlusses schon daraus, dass durch das zwingende Ausschlusskriterium „Befassen mit BDS“ sogar Veranstaltungen ausgeschlossen werden müssen, die sich ausdrücklich gegen die BDS-Kampagne wenden. >>>

Otzma Yehudit – Jüdische Macht: Wie lange will der Zentralrat der Juden noch schweigen?

Antisemitismus ist heute ein echtes Problem und zugleich ein Schreckgespenst. Es stimmt, was Hajo Meyer gesagt hat, dass früher derjenige als Antisemit galt, der Juden hasste, und heute derjenige Antisemit genannt wird, den die Juden hassen. Der bekannte jüdische Satiriker Roda Roda wird gern von Zionisten wie Broder mit der Bemerkung zitiert: „Aus dem Antisemitismus könnte schon was werden, wenn sich nur die Juden seiner annehmen würden“.

Nun haben sich jüdische Funktionäre und Politiker seiner tatsächlich angenommen und denunzieren jüdische Friedensaktivisten und Gelehrte als Antisemiten, und deutsche Akademiker, Unidirektoren, Oberbürgermeister und Sparkassendirektoren verweigern Juden – von einem jüdischen Funktionär dirigiert –, die Meinungsfreiheit und verwehren ihnen Räume, wie einst die SA. Da wird ihnen gern „jüdischer Selbsthass“ unterstellt. Was mag dieses „rätselhafte Phänomen“, wohl sein? Was ist es, das jüdische Funktionäre wie Schuster und Knobloch, oder jüdische Intellektuelle wie Broder und Wolffsohn dazu verleitet, sich derartig verächtlich gegenüber anderen Juden zu äußern? Menschen, die behaupten, in Israel passiere – abgesehen vom Holocaust –Vergleichbares wie im Dritten Reich sind nach Broders Überzeugung Antisemiten. Dabei schrieb er selbst in der Jüdischen Allgemeinen, dass Israelis – und er meinte Juden – Täter sind. Ja, was gilt denn nun?

Die überwiegende Mehrheit der Deutschen verabscheut die jüngsten Angriffe auf Juden und jüdische Institutionen, und nimmt sie sehr ernst. Manche jüdische Funktionäre allerdings bauschen sie derart auf, als sei das Dritte Reich kurz vor der Wiederauferstehung und die „Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost“ der erste Vorbote der antisemitischen Pogrome. Schuster, Broder und Knobloch, um nur wenige zu nennen, tun so, als ob der Antisemitismus die finale Phase der Endlösung der Judenfrage eingeläutet habe, dass ein zweites Auschwitz vor der Tür stehe. Sie unterstützen damit die amerikanische Anti-Defamation League (ADL), die sich mehr als alle anderen darum bemüht, das Bild eines grassierenden europäischen Antisemitismus zu verbreiten. Wie kommen sie dazu?  Weiterlesen

Universität Göttingen unterwirft sich dem Zentralrat der Juden

Cui bono – Wem nützt es?
Offener Brief von Prof. em. Dr. Fanny-Michaela Reisin an die
Präsidentin der Georg-August-Universität Göttingen
Frau Prof. Dr. Ulrike Beisiegel

Sehr geehrte Präsidentin,
liebe Ulrike,

mein Name ist Fanny-Michaela Reisin, Sie und ich wirkten während der 80er und 90er Jahre gemeinsam – vielleicht erinnern Sie es noch – in derwissenschaftlichen Friedensbewegung. Sie als Biochemikerin, ich als Informatikerin. Anfang der 90er
konzipierten wir den internationalen Friedens- und Kulturkongress „CHALLENGES – Science and Peace in a Rapidly Changing Environment“ und brachten mit internationalen Teilnehmenden die Vereinigung INES (International Network of Engineers and Scientists for Global Responsibility) auf den Weg. Ich kehrte danach ins FIFF (Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung e. V.)
zurück, Sie wahrscheinlich zu NatWiss (NaturwissenschaftlerInnen – Verantwortung für Frieden und Zukunftsfähigkeit e. V.). Ich erinnere zwar noch ein Gespräch mit Ihnen über Israel, bin aber sicher, dass meine Herkunft zwischen uns nie zur Sprache kam. Ich wurde in Jerusalem geboren. Nach dem Abitur an einem Berliner Gymnasium nahm ich mein Studium an der Hebräischen Universität Jerusalem auf und erlebte im zweiten Studienjahr 1967 den sog. Junikrieg als Teil der Zivilverteidigung im Bunker der großen
Zentralbibliothek. Nach Bombardements auf zivile Stätten zogen wir aus, um die Menschen zu versorgen.

Der aktuelle Anlass für den vorliegenden Brief ist – Sie ahnen es sicher – die Auszeichnung der von mir im Jahre 2003 mit ins Leben gerufenen „Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost“ (JS) mit dem diesjährigen Göttinger Friedenspreis. Der Grund ist die im Namen des Präsidiums der Georg-AugustUniversität publizierte Presserklärung in diesem Zusammenhang. Hier heißt es u. a.:“In der aktuellen Situation hat die Entscheidung zu einer Kontroverse geführt, bei der sich die Universität
keiner der kontrovers geäußerten Meinungen anschließen kann. Daher wird die Universität in diesem Jahr die Preisverleihung nicht unterstützen und die Verleihungsfeier kann nicht in Räumen der Universität stattfinden. /…/“

Ich bevorzuge die Anrede in der dritten Person, da ich Sie in erster Linie als Universitätspräsidentin anrufe. Überdies sehe ich uns in Kenntnis der Entscheidung Ihres Hauses auf verschiedenen Seiten. Gleichwohl habe ich, da die online einsehbaren Angaben zu Ihrer Vita besagen, dass Sie sich der wissenschaftlichen
Friedensbewegung weiterhin verbunden fühlen, Grund zur Hoffnung, dass Sie meine Äußerungen, wenn schon nicht teilen, so doch zumindest verstehen werden.  Weiterlesen

Henryk M. Broder und sein zionistischer Anwalt

Hallo lieber Henryk,

versuchst Du, gegen mich eine Ordnungshaft zu erwirken, da mich ein gerichtliches Verbot, Dir Mitteilungen per Mail zu schicken, nicht beeindruckt? Kommt Dir das nicht selbst absurd, ja komisch vor? Der Antrag wurde von deinem Anwalt gestellt mit dem Vermerk „Die Erzwingung ist eilbedürftig, weil der Antragsteller durch seine in der jüngeren Vergangenheit wiederholten belästigenden E-Mails zeigt, dass er sich durch die gegen ihn erwirkte einstweilige Verfügung nicht gebunden fühlt.“ Ausgerechnet Du wirfst mir vor, mich nicht an lächerliche Abmahnungen und noch lächerlichere einstweilige Verfügungen zu halten, und kannst mich offensichtlich nicht schnell genug in Haft sehen. Das hättest Du gern, dass all Deine Gegner weggesperrt werden. Schämst Du Dich nicht, Gerichte zu bemühen, die Du früher als Nachfolger des Volksgerichtshofs diffamiert hast? Es ist doch nicht so, wie Du oft behauptest, dass man Dich vor Gericht zwingt, sondern, dass Du immer wieder andere wegen Peanuts vor Gericht zerrst. Dein Anwalt ist doch inzwischen dein bester und vermutlich einziger Freund geworden.

Wie tief bist Du gesunken, und wie schlecht muss es Dir gehen, wenn Du, statt sachliche Argumente zu liefern, immer wieder Deinen Terrier bemühst? Und wenn du einmal antwortest, dann sind es nur Beleidigungen und Diffamierungen, denen Du am Ende hinzufügst: „Verklagt mich doch!“ Aber schon Jakob Augstein hat sich geweigert, Dich zu verklagen und meinte: Jeder blamiert sich, wie er kann.  Weiterlesen

Fördert Josef Schuster vom Zentralrat der Juden Antisemitismus?

Mit ihrer Rückzugsentscheidung hat sich die Universität einer der „kontrovers geäußerten Meinungen“ angeschlossen. Sie hat  die Falschbehauptungen, Verleumdungen und Rufmordersuche  gegen die Jüdische Stimme, mit denen die Göttinger FDP-Fraktionsvorsitzende Felicitas Oldenburg und der Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, letzte Woche die Absage der Preisverleihung gefordert haben, höher gewichtet als sämtliche dazu geäußerten kontroversen Meinungen, Argumente und Beweise.

Herr Schuster, ich hoffe Sie werden in Zukunft rot vor Scham werden, wenn Sie wieder über Antisemitismus sprechen und an den Skandal in Göttingen denken. Sie sind es, der Antisemitismus verursacht. Ich habe es bereits in meinem Buch nachgewiesen. Als Jude schäme ich mich, dass die Juden in Deutschland von einem solch ungebildeten und auf Stammtischniveau argumentierenden mittelmäßigen Arzt vertreten werden. Machen Sie es doch dem Broder nach und umarmen Sie sich nicht nur mit der FDP, sondern auch mit der AfD, denn dort gehören Sie hin. Als Jude finde ich es unerträglich was Sie in Deutschland machen. Sie schaffen Antisemitismus und rufen „haltet den Dieb“, Der Dieb sind Sie. Ich schäme mich im selben Verein zu sein wie Sie, und wenn es nicht eine Schicksalsgemeinschaft wäre und kein Verein, würde ich austreten, denn mit Leuten wie Sie, Broder oder Knobloch im selben Verein zu sein, ist unerträglich. Da es aber Schicksal ist muss ich mich damit abfinden. Für den Verein Judentum ist es jedenfalls eine Schade solche Mitglieder wie Sie dabei zu haben. Sie schämen sich nicht aufrechte, mutige und ehrliche Juden zu diffamieren und als Antisemiten zu verleumden, während Sie selber doch der Antisemit sind. Dank Ihnen und Broder und Knobloch und viele andere ist doch der Antisemitismus nicht mehr das Papier wert, auf dem das Wort geschrieben wird. Antisemitismus ist doch heute auf dem Misthaufen der Geschichte gelandet, dank Ihnen und andere Dumpf Köpfe. So wenig ich von Heinz Galinski hielt, so sehr überragt er sie ab Größe, Anstand und Bedeutung. Von Dr. Leo Baeck ganz zu schweigen, der in seinem Buch RELIGION DER VERNUNFT gezeigt hat, was das Judentum ist und sein kann. Eine Religion der Menschlichkeit, des kategorischen Imperativs, eine Religion Rabbi Hillels, von der Sie leider keine Ahnung haben. Als man Rabbi Hillel fragte was das Wesen des Judentums sei, antwortete er: Tue deinen Nächsten nicht das an, was du nicht willst, dass man es dir antut. Würden Sie wollen, dass man eine Preisverleihung an Sie stört und mit Gewalt verhindert? Natürlich nicht! Aber Sie denken wohl auch so wie der gestern verstorbene Karl Lagerfeld: Alles beginnt mit mir und endet mit mir. Das ist nicht Egoismus, dass ist Größenwahn und Wahnsinn. Ich schäme mich, dass es solche Juden gibt wie Sie und Broder. Ich schäme mich, dass ich zu ihrem Verein gehöre und nicht aussteigen kann. Am liebsten würde ich Sie und alle, die so sind wie Sie, aus dem Verein rauswerfen, aber ich kann es leider nicht. Aber wenn ich so nachdenke, dann stelle ich fest, dass ich gar nicht zu Ihnen gehöre. Ich bin Jude. Sie, Broder, Knobloch und andere sind Zionisten, vielleicht sogar Kahanisten, wer weiß? Leute wie Sie würden sich nie schämen, sie sind immer stolz auf ihre reaktionäre Ideologie. Sie glauben wohl noch, dass Sie besser sind als die anderen, die anständigen Juden, die für Recht, Gerechtigkeit und Gleichheit eintreten. Und wenn es sein muss würden Sie sich auch mit Nazis in Verbindung setzen, so wie es Broder schon macht, und mit ihnen Israel schützen, vor Juden wie die Jüdische Stimme. Diese Jüdische Stimme ist die Stimme der Vernunft, die Stimme des anständigen Judentums und diese Stimme wird immer lauter und zahlreicher. Juden wie Sie leben noch im Ghetto und ihr Verstand scheint auch noch im Ghetto vergraben zu sein. Sie scheinen vom Rufmord zu leben und von Verleumdung und übler Nachrede zu existieren. Da aber Juden wie Sie in Deutschland unter Denkmalschutz leben, überleben Sie und spuken permanent Gift in allen Seiten. Armes Deutschland, dass es Sie und die ganze Mischpoche ertragen kann. Ja, ich bin wütend und sauer auf Heuchler wie Sie, die so tun, als ob sie das Judentum repräsentieren. Nein, Sie repräsentieren nicht das Judentum, sie repräsentieren nur einige jüdische Zionisten, die gar keine richtigen Juden sind, weil Zionismus der Feind des echten Judentums ist. Lesen Sie das Buch von Yakov Rabkin – Die jüdische Opposition gegen den Zionismus. Diejenigen, die glauben, dass der Zionismus eine Erweiterung des Judentums ist, täten gut daran, das Buch zu lesen. Aber für die, die den Staat Israel tatsächlich für einen jüdischen Staat halten, sollte es Pflichtlektüre sein. Selbst Herzl hat seinen Staat nicht einen jüdischen Staat genannt, sondern einen Staat der Juden. Schauen Sie sich aber einmal an was aus diesem Staat geworden ist, dann werden Sie vielleicht merken, dass es auch nicht mehr der Staat der Juden ist, sondern der Staat von nationaler, chauvinistischer, zionistischer Israelis. Und da die Palästinenser keine Zionisten sind und sein können, hat dieser Staat auch keine Chance zu überleben.

Denken Sie mal darüber nach.

Identifiziert sich Medico International mit den tendenziösen Thesen von Katja Maurer?

von Hermann Dierkes

Hallo, liebe Katja Maurer,

ich habe Ihren Beitrag mehrmals gelesen, weil mir nicht klar wurde, auf was Sie eigentlich hinauswollen und welche praktischen Konsequenzen Ihre Haltung fuer die Arbeit von medico international haben könnte. Bisher gehe ich allerdings davon aus, dass es sich nur um Ihre persönliche Sicht handelt.

Eins sollte von vornherein klar sein: Das Menschheitsverbrechen von Nazi-Deutschland an den europäischen Juden ist untilgbar und muss fuer jede fortschrittliche Politik Teil ihrer analytischen Grundlagen und ihrer Handlungsprinzipien sein. Auf die schon klassische Formel gebracht: ”Nie wieder – nirgendwo und gegen niemanden”.

In Ihrem Beitrag reflektieren Sie selbstkritisch Ihre persönliche politische Vergangenheit. Das ehrt Sie, auch wenn ich den Eindruck habe, dass Ihre Selbstkritik gegenueber dem sogenannten ”realen Sozialismus” und seinen Ablegern – die Sie eingestandnermassen einmal unterstuetzt haben –  nicht weit genug geht (*). Zu recht verurteilen Sie u.a. die ”unheilvolle Praxis einer deutschen Stadtguerilla” auf ein Juedisches Gemeindehaus 1969 in Berlin. Andererseits scheinen sie aber geneigt zu sein, grundsätzlich richtige Ideen (solidarischer Universalismus usw.) wie das beruehmte Kind mit dem Bade auszuschuetten.

Sie plädieren dafuer, ”in Widerspruechen zu denken”. Politische und gesellschaftliche Wirklichkeit, Frau Maurer, ist voller objektiver und subjektiver Widersprueche. Es braucht deshalb Kriterien und Instrumente, an Hand derer wir sie analysieren, uns Klarheit verschaffen und unser Handeln orientieren. Auch im Staat Israel gibt es – wie  ueberall auf der Welt – ”oben” und ”unten”, Arm und Reich, fortschrittlich und reaktionär, unterschiedliche Ethnien, religiöse Strömungen usw. Ich weiss, wovon ich rede, bin ueber 50 Jahre auf der politischen Linken aktiv, nicht zuletzt, weil ich Palästina/Israel mehrmals besucht, Freunde und Bekannte dort habe. Ich kann nur davor warnen, immer in staatlichen oder gesellschaftlichen ”Ganzheiten” zu denken und seine Politik daran auszurichten. Es gibt ein offizielles Israel – aber es gibt auch ein ”anders Israel”, das die Politik des ersten ablehnt.  Weiterlesen

OB Rolf-Georg Köhler zeigen sie Zivilcourage und Rückgrat!

von Clemens Messerschmid

Sehr geehrter Herr OB Köhler,

Sie kennen mich nicht, ich Sie nicht.

Zu meiner Person: Ich bin von Beruf Hydrogeologe und seit über 20 Jahren wohnhaft in Ramallah und dort in den besetzten Gebieten der West Bank in deutschen und internationalen Wasserprojekten tätig (und gegenwärtig auch mit Ihrer Uni im Rahmen meiner Doktorarbeit verbunden).

Ich kenne einige der in Deutschland lebenden deutschen und israelischen Mitglieder der Jüdischen Stimme seit Jahren persönlich. Vor allem kenne ich jedoch vor Ort, in Israel, die leider kleine, aufs Engste mit der Jüdischen Stimme verbundene Gruppe aufrechter Aktivisten gegen die Besatzung und Advokaten eines tatsächlich gerechten Friedens. Sie zählen, wie Sie vielleicht wissen, zu einer zunehmend angegriffenen und immer weiter ausgegrenzten Minderheit in Israel, v.a. unter der Rechts- und Siedlerregierung Benyamin Netanyahus. Es gehören leider zunehmend Mut und Zivilcourage sowie tiefe rechtspolitische Überzeugungen und Ausdauer dazu, in dieser gegenwärtigen Phase rasanten Rechtsrucks in Israel, weiterhin das Fähnlein einer echten Aussöhnung mit den Palästinensern und einer Beendigung der schwerwiegenden und mannigfaltigen Unterdrückungs-formen durch Israels Regierung, Militärrichter und Militäradministration hochzuhalten.  Weiterlesen