Wen kann man für die Verbrechen in Gaza einen Gott um Vergebung bitten? »

Ich empfinde große Freude über die Waffenstillstandsvereinbarung in Gaza und die Freilassung der israelischen Geiseln. Doch in meine Freude mischt sich ein ganz weiteres Gefühl. All dies kommt sehr spät, viel zu spät: So viel Leid und Tod wäre nicht nötig gewesen! Selbst wenn der Waffenstillstand schrittweise zu einem dauerhaften Frieden führen würde, wie könnte man vergessen, dass [der israelische Premierminister] Benyamin Netanjahu und seine Armee über ein Jahr lang die Zivilbevölkerung ausgehungert und massakriert haben? Dass sie die meisten Häuser, Krankenhäuser und Schulen in Gaza zerstört haben; und dass die extremistischsten Mitglieder seiner Regierung immer noch eine jüdische Besiedlung dieses Gebiets und die Vertreibung seiner Bewohner in Erwägung ziehen?

Mit diesem Vorgehen haben die israelische Rechte und die extreme Rechte alle Juden zu Mitschuldnern gemacht, die Juden in Israel wie die Juden in der Diaspora. Sie haben sie zu Komplizen ihrer Verbrechen gemacht. Sie taten dies im Namen des jüdischen Volkes, d. h. auch „in meinem Namen“. Zum ersten Mal in meinem Leben empfinde ich eine Scham, Jude zu sein. Aber es ist nicht die Scham von damals, die Scham derer, die man beschimpfte, erniedrigte und in Ghettos parkte: Es ist ein neues Gefühl von Scham, die in der langen Geschichte unseres Volkes ungewöhnlich ist: die Scham, an einem Blutbad mitschuldig zu sein.

Als Sohn von Überlebenden des Holocaust bin ich in Frankreich geboren. Ich habe dort in Frieden gelebt, wo ich nie Zielscheibe oder gar direkter Zeuge einer antisemitischen Handlung oder Äußerung war. Die Katastrophe, die so viele meiner Angehörigen ausgelöscht hatte, war für mich ein Vorteil: Sie hat mir ein robustes gutes Gewissen beschert. Sie hat mir die Gewissheit verschafft, stets auf der richtigen Seite zu stehen, auf der Seite der Opfer der Geschichte, auf der Seite derer, denen Unrecht angetan wurde, und das hat mich davon abgehalten, ein weiteres Unrecht zu sehen, dessen Komplize ich wider Willen wurde.

Aus dem unsäglichen Schrecken der Schoah war der Staat Israel entstanden, ein Zufluchtsort für alle verfolgten Juden. Für Überlebende wie meine Eltern bedeutete das die Hoffnung, dass der Schrecken der Shoa sich vielleicht nie mehr wiederholen würde. Die Existenz Israels war also ein Segen. Jede seiner Maßnahmen war gesegnet. Das machte es überflüssig, die Ungerechtigkeiten vor und nach seiner Geburt zu hinterfragen.

Ich reiste mehrmals nach Israel. Zunächst mit meinen Eltern, die ihre Freunde von früher wiedersehen wollten – die wenigen, die den Holocaust überlebt hatten. Dann als Teenager, um in einem Kibbuz in Galiläa bei der Obsternte zu helfen. Und noch vor kurzem als Gast von Universitäten. Ich habe mich in diesem Land nie „zu Hause“ gefühlt, und doch war ich glücklich, dort zu sein, glücklich, dass ich dort sein durfte. Ich hatte das Gefühl, an dem aufregenden Abenteuer der Pioniere teilzunehmen, die, wie man mich gelehrt hatte, „die Wüste wieder zum Blühen gebracht“ hatten, ohne dafür einen Preis zu zahlen.

Um Vergebung bitten

Ich wusste nicht und wollte auch nicht wissen, dass dieses Land nie menschenleer gewesen war; dass es bereits einem anderen Volk gehört hatte und dass es ihm weggenommen worden war; dass die Staatsgründung Hunderttausende Männer und Frauen ins Exil gezwungen hatte; dass diese Ungerechtigkeit zu immer mehr Ungerechtigkeit, zu immer mehr Gewalt geführt haben. Ich wollte nicht sehen, dass sich David nach und nach in einen Goliath verwandelt hatte. Die Leidenschaft in Ignoranz ist eine starke Leidenschaft. Sie wird erst richtig skandalös, wenn sie denjenigen erfasst, der sich „Philosoph“ nennt.

Im Gegensatz zu anderen Religionen legt das Judentum mehr Wert auf die Praxis als auf den Glauben. Man kann beten, ohne unbedingt „gläubig“ zu sein. Als die junge Hannah Arendt einem Rabbiner sagte, sie habe „den Glauben verloren“, antwortete dieser: „Wer hat Sie gebeten, Glauben zu haben?“ Mein Vater bezeichnete sich selbst als „Anarchist und Atheist“ (und zur Empörung seiner Freunde behauptete er, dass die Palästinenser ein Recht auf ihren Staat hätten). Das hinderte ihn jedoch nicht daran, der Vorsänger unserer kleinen Gemeinschaft zu sein und an Feiertagen unter Tränen die Gebete zu singen. Ich muss etwa zehn Jahre alt gewesen sein, als ich es wagte, ihn zu fragen, warum er betete, obwohl er sich selbst als Atheist bezeichnete. Er antwortete mir: „Ich bete für die Toten“. Als ich erwachsen wurde, beschloss ich, seinem Beispiel zu folgen. Es schien mir möglich, mich an einen Gott zu wenden, ohne zu wissen, ob es ihn irgendwo gab und ob er meine Stimme hören würde.

In diesem Jahr habe ich damit aufgehört. Wie können wir um Vergebung für unsere Fehler bitten, wenn wir mit denen beten, die ein Massaker gutheißen? Um den Unsterblichen anzurufen, muss ein Jude dies zusammen mit anderen Juden tun – mindestens zehn von ihnen -, denn ihre Anrufung ist die eines Volkes, das seinen Bund jedes Mal erneuert, wenn es sich an seinen Gott wendet. Dieses Volk ist es, das heute fehlt.

Wilde Aggression

Fehlen ist schlimmer als ein Fehler, denn der, der den Fehler begeht, kann ihn früher oder später zugeben und um Vergebung bitten, während der, der fehlt, sich nicht einmal als Täter zu erkennen geben kann. So ergeht es mittlerweile einem sehr großen Teil der Israelis. Sie sagen: „Für uns ist jeden Tag der 7. Oktober“ –für sie selbst, aber auch für die unschuldigen palästinensischen Zivilisten, die ihre Armee massakriert hat. Die grausame Aggression, die Israel erlitten hat, hat es geblendet, betäubt und ihm jeglichen ethischen Sinn und jegliches Mitgefühl für die anderen Opfer dieses Krieges genommen. Daran mangelt es diesem Volk.

Habe ich mein Volk „verraten“, indem ich gegen das Blutvergießen protestiert habe, wie es mir schon vorgeworfen worden ist? Hat dieses Volk sich selbst verraten? „Lo-‚Ammi“, „nicht mein Volk“: Eine Stimme hatte Hosea, einem Propheten aus biblischer Zeit, befohlen, seinen Sohn so zu nennen. Die Stimme erklärte ihm: „Ihr seid nicht mein Volk, und ich bin nicht euer Gott. Aber es wird ein Tag kommen„, fährt die Stimme fort, ‚ an dem ich vergeben werde, an dem ich zu dem Nicht-Meinem-Volk sagen werde: ‘Du bist mein Volk‚, und es wird mir antworten: ‘Mein Gott‘.“

Wer wird heute für uns prophezeien? Wer wird uns diese Zehntausende von hungernden, verstümmelten und getöteten Männern, Frauen und Kindern vergeben, wenn es uns nicht gelingt, für diese Verbrechen um Vergebung zu bitten? Wenn ich es schaffe, wieder zu beten, werde ich für ein zukünftiges Volk beten, ein Volk, das des Bundes würdig ist.

Vov Jacob Rogozinski, Philosoph, Universität Strasbourg

Buchempfehlung

Die reale Unglaublichkeit

„Gaza ist zerstört und verwüstet, unbewohnbar, und so wird es auch bleiben. Lassen Sie sich nicht von der Freude unserer Feinde beeindrucken, das ist eine animalische Gesellschaft, die den Tod feiert und auf den Trümmern ihres Lebens tanzt. Sehr bald werden wir ihr Lächeln wieder auslöschen und es durch Schreie der Trauer und das Wehklagen derer ersetzen, die mit nichts zurückgelassen werden.“

Bezalel Smotrich, israelischer Finanzminister, ynet, 18.01.2025

„Während der lang ersehnte Waffenstillstand im Gazastreifen in Kraft trat, verstärkte die israelische Todesmaschinerie ihre Angriffe im Westjordanland und tötete heute in Jenin zehn Menschen. Wenn Israel nicht gezwungen wird, damit aufzuhören, wird sich der Völkermord an den PalästinenserInnen nicht auf den Gazastreifen beschränken. Merken Sie sich meine Worte.“

Francesca Albanese, UN-Sonderberichterstatterin, 21. Jänner 2025

„Israel hat am zweiten Tag von Trumps Präsidentschaft die „Operation Eiserne Mauer“ im Westjordanland in Jenin gestartet. Sie ist benannt nach Jabotinskys Essay „Die eiserne Mauer“ von 1923. Hier ein Auszug davon:

„Die zionistische Kolonisierung muss entweder enden, oder sie muss ohne Rücksicht auf die einheimische Bevölkerung weitergehen. Das bedeutet, dass sie nur unter dem Schutz einer von der einheimischen Bevölkerung unabhängigen Regierung stattfinden und sich entwickeln kann –hinter einer eisernen Mauer, die die einheimische Bevölkerung nicht durchbrechen kann.““

Heidi Matthews, Professorin für Internationales Strafrecht, Toronto, 21.01.2025

„Das Westjordanland steht in Flammen.

Und ausgerechnet jetzt, wo die Dörfer in Flammen stehen, hat Trump beschlossen, Bidens Sanktionen gegen extremistische Siedler aufzuheben. Trump hat es übernommen, diesen Siedlern eine Botschaft zu senden – sie werden nicht nur vor Ort nie zur Rechenschaft gezogen werden, sondern ihnen wird von den Vereinigten Staaten auch freie Hand über das Leben der Palästinenser gelassen.“

Standing Together, 22.01.2025

Während sich die Aufmerksamkeit der deutschsprachigen Medien auf die Freilassung von drei israelischen Geiseln aus der Gefangenschaft der Hamas richtete, wurde der Freilassung von 90 Palästinenserinnen und Palästinenser aus israelischen Gefängnissen – die meisten von ihnen waren monatelang ohne Anklage festgehalten worden – weit weniger Beachtung geschenkt. Die ersten Austauschmaßnahmen im Rahmen des Waffenstillstandsabkommens für den Gazastreifen sollten mehr oder weniger zeitgleich stattfinden, doch Israel verzögerte die Freilassung aus dem Ofer-Gefängnis im besetzten Westjordanland um rund sieben Stunden, so dass die Familien der Gefangenen bis ein Uhr nachts warten mussten, um wieder mit ihren Angehörigen vereint zu sein.

Unter den Freigekommenen befanden sich auch drei palästinensische Journalistinnen: Rula Hassanein, Bushra Al-Tawil and Ashwaq Awad. Rula Hassanein beispielsweise wurde am 19. März 2024 bei einer Hausdurchsuchung in ihrem Haus in Bethlehem im besetzten Westjordanland verhaftet. Die Armee beschlagnahmte ihren Laptop und ihr Telefon. Hassanein, die für die in Ramallah ansässige Wattan News Agency und zuvor für das Quds News Network gearbeitet hatte, ist für ihre Berichterstattung über die israelische Besatzung und Menschenrechtsverletzungen bekannt. Sie wurde vor ein israelisches Militärgericht im israelischen Ofer-Gefängnis gestellt und wegen „Aufwiegelung in sozialen Medien“ angeklagt, weil sie Beiträge auf Facebook veröffentlicht hatte. Als Rula Hassanein verhaftet wurde, musste sie ihre neun Monate alte Tochter, die sie noch stillte, bei ihrem Mann zurücklassen, was sie in eine psychische Ausnahmesituation brachte. In einem Interview schildert sie, wie sie sich immer wieder an einen Kopfpolster klammerte mit dem Gedanken, er wäre ihr Kind. Trotz mehrfacher Aufrufe von internationalen journalistischen Vereinigungen wie beispielsweise CPJ (Komitee zum Schutz von Journalisten), Rula Hassanein sofort freizulassen, blieb sie in Haft. Seit Nach zehn Monaten Haft in einem israelischen Gefängnis ist die Journalistin wieder mit ihrem Mann und ihrer Tochter vereint.

Die israelische Menschenrechtsorganisation B’Tselem veröffentlichte dazu ein Statement mit dem Titel

„So sieht ein Waffenstillstand nicht aus“:

„Seit über 15 Monaten führt Israel einen gnadenlosen Krieg gegen das gesamte palästinensische Volk. Seit Israel und die Hamas am 19. Januar 2024, einen vorübergehenden Waffenstillstand im Gazastreifen und ein Abkommen über die Freilassung von Geiseln und Gefangenen verkündet hatten, hat Israel seine Gewalt gegen die palästinensische Bevölkerung im Westjordanland intensiviert. Israel ist weit davon entfernt, das Waffenstillstandsabkommen mit den Palästinensern dem Geiste nach einzuhalten, und hat auch weiterhin nicht die Absicht, dies zu tun. Stattdessen verlagert es lediglich seinen Aggressionsschwerpunkt von Gaza auf andere von ihm beherrschte Gebiete im Westjordanland.

Kaum war die Tinte auf dem Waffenstillstandsabkommen getrocknet, blockierte die israelische Armee die meisten Zugänge zu und von palästinensischen Dörfern und allen Städten im Westjordanland, wodurch das tägliche Leben von mehr als drei Millionen PalästinenserInnen schwer beeinträchtigt wurde: SchülerInnen konnten ihre Schulen und Universitäten nicht erreichen, PatientInnen hatten keinen Zugang zu medizinischer Versorgung und Arbeitnehmer konnten ihre Arbeitsplätze nicht erreichen. Bei einer Reihe von militärischen Angriffen, unter anderem in Sabastiya, ‚Azzun, Jenin, Beit Furik und Hebron, sind bereits neun Palästinenser ums Leben gekommen, darunter mindestens ein Minderjähriger. Dutzende wurden verletzt und Dutzende wurden bei Massenverhaftungen in Gewahrsam genommen.

In den letzten beiden Nächten wurde das Westjordanland von einer Welle der Gewalt durch Siedler heimgesucht. Unter den Augen von Soldaten griffen Israelis palästinensische Dörder an, versuchten, Häuser mit ihren BewohnerInnen in Brand zu setzen, fackelten Autos ab und richteten wüste Sachschaden an, unter anderem in Turmusaya, al-Funduq, Sinjil, Al-Mughayyir und Jinsafut. Die Angreifer selbst erklärten, diese Pogrome seien Racheakte für die Freilassung palästinensischer Gefangener im Rahmen des Abkommens. Siedler halten auch wichtige Kreuzungen im Westjordanland blockiert. Vorbeifahrende palästinensische Fahrzeuge bewerfen sie mit Steinen.

Wenn man noch die militärischen Aktivitäten der israelischen Armee im Westjordanland zwei Tage vor Inkrafttreten des Waffenstillstandsabkommens für den Gazastreifen zu den offiziellen Kriegszielen hinzufügt, spricht das Bände über die wahren Absichten der israelischen Regierung. Die israelische Regierung, die von den Amerikanern und Saudis gezwungen wurde, die Kämpfe in Gaza einzustellen, nutzt diese Pause als Gelegenheit und Ersatz, die Repressalien gegen die palästinensische Bevölkerung im Westjordanland zu verschärfen.

So sieht ein Waffenstillstand nicht aus.“

Im ersten (gekürzten) Beitrag von Sharif Abdel Kouddos und Mariam Barghouti geht es um eine groß angelegte Invasion israelischer Einheiten im Westjordanland, bei der mehrere Menschen getötet und über 90 Personen verhaftet wurden.

Im zweiten (gekürzten) Beitrag berichtet Cody O’Rourke von der Organisation „The Good Sheperd Collective“ über die massiv zunehmenden Angriffe auf die palästinensische Bevölkerung und ihr Eigentum durch israelische Siedler. UN-OCHA berichtet, dass im Jahr 2024 1.420 Fälle von Siedlergewalt dokumentiert wurden, das entspricht fast vier Angriffen pro Tag.

Im dritten Beitrag geht es um die wirtschaftlich katastrophale Situation vieler Palästinenserinnen und Palästinenser im Westjordanland, deren – auch schon vor Oktober 2023 hohe – Arbeitslosenquote sich verdreifacht hat. Der Journalist Haitham S. schreibt: „In meinem Dorf Umm Al-Khair in den südlichen Hebron-Hügeln haben die meisten Familien keine Einkommensquelle mehr. Zusätzlich zu der beängstigenden Zunahme der Angriffe von Siedlern und der Zerstörung von Häusern in unserer Gemeinde stehen die meisten BewohnerInnen nun vor dem finanziellen Ruin.“

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Nur Tage nach der Unterzeichnung der „Waffenruhe“ in Gaza marschiert die israelische Armee in Jenin ein

Die israelische Führung lässt durchblicken, dass die Operation im Rahmen eines geheimen Abkommens während der Abstimmung über die Waffenruhe in Gaza geplant wurde.

Von Sharif Abdel Kouddos und Mariam Barghouti, 21. Jänner 2025

(Vollständiger Originalbeitrag in englischer Sprache: https://www.dropsitenews.com/p/israel-invades-jenin-days-after-gaza-ceasefire)

Vorwort von Sharif Abdel Kouddos:

Weniger als 24 Stunden nach der Amtseinführung von Präsident Donald Trump haben die israelischen Streitkräfte eine nach eigenen Angaben groß angelegte Operation im besetzten Westjordanland eingeleitet, darunter eine groß angelegte Invasion in Jenin. Israelische Minister haben angedeutet, dass die Militäroperationen Teil einer Abmachung sind, die der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu mit seinem Kabinett getroffen hat, um es davon zu überzeugen, dem „Waffenstillstand“ in Gaza zuzustimmen.

Das von Trump ernannte nationale Sicherheitsteam und israelische Beamte haben das Gaza-Abkommen als etwas dargestellt, das Israel nicht einzuhalten gedenkt. Während Trump seine unbestreitbare Rolle bei der Erzwingung eines Abkommens gefeiert hat, hat er auch angedeutet, dass er nicht glaubt, dass das Abkommen Bestand haben wird. Gestern Abend gab er eine Reihe von Erklärungen zum Gaza-Streifen ab und sagte: „Das ist nicht unser Krieg, das ist ihr Krieg. Aber ich bin nicht zuversichtlich“ und fügte hinzu, dass der Gazastreifen ein ‚phänomenaler Ort am Meer‘ sei und dass ‚einige schöne Dinge damit gemacht werden könnten‘.

Während am Sonntag in Ramallah 90 palästinensische Gefangene im Rahmen des Austauschs von drei in Gaza festgehaltenen Israelis freigelassen wurden, sind allein in den letzten 24 Stunden über 90 Palästinenser im Westjordanland festgenommen worden. Unterdessen hat die Gewalt durch israelische Soldaten und Siedler seit Sonntag im gesamten Westjordanland zugenommen. Die Journalistin Mariam Barghouti berichtet aus dem Westjordanland und sprach während der israelischen Angriffe mit EinwohnerInnen in Jenin.

Israel hat (21.01.2025) eine groß angelegte Militäroperation gegen Jenin im besetzten Westjordanland eingeleitet und die Stadt mit Truppen, Militärfahrzeugen und Bulldozern überfallen, unterstützt von Luftangriffen, Drohnen und Apache-Hubschraubern. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums in Ramallah wurden bei der Operation, die Israel als „Operation Eiserne Mauer“ bezeichnet hat, mindestens neun Palästinenser getötet und mehr als 40 verletzt.

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu erklärte, das Ziel der „groß angelegten und bedeutenden Militäroperation“ sei es, „den Terrorismus in Jenin auszurotten“.

„Wir gehen systematisch und entschlossen gegen die iranische Achse vor, wo immer sie sich ausbreitet – ob im Gazastreifen, im Libanon, in Syrien, im Jemen oder in Judäa und Samaria [so bezeichnet Israel das besetzte Westjordanland, Anm.] – wir werden unsere Bemühungen fortsetzen“, schrieb Netanjahu in einem Beitrag auf X.

Israelische Soldaten stürmten am Dienstagnachmittag vom Militärkontrollpunkt Jamaleh aus die Stadt, nachdem eine Spezialeinheit in das Gebiet eingedrungen war, wie lokale Journalisten in Jenin berichteten. „Gegen 13.00 Uhr waren israelische Spezialeinheiten in der Nähe unseres Hauses westlich des Lagers, und es wurde heftig geschossen“, berichtet Susan Mahajneh, 35-jährige Bewohnerin des Lagers, gegenüber Drop Site News.

„Ich zog die Kinder an und wir machten uns auf den Weg nach draußen, denn die Gefahr im Lager wurde immer größer, scharfe Munition wurde abgefeuert, während Apache-Hubschrauber über uns kreisten“, so Mahajneh. „Ich trug meine Kinder auf dem Arm, während sie vor Angst weinten, und lief weiter in Richtung Ibn-Sina-Krankenhaus, um Sicherheit und Zuflucht zu finden.“ Mahajneh sucht jetzt Schutz bei einem Verwandten, der außerhalb des Lagers lebt. „Es war unglaublich schwierig zu fliehen, da die israelischen Streitkräfte in unsere Richtung schossen, um uns zurück ins Haus zu zwingen“, sagte sie, “aber ich weigerte mich und bestand darauf, dass wir gehen, damit ich meine Kinder vor dem, was noch kommen wird, schützen kann.“

AugenzeugInnen und ZivilistInnen im Lager berichten, dass die israelischen Streitkräfte das Flüchtlingslager von Jenin umzingelt haben und dass Scharfschützen auf jeden schießen, der versucht, das Lager zu verlassen. „Die Menschen haben versucht, während der israelischen Invasion aus dem Lager zu fliehen, aber nur wenige konnten entkommen. Andere sitzen an den Rändern des Lagers fest und können es nicht verlassen“, sagte Ahmad, ein 26-jähriger Bewohner des Lagers, gegenüber Drop Site, wobei er anonym bleiben wollte.

Während er sprach, ertönten im Hintergrund Explosionen und Schüsse. „Sie haben gerade das Gebiet, in dem wir uns befinden, mit einem Luftschlag angegriffen“, sagt er. Laut Ahmad war der zweite Luftangriff innerhalb von drei Stunden auf einen Bereich gerichtet, in dem Krankenwagen im Lager stationiert sind. Außerdem rissen israelische Bulldozer eine Reihe von Straßen in der Stadt auf und zerstörten sie.

Unter den von den israelischen Streitkräften am Dienstag getöteten Personen war auch ein Zivilist namens Abed Alwahhab Saadi. Auf im Internet veröffentlichten Aufnahmen ist er zu sehen, wie er unbewaffnet eine leere Straße entlanggeht, als er plötzlich unter Beschuss gerät und zu rennen beginnt, bevor er erschossen wird und mit dem Gesicht nach unten zu Boden fällt. Ein weiteres schockierendes Video zeigt, wie eine Familie während der Fahrt in ihrem Auto wiederholt unter Beschuss gerät und dabei Berichten zufolge ein weiterer Zivilist, Ahmed Nimer Obeidi, getötet wird.

Mindestens drei Ärzte und zwei Krankenpfleger wurden in den ersten zwei Stunden nach dem Einmarsch durch israelische Schüsse verletzt. Die israelischen Streitkräfte belagerten auch das Al-Amal-Krankenhaus in der Nähe des Lagers und feuerten mit scharfer Munition, während sie die Sanitäter daran hinderten, die Verletzten zu erreichen. Gleichzeitig berichteten BewohnerInnen, dass israelische Truppen überall in der Stadt Häuser von ZivilistInnen gewaltsam eingenommen und in behelfsmäßige Militärstellungen umgewandelt haben.

Um 17.00 Uhr am Dienstag hatte das israelische Militär den gesamten Bezirk Jenin zur militärischen Sperrzone erklärt und in mindestens sechzehn umliegenden Städten und Dörfern aktive Operationen durchgeführt.

Die Operation am Dienstag fand nur zwei Tage nach Beginn der „Waffenruhe“ im Gazastreifen statt, deren erste Phase sechs Wochen andauern soll. Israelischen Ministern und Medienberichten zufolge sind die Militäroperationen in Jenin und anderen Gebieten des Westjordanlandes Teil einer Vereinbarung, die Netanjahu mit seinem Kabinett vor der Waffenruhe im Gazastreifen getroffen hat.

Am Dienstag erklärte der israelische Finanzminister Bezalel Smotrich, dass der israelische Angriff auf Jenin die „Sicherheitslage“ im Westjordanland verändern solle. „Nach dem Gazastreifen und dem Libanon haben wir heute mit Gottes Hilfe damit begonnen, das sicherheitspolitische Konzept auch in Judäa und Samaria zu ändern und eine Kampagne zur Ausrottung des Terrorismus in der Region zu starten“, so Smotrich in einem Beitrag auf X. Diese Operationen, fügte er hinzu, sei ein „Teil der Kriegsziele, die vom [Sicherheitskabinett] am Freitag auf Antrag der Partei des Religiösen Zionismus hinzugefügt wurden“, und bezog sich dabei auf die Kabinettsgespräche über den Waffenstillstand im Gazastreifen am vergangenen Wochenende. Außerdem bezeichnete er die Operation Eiserne Mauer als Teil einer Strategie zum Schutz der SiedlerInnen.

Die israelische Militäroperation in Jenin ist Teil eines umfassenderen Angriffs auf palästinensische Dörfer und Städte im gesamten Westjordanland. An dem Tag, an dem die „Waffenruhe“ im Gazastreifen in Kraft trat, führten israelische Sicherheitskräfte Angriffe in mehreren Städten im Westjordanland durch, schlossen Kontrollpunkte und richteten in anderen Gebieten „fliegende“ – oder neue – Checkpoints ein, während sie die Eingänge zu größeren Städten, darunter Ramallah und al-Khalil (Hebron), abriegelten. Aufgrund der israelischen Abriegelung konnten viele der 90 palästinensischen Gefangenen, die am Sonntag in Ramallah freigelassen wurden, nicht zu ihren Familien in verschiedenen Städten im Westjordanland zurückkehren.

Am Montag führte das israelische Militär einen Angriff in der Stadt Azzun im östlichen Qalqilya durch und verhaftete 64 Palästinenser, darunter auch Kinder. Im Internet veröffentlichte Aufnahmen zeigen, wie Männer und Jungen gezwungen werden, sich mit dem Gesicht nach unten auf die Straße zu legen, bevor sie in einer langen Reihe abtransportiert werden. In den letzten 24 Stunden wurden im Westjordanland über 90 Palästinenser festgenommen.

Israelische Siedler haben auch eine Reihe von Städten und Dörfern angegriffen, Häuser und Fahrzeuge von palästinensischen Familien in Brand gesetzt, Straßen blockiert und Steine geworfen. In Sebastia, Nablus, erschossen israelische Streitkräfte einen 14-jährigen palästinensischen Jungen.

In einer Erklärung vom Montag zeigte sich das UN-Menschenrechtsbüro „beunruhigt über eine neue Welle der Gewalt durch Siedler und israelische Soldaten im besetzten Westjordanland, die mit der Umsetzung des Waffenstillstandsabkommens für den Gazastreifen und der Freilassung von Geiseln und Gefangenen zusammenfällt. Dies ging einher mit einer zunehmenden Einschränkung der Bewegungsfreiheit der PalästinenserInnen im gesamten Westjordanland, einschließlich der vollständigen Schließung einiger Checkpoints und der Errichtung neuer Tore, wodurch ganze Gemeinden faktisch eingeschlossen werden.“

Unterdessen hob US-Präsident Donald Trump in Washington die Sanktionen gegen eine Reihe israelischer SiedlerInnen im Westjordanland auf, indem er kurz nach seinem Amtsantritt eine Durchführungsverordnung erließ, um die von der Regierung Biden verhängten Maßnahmen aufzuheben.

Trump sagte auch, er sei nicht zuversichtlich, dass die Waffenstillstandsvereinbarung für den Gazastreifen halten werde. „Das ist nicht unser Krieg, es ist ihr Krieg. Aber ich bin nicht zuversichtlich“, sagte er aus dem Oval Office. „Ich habe mir ein Bild von Gaza angesehen – Gaza ist wie eine riesige Abrissbude. Dieser Ort muss wirklich auf eine andere Art und Weise wieder aufgebaut werden“, sagte er und fügte hinzu, dass der Gazastreifen ein ‚phänomenaler Ort am Meer‘ sei und dass ‚einige schöne Dinge damit gemacht werden könnten‘.

Mariam Barghouti ist Schriftstellerin und Journalistin und lebt im Westjordanland. Sie ist Mitglied des Marie Colvin Journalist Network.

Sharif Abdel Kouddous ist unabhängiger Journalist, acht Jahre lang war er als leitender Produzent, Co-Moderator und Korrespondent für die unabhängige Fernseh- und Radionachrichtensendung Democracy Now! tätig.

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Nach der Zerstörung des Gazastreifens wendet sich Israel dem Westjordanland zu

 Seit gestern führt das israelische Militär eine groß angelegte Razzia im Flüchtlingslager Jenin im Westjordanland durch, bei der mindestens zehn Palästinenser getötet und mehr als 35 verletzt wurden. Die von den israelischen Streitkräften als „Eiserne Mauer“ bezeichnete Operation zielt zweifellos auf eine Eskalation der Gewalt im gesamten Westjordanland ab, um die rechten Gruppierungen zu besänftigen, die Netanjahus Koalition zu sprengen drohen – nämlich Betzalel Smotrich und Itamar Ben-Gvir.

Von Cody O’Rourke, The Good Sheperd Collective, 22. Jänner 2025

(Vollständiger Originalbeitrag in englischer Sprache: https://goodshepherdcollective.org/posts/2025/01/22/after-the-destruction-of-gaza-israel-turns-to-west-bank)

Schon vor der Ankündigung des so genannten Waffenstillstandsabkommens haben die israelischen Streitkräfte und Siedler die Gewalt und die Einschränkungen im besetzten Westjordanland deutlich verschärft: Zwischen dem 7. und 13. Januar töteten israelische Streitkräfte sechs Palästinenser, darunter drei Kinder, und verletzten 38 weitere. Bei Luftangriffen im Flüchtlingslager Jenin am 14. und 15. Januar wurden 12 Palästinenser, darunter ein Kind, getötet.

Die Eskalationen des israelischen Staates haben seit der Ankündigung eines Waffenstillstands nun noch weiter zugenommen. Israelische Siedler, die unter dem Schutz des Staates stehen, verübten im gesamten besetzten Westjordanland gewalttätige Angriffe, setzten palästinensische Häuser, Fahrzeuge und Grundstücke in Brand und verletzten mindestens 21 PalästinenserInnen. Ziel der koordinierten Angriffe waren die Dörfer Jinasfut, Funduq, Masafer Yatta, Sinjil, Ein Siniya und Turmus Aya. Die Siedler brannten Häuser, eine Gärtnerei und Fahrzeuge nieder, griffen PalästinenserInnen an und beschädigten ihr Eigentum. Die Angriffe sind Teil einer immer weiter eskalierenden Routine der Gewalt, die darauf abzielt, die palästinensischen BewohnerInnen aus ihren Gemeinden zu vertreiben.

Am 9. Januar setzten Siedler, die vermutlich aus der Siedlung Shilo stammen, ein landwirtschaftliches Gebäude im Dorf Khirbet Abu Falah nahe Ramallah in Brand. Am folgenden Tag, dem 10. Januar, zerstörten Siedler eines neuen Außenpostens in der Nähe des Dorfes Bardala im nördlichen Jordantal mehr als 100 palästinensische Olivenbäume und schikanierten Bauern, die den Schaden begutachten wollten. Sie riefen daraufhin die israelischen Streitkräfte, die vier Palästinenser festnahmen und die Olivenbauern mit der Begründung, es handele sich um eine Militärzone, aus dem Gebiet vertrieben. Am nächsten Tag, dem 11. Januar, griffen bewaffnete Siedler den Außenbezirk von Turmus’ayya in Ramallah an, beschädigten zwei Häuser und brachen in landwirtschaftliche Einrichtungen ein. Als die Siedler weiter in die Stadt vordrangen, kam es zu Zusammenstößen, bei denen vier Palästinenser, darunter ein Kind, durch Steinwürfe verletzt wurden. Berichten zufolge wurden keine Siedler verletzt. Im zentralen Westjordanland stürmten bewaffnete Siedler am selben Tag Barriyet Kisan in Bethlehem. Sie warfen Steine auf palästinensische Häuser und warfen einen Molotowcocktail auf ein Haus. Bei dem Angriff wurde ein Haus teilweise beschädigt und Futter für das Vieh zerstört, nachdem in einem anderen Gebäude ein Feuer ausgebrochen war.

Im Schulterschluss mit den Siedlern setzten israelische Soldaten Tränengas ein. Der Palästinensische Rote Halbmond behandelte die Verletzten, von denen auch viele durch Schläge Prellungen erlitten hatten.

Auch wenn die Gewalt in Jenin im Mittelpunkt des Interesses steht, darf nicht vergessen werden, dass der israelische Staat seit Anfang des Jahres bereits 27 Militäroperationen in Ostjerusalem und im Westjordanland durchgeführt hat, bei denen 71 Häuser und Gebäude zerstört und 107 Palästinenser während des Winters vertrieben und obdachlos gemacht wurden. Im Flüchtlingslager Jenin haben die laufenden Militäroperationen seit Dezember 2024 2.000 Familien vertrieben, während die verbliebenen 3.400 Bewohner mit einem Mangel an Lebensmitteln, Wasser und Strom zu kämpfen haben.

Cody O’Rourke ist Mitarbeiter der palästinensischen Organisatiom The Sheperds Collective. Sein sehr lesenswerter (englischsprachiger) Blog über sein Leben und seine Arbeit in Palästina/Israel kann unter https://medium.com/cody-orourke abgerufen werden.

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Im Westjordanland ist palästinensische Arbeitslosigkeit jetzt israelische Politik

Nach dem 7. Oktober hat Israel die Arbeitserlaubnis von mehr als 150 000 PalästinenserInnen widerrufen. Zusätzlich zu den zunehmenden Angriffen der Siedler steht mein Dorf vor dem finanziellen Ruin.

Von Haitham S., +972Mag, 21. Januar 2025

(Originalbeitrag in englischer Sprache: https://www.972mag.com/west-bank-unemployment-permits-israel/)

Seit dem Beginn des israelischen Angriffs auf den Gazastreifen im Oktober 2023 leidet die palästinensische Bevölkerung im besetzten Westjordanland unter einer akuten Krise von Arbeitslosigkeit. In den ersten sechs Monaten des Krieges hat sich die [ohnehin auch vorher schon hohe, Anm.] Arbeitslosenquote fast verdreifacht, und mehr als 300.000 ArbeitnehmerInnen haben ihre Haupteinkommensquelle verloren.

Mehr als die Hälfte dieser Menschen arbeitete innerhalb Israels, bis die Behörden ihnen nach dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober die Arbeitserlaubnis entzogen. Palästinensische Arbeiter haben wiederholt um die Wiedererteilung ihrer Einreiseerlaubnis nach Israel angesucht, damit sie für ihre Kinder sorgen und ein menschenwürdiges Leben führen können, aber ihre Anträge wurden bisher abgelehnt.

In meinem Dorf Umm Al-Khair in den südlichen Hebron-Hügeln haben die meisten Familien keine Einkommensquelle mehr. Zusätzlich zu der beängstigenden Zunahme der Angriffe von Siedlern und der Zerstörung von Häusern in unserer Gemeinde stehen die meisten BewohnerInnen nun vor dem finanziellen Ruin. Wir befinden uns bereits im zweiten Jahr dieser Realität und haben immer noch keine Lösungen oder angemessene finanzielle Unterstützung.

In der Vergangenheit lebte unsere Gemeinde von der Schafzucht und der Landwirtschaft. Doch im Laufe der Jahre haben die Ausdehnung der jüdischen Siedlung Carmel – die bei ihrer Gründung 1980 die Hälfte des Dorfes an sich gerissen hat – und die Gewalt der israelischen Siedler und Soldaten den größten Teil unseres Landes unzugänglich gemacht. Auf der Suche nach alternativen Einkommensquellen begannen viele junge Männer der Gemeinde als Arbeiter in Israel zu arbeiten – bis der Krieg dem ein Ende setzte.

Ahmed Hathaleen, ein 29-jähriger Arbeiter, der vor dem Krieg auf israelischen Baustellen gearbeitet hat, ist nun seit über sechzehn Monaten arbeitslos. Im August 2023 erlitt er einen schweren Arbeitsunfall, bei dem ihm in einem israelischen Krankenhaus ein Finger amputiert werden musste. Bis seine Wunden verheilt waren, hatte der Krieg begonnen und Israel hatte ihm die Arbeitserlaubnis entzogen.

Da er kein anderes Einkommen hat, um seine Familie zu unterstützen, ist Ahmed gezwungen, Freunde um Geld zu bitten, was ihm peinlich ist und wofür er sich schämt. Aber, wie er sagt, er habe keine andere Wahl: „Ich bin Vater von zwei Kindern: Khaled, der zweieinhalb Jahre alt ist, und Majed, der 10 Monate alt ist. Mit Majed wurde ich in den ersten Kriegsmonaten gesegnet. In diesem Alter brauchen meine Kinder viel Zuwendung, und da ich nicht arbeiten kann, ist es äußerst schwierig, sie mit dem Nötigsten zu versorgen.“

Erschwerend kommt hinzu, dass Ahmed täglich Nachrichten und Anrufe von jenem israelischen Krankenhaus erhält, in dem er operiert wurde, und das ihn daran erinnert, die Schulden zu begleichen, die in den Monaten nach der Operation durch notwendige Nachsorgetermine entstanden sind. Das Krankenhaus hat ihm ein Ultimatum gestellt: Er solle den ausstehenden Betrag bezahlen, sonst werde seine Akte an die israelischen Gerichte weitergeleitet, was ihm zusätzliche Kosten in Form von Anwaltsgebühren und Bußgeldern für verspätete Zahlungen aufbürden würde.

„Ich habe derzeit nichts“, beklagte Ahmed. „Ich schulde bereits vielen Freunden Geld, das ich mir geliehen habe, um meine Familie und meine Kinder durchzubringen, und ich schulde dem Krankenhaus eine Summe, die ich nicht zurückzahlen kann. Je mehr Zeit vergeht, desto schlimmer wird die Situation. Keiner kümmert sich um uns.“

Viele andere Familien in Umm Al-Khair befinden sich in einer ähnlichen Situation. Einige waren sogar gezwungen, grundlegende Dinge wie Möbel zu verkaufen, um ihre Kinder zu durchzubringen.

Ammar Hathaleen, ein 32-jähriger Landarbeiter, verlor seine Arbeit in Israel, als der Krieg begann. „Ich habe sechs Kinder – wir haben eine Menge Ausgaben“, erklärt er. „Seit ich mein Einkommen verloren habe, habe ich keine Möglichkeit, sie zu unterstützen.

Ammar suchte ständig nach Arbeit im Westjordanland, konnte aber nichts finden. Er versuchte, auf seinen Feldern in der Nähe des Dorfes Weizen und andere Produkte anzubauen und zu ernten, um Geld für Lebensmittel zu sparen, aber die israelische Armee und die Siedler machten den Zugang zu seinem eigenen, privaten Land unmöglich.

Abgeschnitten von unserem eigenen Land

Ammars Fall veranschaulicht die großen Schwierigkeiten, mit denen palästinensische Landwirte im gesamten Westjordanland konfrontiert sind, da die von der israelischen Regierung finanzierten Siedlungen sie zunehmend von ihrem eigenen Land abschneiden. In Hebron und den umliegenden Dörfern wie Umm Al-Khair werden seit jeher die meisten Weintrauben des Westjordanlandes angebaut, und zusammen mit dem Jordantal wird hier der größte Teil der Viehzucht in der Region betrieben.

Es ist daher kein Zufall, dass die Siedler ihre Angriffe strategisch auf dieses fruchtbare Gebiet konzentriert haben. Mit Unterstützung der israelischen Armee haben die Siedlermilizen die Kontrolle über Zehntausende von Dunam [ein Dunam entspricht 1000 m2, Anm.] landwirtschaftlicher palästinensischer Nutzfläche übernommen.

Vor dem 7. Oktober mussten Landwirte in Umm Al-Khair, die ihr Land am Rande der israelischen Siedlungen während der Olivenernte und des Pflügens betreten wollten, eine Sondergenehmigung der israelischen Behörden einholen. Im vergangenen Jahr hat Israel jedoch diesen Koordinierungsmechanismus abgeschafft, so dass viele Landwirte in Umm Al-Khair ihr Land überhaupt nicht mehr betreten konnten.

In der Praxis dürfen die PalästinenserInnen in den südlichen Hebron-Hügeln ihre Herden nur in einem Radius von 100 Metern um die Gemeindezentren hüten, während die Siedler ihr Vieh auf palästinensischem Privatland weiden lassen, das mit Weizen und Gerste bepflanzt ist.

In den letzten 15 Monaten wurden wir außerdem Opfer einer noch nie dagewesenen Anzahl von Siedlerangriffen. Regelmäßig dringen Siedler in das Dorf ein, schikanieren die BewohnerInnen mit Pfefferspray, greifen uns mit Stöcken an und stehlen unser Holz. Anfang dieses Monats ließen Siedler aus Carmel riesige Drohnen über unser Dorf fliegen, was die Bedrohung und Überwachung unseres täglichen Lebens noch verstärkte.

In der Zwischenzeit sehen wir uns auch zunehmender Gewalt von einem neueren Außenposten namens Havat Shorashim ausgesetzt, der 2022 errichtet wurde und eigentlich sogar nach israelischem Recht illegal ist, obwohl die Armee ihn schützt und mit Dienstleistungen versorgt. Seit Juli hat eine Gruppe von Siedlerhirten aus diesem Außenposten damit begonnen, unser privates landwirtschaftliches Land zu betreten und die Wasserleitung des Dorfes zu durchtrennen – die einzige Wasserquelle für die gesamte Gemeinschaft. Jedes Mal reparieren wir sie, aber es ist nur eine Frage von Tagen oder Wochen, bis ein Siedler kommt und es wieder kaputt macht.

Israels Angriffe auf das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästinaflüchtlinge (UNRWA) haben die finanzielle Misere unserer Gemeinschaft noch verschlimmert. Da es sich bei den Bewohnern von Umm Al-Khair um Flüchtlinge aus anderen Teilen des historischen Palästina handelt – unsere Vorfahren wurden während der Nakba 1948 aus der Region Bir As-Saba/Be’er Sheva vertrieben – sind wir auf die Hilfe und die sozialen Dienste von UNRWA angewiesen, einschließlich der Versorgung mit Grundnahrungsmitteln und Bargeld-Soforthilfe. Seit einem Jahr haben die palästinensischen Flüchtlinge von Umm Al-Khair keine nennenswerte Hilfe mehr erhalten, so dass unsere Gemeinschaft besonders anfällig für Angriffe und Übergriffe von Siedlern ist.

Viele palästinensische Arbeiter betonten, dass die internationalen Institutionen eingreifen und Druck auf die israelische Regierung ausüben müssen, insbesondere im Hinblick auf die wirtschaftliche Lage im Westjordanland – sei es, indem sie den PalästinenserInnen die Rückkehr zu ihren Arbeitsplätzen in Israel erlauben oder indem sie Hilfsorganisationen wie der UNRWA erlauben, Soforthilfe zu leisten. Die palästinensischen Arbeiter und Bauern von Umm Al-Khair sehen in dem, was ihnen widerfährt, das Ergebnis einer vorsätzlichen israelischen Politik, die von einer rechtsextremen Regierung betrieben wird und darauf abzielt, die palästinensische Bevölkerung zu schwächen, indem sie uns wirtschaftlich vernichtet. 

Haitham S. ist ein Pseudonym für einen palästinensischen Journalisten aus dem Dorf Umm Al-Khair, der aus Angst vor Repressalien durch israelische Siedler und Soldaten anonym bleiben möchte.

 

Heute ein Hinweis in eigener Sache:

Johannes Zangs Nahost-Podcast: JeruSalam

Berichterstattung über Gaza: Gespräch mit der Öffentlichkeitsreferentin der Palästinensischen Vertretung in Wien

Wie berichten deutsche oder österreichische Medien über den seit 15 Monaten tobenden Gaza-Krieg? Und was machen englischsprachige Medien anders? Warum startete Dr. Martha Tonsern, Öffentlichkeitsreferentin der Palästinensischen Vertretung in Wien, nach ca. zwei Kriegsmonaten einen Rundbrief, der aktuell zweimal pro Woche ausgesandt wird?

https://www.podcast.de/episode/666241918/berichterstattung-ueber-gaza-gespraech-mit-der-oeffentlichkeitsreferentin-der-palaestinensischen-vertretung-in-wien

Bitte hören Sie nicht auf, über Gaza zu sprechen.

Mit allen guten Wünschen

Martha Tonsern

 

Buchempfehlung

Eine Katastrophe, die zehnmal tödlicher ist als in Gaza

Allerdings verliert fast niemand Worte darüber

Aus der Tribüne Jüive

Völkermord im Gange

Es ist das Problem, dass es hier unmöglich ist, Israel zu beschuldigen, weil es Araber sind, die sudanesische Schwarze töten, die SFR (arabische paramilitärische Truppe, die 2013 aus den Janjaweed-Milizen hervorgegangen ist, die Darfur verwüstet haben).

Letzes Jahr hatte die 10-jährige Naimat die Schrecken des Krieges im Sudan erlebt. Sie überlegte einige Wellen ethnischer Angriffe auf ihre Masalit-Gemeinschaft in der Region Darfur. Bei einem dieser Angriffe wurde Naimat Großmutter tödlich getroffen und ihre ältere Schwester schwer verletzt.

Naimats Mutter fasste ihre 10 Kindern zusammen und floh entlang einer Straße, an der SFR-Mitglieder Sperren errichtet hatten und flüchtende Zivilisten ausraubten, vergewaltigten und sogar töteten. Die Straße war mit Leichen gerade gepflastert.

Naimat und ihrer Familie glückte es, die Grenze nach Adré im Osten des Tschad zu überqueren, wo sich inzwischen mehr als 900.000 andere Flüchtlinge eingefunden haben. Seit Ausbruch der Kämpfe zwischen dem offiziellen Militär des Landes und der RSF im April 2023 herrschen Gewalt und Hunger im Sudan.

Gewalt und Hunger haben bisher mehr als 13 Millionen Sudanesen aus ihrer Heimat vertrieben, was zahlenmäßig zur größten Vertreibungskrise der Welt geführt hat (vgl.: CNN, 20. Oktober 2024).

Seltsamerweise gibt es im ganzen Sudan keine UN-Organisation, die sich um die 13 Millionen Flüchtlinge kümmert, wie z.B. UNRWA (United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East)

Léon Ouaknine

 

Die Welt dreht sich und Deutschland steht still

Ayatollah Khameney liegt im Koma: Iran ernennt seinen Sohn Mojtaba zu seinem Nachfolger. „Iran International“, ein internationales persischsprachiges Medienunternehmen mit saudischem Einfluss, das Gegnern des Mullah-Regimes gehört, berichtet, dass Teheran den Nachfolger des Ayatollahs, Ali Khamenei, in der Person von Mojtaba Khameney, seinem zweiten Sohn, ernannt hat, der alsbald die Nachfolge seines komatösen Vaters antreten soll.

Mojtaba Khameney

Die Iraner werden nicht eher über Ali Khameneys Ableben oder sein endgültiges Siechtum informiert werden, bevor sich die Revolutionsgarden der vollen Kontrolle über die Straßen sicher sind. Ein Umsturz in Teheran soll so verhindert werden.

Obwohl diese Situation eigentlich eine aktivere Militärpolitik des Westens erlauben würde, zeigt sich Europa in seiner vollen Degeneration

 „Frankreich“ ließ sich durch ihn (Bild) vor einer Le Pen – Regierung retten; Mélenchon hat die politische Manipulation zu einer großen Kunst gemacht:

Um in Zukunft alle Stimmen der muslimischen Wähler zu sammeln, ist er zu jeder Niedertracht bereit. Schmach und Schandtaten halten ihn nicht zurück. Und er scheut sich nicht, seine eigenen Thesen als bloße Phrasen auszugeben.

Nach Ansicht des Retters soll in der Zukunft in Bezug auf Israel und die Israelis folgendes gelten:

 

 – Sie dürfen beim Eurovision Song Contest nicht singen

-Sie dürfen bei den Olympischen Spielen keinen Sport treiben

-Sie dürfen ihre Produkte nicht verkaufen,

-Sie dürfen sich nicht in einem Verein treffen

-Sie dürfen nicht auf Messen ausstellen

-Sie haben nicht das Recht, Mitglied des Parlaments zu sein.

– Sie haben nicht das Recht, Geistlicher zu sein

-Sie dürfen nicht Fußball spielen.

 Das wären die vorgesehenen Verbote für Juden laut LFI. Diese von Bruno Attals zusammengestellte List erhielt einige Kommentare auf „X“:

 1.

Mélenchon erweckt auf seinen Fotos immer den Eindruck einer ferngesteuerten Puppe, deren Gesten immer übertrieben feindselig sind.

2.

Man muss zugeben, dass der als Spanier in Tanger geborene Mélenchon, damals spanisches Territorium von spanischen Eltern und Großeltern aus Murcia und Valencia, glauben muss, zur Zeit der Inquisition zu leben. Wie konnte dieser kleine Lehrer dank des SNES-Syndikats zu einem linken Islamisten und einem Anti-Franzosen werden, der von einem Frankreich träumte, das von Arabern und Schwarzafrikanern dominiert werden soll? Nur eine immer zunehmende Pathologie kann sein Verhalten an antiweißem, antijüdischem, ja sogar antichristlichem Rassismus erklären. Umgeben von unkultivierten Menschen wie Bojar oder Ebóno, stolziert er herum .

3.

Wie verschiedene Autoritäten vorschlagen, muss nur die Auflösung dieser bellenden und unkultivierten Sekte, die Frankreich beleidigt und seine Werte und Gesetze missachtet, unverzüglich erfolgen, bevor die Gegner andere, radikalere Entscheidungen treffen, die von der Laxheit der Regierung vorgesehen sind, die zwar die Gesetze der Republik durchsetzen soll, die aber durch Macron, die inkompetente Marionette, nichts anderes sagt als: „so ist es eben.“

4. (von „Daniela“)

Sie sind Nazis.

5.

@Daniela in der Tat. Die FI ist eine Nazi-Partei (*). Aber zwischen ihnen und Macron, der EU oder der „Demokratischen“ Partei der USA ist der Unterschied so dünn wie ein Blatt Zigarettenpapier. Ich werde einenanzünden. Gute Nacht.

(*) Deshalb lehne ich den Begriff „Islamo-Linkismus“ ab, der die Dinge falsch benennt und kontraproduktiv ist. Islamofaschismus und Islamonazismus sind dagegen relevante Begriffe.

Wie links Mélénchon auch eingestellt ist, in Deutschland segelt die Jüdische Allgemeine weiterhin gegen den Wind, mal auf dem halblinken Regierungskurs der Deutschen, dann nach einem Manöver unter dem Wind nach Rechts auf israelischem Kurs. Dabei ist der Kurs der Bundesregierung und ihres französischen Partners für Israels Wirtschaft weitaus gefährlicher, als es die BDS je sein könnte:

Der französischen Regierung geht es auch ums Prinzip; ihre politischen Entscheidungen seien nicht justiziabel. Sie hat folglich Berufung gegen die Entscheidung des Verwaltungsgerichts eingelegt, die es israelischen Unternehmen erlaubte, auf einer Verteidigungsmesse auszustellen

Ihr Berufungszweck: Israel von der Teilnahme an zukünftigen Verteidigungsmessen auszuschließen. Weil die Euronaval Naval Defense Exhibition vor etwa einer Woche zu Ende gegangen war, besteht die eigentliche Bedeutung des Rechtsmittels darin, der französischen Regierung zu offen zu halten, Israelis von der Teilnahme an zukünftigen Verteidigungsausstellungen zu auszuschließen, und zwar in Hinblick auf die größte und wichtigste Verteidigungsmesse, der „Paris Air Show“ im Juni 2025. Der Vertreter der französischen Regierung beruft sich darauf, dass das Verwaltungsgericht nicht befugt sei, über die politischen Entscheidungen der französischen Regierung zu entscheiden, und dass daher die Entscheidung des Gerichts, die Teilnahme israelischer Unternehmen an der Ausstellung zu erlauben, nichtig sei.

Aus der Tribüne Jüive

Es wird zum Sammeln geblasen

Binyamin Netanyahu beruft einen neuen Botschafter in Washington. Seine Wahl scheint Programm zu sein. Der Name: Yechiel Leiter. geboren in Pennsylvania, ist als US-amerikanischer Jude bereits 1978 nach Israel ausgewandert und lebt in den besetzten Gebieten, was er so nie formulieren würde. Für ihn heißt das Westjordanland Judäa und Samaria, so wie das Gebiet in der Tora genannt wird. Leiter war in verschiedenen Führungsorganisationen der Siedlerbewegung aktiv, etwa in Hebron. Hervorgetan hat er sich bei Yesha, der Schirmorganisation aller Siedler. Der promovierte politische Philosoph, dessen Sohn bei den Kämpfen in Gaza im November 2023 gefallen ist, war von 2004 ab Büroleiter des damaligen Finanzministers Binyamin Netanyahu und blieb diesem eng verbunden. Er arbeitet auch eng mit der rechtskonservativen NGO namens Kohelet Forum zusammen. Sie war maßgeblich an der Vorbereitung der sogenannten «Justizreform» von 2023 beteiligt, die ein Ende der aktuellen Gewaltenteilung vorsah. Nun wurde er von Premier Netanyahu zum neuen Botschafter Israels in den USA berufen.

Er sei eine exzellente Wahl, meinte Netanyahu, ein Mann, der amerikanische Politik und Kultur bestens verstehe. Und er sei ein Bewunderer von Donald Trump, den er als den besten US-Präsidenten für Israel aller Zeiten ansieht. Die Wahl des Premiers deutet daraufhin, dass man nun, in der Ära Trump, die Annexion des Westjordanlandes endgültig durchziehen möchte. Und es gibt sogar gute Aussichten dafür. Trump hatte in seiner ersten Amtszeit einen Friedensplan ausarbeiten lassen, der damals vorsah, dass Israel einen großen Teil von Judäa und Samaria in sein Staatsgebiet einverleiben könne. Nun hoffen die Rechten in Israel, dass Trump mindestens an der Stelle weitermachen wird, wo er vor vier Jahren aufhören musste. Wenn das so kommen sollte, kommen auf die Palästinenser extrem schlechte Zeiten zu.

Die „WELT“ berichtet in diesen offenbar guten Zeiten für Israel, wie weit der Gaza-Konflikt derzeit auf unser friedliches Europa seine Funken fliegen lässt. Dabei wird der Eindruck erweckt, als seien die alten Antisemiten ihrer Gräber entstiegen. Das Problem hatte in gewisser Weise die CDU geschaffen, als Angela Merkel glaubte, „wir schaffen das“. Eineinhalb Millionen Syrer ließ sie nach Deutschland kommen, aber von Integration kaum eine Spur, sondern nur Fehlanzeigen; die WELT:

„In Zusammenhang mit dem Nahost-Krieg zwischen Israel und der Hamas wurden in Deutschland zwischen dem 1. Januar und dem 30. September dieses Jahres bundesweit 3931 Straftaten gezählt. Rund 72 Prozent davon ordneten die Polizeibehörden innerhalb der politisch motivierten Kriminalität dem Phänomenbereich „ausländische Ideologie“ zu, rund zehn Prozent dem Bereich „religiöse Ideologie“, rund acht Prozent „sonstige Zuordnung“, rund sechs Prozent „links“ sowie rund vier Prozent „rechts“.……

Proteste in Berlin

…..  1396 Tatverdächtige – also 35,5 Prozent bei Straftaten mit Bezug zum Nahost-Konflikt  –   haben die deutsche Staatsangehörigkeit, 130 eine unbekannte, 83 die syrische, 57 die türkische, jeweils 46 sind staatenlos oder US-Bürger. 38 Tatverdächtige haben die iranische Staatsangehörigkeit, 22 die ägyptische. Insgesamt haben die Tatverdächtigen 77 unterschiedliche Staatsangehörigkeiten….“

Die Tribüne Jüive beobachtet in Frankreich die Entwicklung bereits im fortgeschrittenen Stadium. Ihr Feind ist die antikolonialistisch orientierte LFI – „Unbeugsames Frankreich“. Abgesehen davon, dass die Unruhen von Amsterdam in der Fußballszene nicht völlig neu sind, regen sich die üblichen Kommentatoren maßlos auf. Die Tribüne Jüive geht sogar so weit, Juden  – und speziell der Damenwelt –  zu raten, zu lernen, Widerstand zu leisten. Damit der deutsche Leser eine Vorstellung bekommt, was in Frankreich diskutiert wird, vorab ein Beitrag von Antoine Desjardins; er verlangt, ähnlich wie bei uns die Jüdische Allgemeine ein Parteienverbot, bei uns eines der AfD, dort eines von La France Insoumise, einer eher linken Partei, die bei den letzten Parlamentswahlen ein Kartell zusammenbrachte, die Rechten um ihren Sieg zu bringen; Desjardins:

„Die Partei LFI  wird von Leuten geführt, die mehr oder weniger offen zu einer Intifada aufrufen. Eine kommunitaristische, rassistische, sektiererische, antisemitische, intolerante, gewalttätige Partei, die mit der Muslimbruderschaft, den Islamisten, der Hamas, der Hisbollah, mit allem, was der erklärte Feind Frankreichs ist, Händchen hält.

Eine Bewegung, die einen Aktivisten Syriens ins Europäische Parlament schickt.

Eine Bewegung, die 71 Abgeordnete hat, die alle auf der gleichen ideologischen Linie stehen, was sie dazu verleiten kann zu sagen, dass die geplanten Anschläge in Amsterdam im Grunde gerechtfertigt sind wegen eines anhaltenden „Völkermords“, für den alle Juden mehr oder weniger verantwortlich sind.

Eine Bewegung, die die Jugend über Studentenvereinigungen rekrutiert, die schließlich Milizen bilden, die einem Präsidenten der Nationalversammlung den Zugang zu einer Universität für eine Debatte und eine Konferenz verwehren.

Eine Bewegung, die die republikanische Polizei ständig beleidigt und verleumdet, die die Sezession fördert, die die Vorstädte unter Hausarrest stellt und sie auffordert, die Republik und den Säkularismus abzulehnen.

Eine propagandistische Bewegung, die den Hass auf Frankreich und seine Kultur, die Verachtung der demokratischen Institutionen, die Ablehnung des rationalen Dialogs und des freien Denkens schürt. Eine Bewegung, die eine Form des Terrors an den Universitäten beherrscht, die verhindern möchte, dass Bücher herauskommen oder Tagungen abgehalten werden…..Eine obskurantigste, anti-universalistische, rückschrittliche und sogar kriminogene Bewegung (trotz des Bataclan und Samuel Paty und all der anderen), weil sie international herumposaunt, dass Frankreich auf systematische Weise islamophob und rassistisch ist.

Eine zynische Bewegung, die die Tragödie von Gaza und die Toten der Palästinenser instrumentalisiert, in der Hoffnung, ein „revolutionäres“ Chaos nach Frankreich zu importieren, das er und sein Führer (Mélenchon) auszunutzen hoffen.

Diese Bewegung ist ein objektiver Komplize aller Islamisten der Welt, die am Zusammenbruch Frankreichs und dem Ruin Europas, am Triumph der Scharia, und an der schlichten Auslöschung Israels hängen.

Die LFI hasst Israel und seine Bevölkerung viel mehr als eine große Anzahl arabisch-muslimischer Länder: Ägypten, Jordanien, Saudi-Arabien, die Emirate usw. die den Islamismus und die Muslimbruderschaft, die Hamas, für eine Plage halten.

In Frankreich sind zwei Lehrer ermordet worden wegen der „Islamophobie“, der sie sich schuldig gemacht haben, wegen ihrer Gedankenfreiheit und Karikaturen, die „Blasphemien“ sind, wegen unseres Säkularismus, der ein verabscheuungswürdiger Angriff auf die Muslime ist, so die politische Bewegung, von der ich hier spreche.

DIE LFI-BEWEGUNG IST IMMER NOCH NICHT AUFGELÖST UND VERBOTEN, IHRE „SPRECHER“ VERBREITEN WEITERHIN UNGESTRAFT BEMERKUNGEN, DIE DEN HASS EINES GANZEN VOLKES SCHÜREN, GANZ ZU SCHWEIGEN VOM HASS AUF FRANKREICH.

RIMA HASSAN IST IHRE STAATSBÜRGERSCHAFT NICHT ENTZOGEN WORDEN.“

Ein weiterer Artikel von Gilles-William Goldnagel führt in dieser Richtung weiter:

„Nach dem Angriff auf Maccabi Tel Aviv-Fans in den Straßen von Amsterdam versuchten mehrere gewählte Vertreter, die Gewalt herunterzuspielen oder sie zu erklären. Die aufständischen Deputierten, die eine neue Stufe der Infamie erreichen, rechtfertigen nun die Jagd auf Juden in der Stadt von Anne Frank. Fabien Roussel, der kaum im Verdacht steht, dem Zionismus übermäßig treu zu sein, und der über X schrieb: „Letzte Nacht wurden in Amsterdam Anhänger auf der Straße einer europäischen Stadt gejagt, bedroht und gelyncht, weil sie Juden sind“, antwortete die französische Abgeordnete für Ille-et-Vilaine, Marie Mesmeur, ohne Scham:

 

„Diese Leute wurden nicht gelyncht, weil sie Juden waren, sondern weil sie rassistisch waren und Völkermord unterstützten.“

Foto: JOEL SAGET / AFP

Mit bemerkenswerter Schnelligkeit überwies Innenminister Bruno Retailleau die Angelegenheit wegen Verherrlichung eines Verbrechens an die Staatsanwaltschaft. Auch Anwälte ohne Grenzen und mehrere verletzte israelische Staatsbürger werden die Angelegenheit an die Staatsanwaltschaft weiterleiten.

Mit der gleichen Geschwindigkeit zeigten seine Genossen von Insoumise einen schönen Geist der Solidarität. Darüber hinaus haben die Abgeordneten Boyard, Panot und andere eine große Aktion unternommen, das Fußballspiel zwischen Frankreich und Israel, zumindest unter den schlechtesten Sicherheitsbedingungen stattfinden zu lassen. Sie applaudierten offensichtlich dem Banner „Freies Palästina“, das von den Ultras-Anhängern von Paris Saint-Germain entrollt wurde, mit dessen Selbstgefälligkeit und fälschlicherweise als „pro-palästinensisch“ und friedlich angesehen wurde, während es auf martialische Weise einen Krieger in einer Keffiyeh darstellt.

Die Reaktionen der Medien auf die Jagd auf Juden in den Straßen der Anne-Frank-Stadt waren sehr sensibel für politische Befindlichkeiten. Wenn die Presse der Rechten und des Zentrums tadellos waren, so konnte man feststellen, dass Libération es für notwendig hielt, auf der Tatsache zu bestehen, dass sich die Anhänger der Maccabi Tel Aviv am Vorabend schlecht benommen hatten, einige indem sie eine palästinensische Flagge abrissen, andere durch unangemessene Bemerkungen.

Der öffentlich-rechtliche Sender seinerseits sprach zu Beginn der Abfolge von „Zusammenstößen“ heftig, und eine Journalistin von France Info sprach am Freitag von „Makkabi-Ultras, die von Pro-Palästinensern verfolgt werden“, ohne zu wissen, woher sie wusste, dass alle angeklagten israelischen Fans übertriebene Meinungen hatten.

Natürlich ist es nicht unser Wunsch, alle Fußballfans wie angesehene Pianisten aussehen zu lassen, aber diese Art von Bemerkungen zielt wahrscheinlich darauf ab, die Verantwortung der hasserfüllten islamistischen Banden zu verwässern, die eine organisierte und vorsätzliche Jagd auf Juden betrieben haben, insbesondere dank der Informationen, die von Taxifahrern erhalten wurden, die angaben, in welchen Hotels die Israelis wohnten.

Ein dokumentierter Artikel im Daily Telegraph vom 8. November beschreibt diesen vorsätzlichen Lynchmord detailliert: „Die Übergriffe auf jüdische Fans wurden über Whatsapp- und Telegram-Schleifen geplant und koordiniert.“ Eine der Botschaften lautet: „Morgen, nach dem Spiel, in der Nacht, zweiter Teil der Jagd auf Juden.“ Ein anderer: „Morgen kümmern wir uns um sie.“ Die Teilnehmer bezeichnen israelische Fans als „Krebshunde“. Im Übrigen beschreibt der Telegraph die Szenen äußerster Gewalt und Hass, die den oben gebrauchten Ausdruck rechtfertigen und von denen ich gewöhnlich sparsam bin.

Meine Vorstellungskraft ist nicht in der Lage, die Reaktion der Medien oder der Politik zu beschreiben, wenn ein Beobachter mit einer kühnen Hypothese versucht, eine „Ratonnade“ damit zu entschuldigen, dass sich einige algerische Anhänger schlecht benommen hätten… Ich beneide ihn nicht um sein soziales oder berufliches Schicksal. Was hätte die Insoumise also während der Zwischenfälle des Spiels Frankreich-Algerien, bei dem die Marseillaise ausgiebig ausgebuht wurde und gewalttätige algerische Fans auf das Spielfeld eindrangen, gesagt, wenn die Abgeordneten eine Jagd auf Araber mitten in Paris gerechtfertigt hätten?

Aber so ist es nun mal. Sartre hat in seinen Reflexionen über die Judenfrage das antisemitische Phänomen gut erklärt. Unter dem Vorwand, es gäbe jüdische Diebe, galt es, alle Juden zu bestrafen. Auf der äußersten Linken, in der Insoumise-Bewegung, hat uns diese Art von konsubstantiell rassistischer Argumentation, die auf einige Ultras-Anhänger angewandt wird, sogar erlaubt, uns über die Zurechtweisung aller Juden zu freuen.

…. Wir werden uns weiterhin auf die Frage des Staatsoberhaupts konzentrieren. Emmanuel Macron beschwor ohne viel Aufhebens „die unwürdigsten Stunden der Geschichte“ herauf. Aber die harte Wahrheit zwingt uns zu bekennen, dass uns das Zick-Zack-Hin und Her seines Wortes schwindlig macht, und die Tatsache, dass er sich weigerte, gegen den islamischen Antisemitismus zu demonstrieren, bedeutet, dass wir nicht mehr demonstrieren.

Die Hauptsache bleibt wohl. Zu lange habe ich gesagt und geschrieben, dass der Hass des Ostens auf die westlichen Juden nicht vom Hass der Weißen abgekoppelt werden kann. Die Abscheu des Israelis von der des ursprünglichen Franzosen. Ich sehe keinen Unterschied in der Abscheu zwischen dem Schlag auf einen Israeli auf den Straßen von Amsterdam und dem Schlag auf einen Franzosen, ob Jude oder nicht, auf den Straßen von Paris. Und es sind die gleichen politischen Kriminellen, die hier wie dort die gleichen Streiks entschuldigen.

Es ist höchste Zeit, ihnen gnadenlos den Weg zu versperren. Es ist fünf Minuten vor Mitternacht in Amsterdam. In Paris ist es die gleiche Zeit.

© Gilles-William Goldnadel“

Mal  sehen, wie es weitergeht

TR(i)UMP(f)!!!

Aus der Tribüne Jüive

(Anmerkung vorab: Wir bringen diesen Artikel, um aufzuzeigen, wie schief Bundesregierung und ihr „Jüdischer Zentralrat“ innerhalb der jüdischen Welt Europas liegen)

Der Sieg von Donald Trump ist überwältigend.

Das Comeback des Mannes ist kaum zu glauben, weil er bei den letzten Wahlen geschlagen worden war, und in die Affäre um den Angriff auf das Kapitol verwickelt war Dennoch gewinnt er 4 Jahre später in  einer Wahl, die von vielen Beobachtern als nicht gewinnbar angesehen wurde.

Der Sieg des Mannes ist vollständig, weil er sowohl die Präsidentschaftswahlen als auch die Wahlen zu beiden Kammern des Kongresses, den Senat und das Repräsentantenhaus, gewann, die zum republikanischen Lager wechselten, was ihm sehr weitreichende Befugnisse verlieh.

Er errang auch die Mehrheit der Stimmen der Bevölkerung, das heißt, er lag bei den abgegebenen Stimmen absolut vor Kamala Harris.

Dieser Sieg ist natürlich in erster Linie sein Sieg, der einer außergewöhnlichen Persönlichkeit, die extrem entschlossen und spaltend wirkt. Aber Trumps Sieg lässt sich auch durch die unglaublichen Unzulänglichkeiten der Demokraten in diesem Wahlkampf erklären.

 

Die Demokraten hielten es für angebracht, Joe Biden zu unterstützen und jeden anzugreifen, der dessen Fähigkeiten in Frage stellte. Sie hielten bis zur Fernsehdebatte im Juni an, in der er unfähig schien, zu debattieren, an Biden fest.

Von da an wurden die Unwahrheiten, die der Öffentlichkeit von den Mainstream-Medien der Demokraten, aber auch von Kamala Harris laufend aufgetischt wurde, deutlich. Für ihre Lügen sind die Demokraten allein verantwortlich.
In ihrer Zwangslage hat das demokratische Lager mitten in der Furt die Pferde gewechselt, wobei es ohne eine Debatte zuzulassen, auf einen Notkandidaten, den Vizepräsidenten, zurückgefallen ist.

Jeder erinnert sich an die Parolen von Obama und von Trump, während heute schon niemand sagen kann, was der Slogan oder die Idee von Kamala Harris‘ Kampagne gewesen ist.

Die Demokraten meinten, sie könnten einfach auf der Welle der Ablehnung Donald Trumps surfen. Aber um eine Präsidentschaftswahl zu gewinnen, sollte man schon ein minimales Programm für das Land zu formulieren wissen
Die bloße Hoffnung auf Kontinuität der Politik von Joe Biden konnte nicht ausreichen, um Kamala Harris zu etablieren. Sie selbst wagte es nicht, vielleicht hatte sie auch nicht die Zeit, ein neues Programm zu präsentieren.

Sie hatte während der Amtszeit unter dem Misstrauen von Joe Biden gelitten. Sie schien nicht bereit zu sein, den Vorsitz zu in der Partei zu übernehmen, weil ihr der Präsident selbst nicht zutraute, ihn in den den Tagesgeschäften zu vertreten.

Darüber hinaus hat Donald Trump die Sympathien vieler unentschlossener Wähler gewonnen, indem er zwei Mordversuche überlebte, von denen einer fast erfolgreich gewesen wäre, weil der Schutz, den ihm vom gegnerischen Lager gewährt wurde, unzureichend war.

Donald Trump ist bereits Präsident der Vereinigten Staaten gewesen, ohne dass es zu einer Katastrophe gekommen war, was allen Argumenten extremistischer Szenarien die Glaubwürdigkeit genommen hat.

Sicher ist, dass die USA fortan gegenüber den europäischen Verbündeten anspruchsvoller auftreten werden. Sie werden stärker auf wirtschaftlichen Erfolg ausgerichtet sein. Wenn die Person des Präsidenten „unberechenbarer“ sein wird, ist dies für die USA nur vorteilhaft.

In Israel genießt Trump großen Zuspruch in der Bevölkerung und in allen Teilen der Öffentlichkeit. Es ist allerdings noch zu früh, um sagen zu können, ob seine Wahl allein ausreichen wird, Frieden zu schaffen, den er in Aussicht gestellt hat.

Auf jeden Fall ist Trumps Erfolg für israelische Bürger keine schlechte Nachricht.

Wird Amerika seine Führungsrolle zurückgewinnen?
Nur die Zeit wird es zeigen.

© Raphaël NISAND 

Kolumnist bei Radio Judaïca

Vor dem Spiel Frankreich gegen Israel: Präsident Macron besucht am Donnerstag das Match

  1. November 2024Jüdischer TribunLeitartikel 0

Sie haben keine Bedenken, am Donnerstag das Fußballspiel Frankreich-Israel zu besuchen?   –   Nein, warum? Ich bin doch kein Jude (Tribüne Jüive)

3000 Gendarmen und allerlei alle Sonderdienste sollen im Stadion, 1500 Polizisten in den U-Bahnen und Bussen Präsenz zeigen. Es wird keinen Zwischenfall geben, und Macron wird sich dann auch die Schulter klopfen können, die Ordnung und Sicherheit gewährleitet zu haben.

Der Innenminister Bruno Retailleau hatte sich geweigert, das Spiel nach Korsika zu verlegen. Er wollte zeigen, dass die republikanische Ordnung Frankreichs garantiert werden kann. Die Republik hängt nicht von der Laune von Islamisten und dem Wohlwollen  von Drogendealer ab.
Präsident Macron hätte die Ambitionen von Retailleau unterstützt und entschieden, am Match teilzunehmen. Israelis scheinen das Stadion nicht besuchen zu wollen; ob französische Juden auf den Tribünen das Spiel verfolgen werden, ist auch fraglich.

Welche Mannschaft würden sie anfeuern wollen? Die französische oder die aus Israel?