Der Mord in Hebron ist kein Einzelfall

von Israelischer Reserveoffizier

Jeder, der irgendwann einmal in den Besetzten Gebieten Dienst getan hat, als Soldat und erst Recht als Offizier und den Film über den Mord in Hebron gesehen hat, weiß, dass das, was dort jetzt geschah, nicht das erste Mal ist. Die Gleichgültigkeit, mit der der Soldat sein Gewehr spannt, ohne dass irgendwer um ihn herum ihn hindert, geduldig zielt und eine Kugel abfeuert, während die Offiziere neben ihm ein wenig zur Seite treten, damit der Knall sie nicht beim Telefonieren stört – all das sind Routinebilder.

Als einer, der dort war und das alles als Offizier erlebt hat, ist mir vollkommen klar, dass es für keinen von ihnen das erste Mal war, dass sie gesehen haben, wie eine „Neutralisierung“ endgültig erledigt wird. Der Unterschied ist nur der, dass dieses Mal eine Kamera dabei war. Vielleicht war dort auch irgendein „Breaking the Silence“-Aktivist, aber diesen kann man schon ignorieren und sagen, dass er ein Lügner oder Verräter ist. Es ist aber schwer über einen Film zu sagen, dass er lügt und ein Verräter ist. Er zeigt die Wahrheit in ihrer ganzen Macht. 

Das wird freilich nicht verhindern, dass der Mob in Israel in dem Soldaten einen Helden sieht (was in mir Ekel verursacht, nicht nur wegen der Art der Tat, sondern weil es auch etwas über unsere Helden aussagt). Die Grundfrage ist, was es über uns als Gesellschaft sagt. Wir fragen uns, wie eine demokratische Gesellschaft, gebildet und zivilisiert, wie in Deutschland, zu einer blutrünstigen Gesellschaft wurde, die in der Lage ist, schreckliche Gewalttaten durchzuführen.

Die Antwort ist – genau so!  Die Verwandlung des Anderen zu einem Untermenschen (der Autor schreibt auf Hebräisch „Untermensch“), einer, dessen Blut Freiwild ist. Die Bedingungen zum Töten oder nur Quälen kommen öfters vor, und am Ende benötigt man keine Bedingungen mehr. Er hatte ein Messer? Er muss sterben. Bum. Er hatte eine Tasche? Er hätte eine Bombe tragen können. Bum. Er wurde geboren? Er wird aufwachsen, um ein Terrorist zu werden. Bum.

Es ist zum Verzweifeln

Erschienen in Haaretz.

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