Die Linke und die Antisemitismusdebatte: J’accuse – Ich klage an

Die Amerikaner würden das, was in den letzten Tagen in Berlin passiert ist mit „upside-down“ beschreiben, und die Israelis würden sagen, dass die Welt „meschuge“ ist, was so viel heißen soll, dass einigen Abgeordneten der Linken offensichtlich das Blut in den Kopf gestiegen und der Verstand in die Hosen gerutscht ist.

Die Antisemitismusdebatte bei den Linken ist wie die Chemotherapie bei einem
Krebskranken. Der Kranke hat schon eine Glatze, die so glatt ist wie ein Kinderpopo und so glänzt wie der Mond in einer stockfinsteren Nacht. Nach jeder Chemo glaubt man, dass die Metastasen auf nimmer wiedersehen verschwunden sind, aber sie kommen immer wieder zurück. So ist es mit den Metastasen der Linken. Sie wollen nicht verschwinden.

Natürlich gibt es auch bei den anderen Parteien Antisemiten, nur das dort darüber weniger gestritten wird und dort keine Selbstzerfleischung stattfindet, wie bei den Linken. Die Art und Weise jedoch, wie Linke mit dem Problem umgehen, erfordert zuweilen viel Geduld und starke Nerven. Das spiegelt sich ganz besonders bei der Debatte, die zurzeit in allen Foren geführt wird und die durch Gysis beschämendes Verhalten gegenüber zwei jüdischen Journalisten, von denen einer Israeli ist, ausgelöst wurde. Es ist schon komisch und man könnte lachen, wenn es nicht so traurig und absurd wäre, wenn deutsche Linke uns Juden Antisemiten nennen und israelischen Juden belehren wollen, wie sie ihre Staatsführung und deren Politik zu kritisieren haben und auch noch solchen Kritikern der israelischen Staatspolitik beibringen wollen, was in Israel passiert. 

Der Höhepunkt des innerparteiischen Konflikts ist eine Stellungnahme von Mitgliedern der Partei, die bisher von 59 Mitglieder unterzeichnet wurde. Es ist ein perfider und widerlicher Akt der Denunziation von den Mitgliedern, die Mut und Zivilcourage gezeigt hatten und keine Angst hatten vor dem Mob der Scheinheiligen und Heuchler, die nicht müde werden zu erwähnen, dass sie die Vertreter des „demokratischen Sozialismus“ sind. Rosa Luxemburg dreht sich bestimmt im Grab um angesichts solcher unverschämten Behauptungen für die ich als Jude nur das Wort „Chuzpeh“ kenne.

Man beklagt in dieser Stellungnahme, dass man ausgerechnet am „heiligen“Tag der Deutschen, am 9. November, eine Veranstaltung zum Nahost-Konflikt organisiert hatte. Und ausgerechnet mit zwei jüdischen Journalisten. Wann, wenn nicht an einem solchen Tag, der auch uns Juden gehört, sollte man über Unrecht, Rassismus und Unterdrückung sprechen, wenn nicht an einem Tag, an dem die Unterdrückung der Juden begann? Die meisten Mitglieder der Linken samt ihren Mitgliedern im Deutschen Bundestag haben doch die deutsche Einheit gefeiert und haben mitnichten an das Schicksal der „Jüdinnen und Juden“ gedacht. Soviel Heuchelei ist kaum noch erträglich, besonders wenn man die Chuzpeh hat daran zu erinnern, dass Deutschland eine besondere Verantwortung hat, jede Art von Antisemitismus, Rassismus, Unterdrückung und Krieg entgegenzutreten. Aber genau darum ging es doch den zwei Juden.Sie wollten gegen Rassismus und Krieg entgegentreten.

Aber die linken Genossen sehen das anders. Sie denken, dass die besondere Verantwortung nur gegenüber Israel gilt. Das Schicksal der Palästinenser interessiert sie nicht die Bohne, es lässt sie kalt und macht sie nicht betroffen. Sie wollen nicht wissen, dass die Palästinenser heute die Juden der Juden sind und deshalb in der Tat auch unmittelbar der deutschen Verantwortung unterstellt sind, auch der Verantwortung der Linken. Dass bei dem fürchterlichen Massaker der israelischen Besatzungsarmee im Sommer auch eine deutsche Familie in Gaza komplett ausgerottet worden ist, interessierte niemanden innerhalb der politischen Kaste in Berlin, die so genannte Linkspartei mit eingeschlossen.

In der Stellungnahme wird auch davon gesprochen, dass sich viele Parteimitglieder schämen. Ich hoffe sie schämen sich über das falsche Verhalten von Dr. Gregor Gysi und nicht über den Mut der drei oder fünf weiblichen Abgeordneten. Sie betreiben keine Dämonisierung Israels, dafür sorgt schon Petra Pau und der Vorstand und natürlich diejenigen, die für diese peinliche Stellungnahmen verantwortlich sind. Sie wollten die verlorene Ehre des blamierten Gregor Gysi retten. Aber diese Ehre war schon im Klo herunter gespült worden.

Die Verantwortlichen bedauern, dass eine sachliche Auseinandersetzung über die Entwicklung im Nahen Osten durch solche Anlässe unmöglich wird. Da haben sie vollkommen Recht. Sie hatten die Chance, mit einem israelischen Aktivisten und einem renommierten US-Journalisten zu sprechen, sich informieren zu lassen, und haben diese Chance vertan, weil sie sich von einem rechtszionisitischen Kampagnenjournalisten haben hinters Licht führen lassen. Stattdessen wiederholen sie immer die absurde Behauptung, dass wir Juden die Shoa relativieren und das Existenzrecht Israels in Abrede stellen. Wie soll ein jüdischer Israeli sein eigenes Existenzrecht in Frage stellen?

Warum darf Gysi in aller Schärfe Bundeskanzlerin Merkel angreifen und ihr Versagen
vorwerfen, aber ein Israeli, auch einer, der in der Armee gedient hat und sein Leben für sein Land in Gefahr gebracht hat, seine Regierung nicht kritisieren? Soll er sich die Erlaubnis dafür bei Petra Pau oder den 59 Unterzeichnern des ekelhaften und absurden Papiers einholen?

Was wollen eigentlich diese philosemitischen und antisemitischen Abgeordneten?
Wollen sie uns Juden zeigen, wie sehr sie uns lieben. Auf diese Heuchelei kann ich verzichten. Ich will von solchen widerlichen und charakterlosen Polittypen nicht geliebt werden. Ich werde mir als Jude und Israeli immer wieder das Recht herausnehmen, Israel das zu sagen, was gesagt werden muss. Auch wenn Petra Pau und Volker Beck und die anderen Philosemiten dagegen sein sollten, deren Meinung zu Israel interessiert mich so wenig wie die meines Hundes, da sie nicht wissen, worüber sie reden. Überhaupt, diese Gemeinsamkeit von prinzipienlosen Grünen und Linken ist widerwärtig und stinkt zum Himmel.

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