Henryk M. Broder sprach bei 3sat mit Peter Voss

Es war eine missratene Satire. Man konnte nicht einmal lachen, es blieb einem im Halse stecken. Broder spielte den „Guten“ von der Achse des Guten, also den Guten schlechthin, den ultimativen Guten. Seine Worte erinnerten aber an die letzten Worte von Erich Mielke, als er sich vor dem Parlament der DDR entschuldigte: „Ich liebe euch! Ich liebe euch alle!“

Ernst und fast überzeugend, wollte uns Broder weismachen, dass er seine „frühere Position nicht wesentlich verraten“ hätte. Man fragt sich nur, wann bei ihm „früher“ beginnt und was „wesentlich“ bedeutet. Ohne rot zu werden, wie damals Mielke, meinte Broder, dass man „Leute zu Wort kommen lassen muss, deren Ansichten unbequem sind.“ Hört, hört!

Er forderte, fast schon leidenschaftlich, „Meinungsfreiheit auch für falsche Meinungen.“ Die Leute können sagen, was sie wollen, „da sind meine Grenzen weit gesteckt.“ Ob er das auf sich und seine eigene Meinungsfreiheit bezogen hat? Meinte er die Meinungsfreiheit, andere zu beleidigen, zu diffamieren, zu verleumden und zu versuchen, sie „platt“ zu machen? Jedenfalls kann er nicht die hunderten und tausenden „Antisemiten“ meinen, die er höchst persönlich zu Antisemiten befördert hat. Wer Israel kritisiert, hat keine „falsche Meinung“, sondern eine antisemitische Gesinnung, wie zum Beispiel Jakob Augstein oder Inge Höger. „Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden“, sagte die berühmte Rosa Luxemburg. Nicht so bei Broder. Bei ihm bedeutet Freiheit immer nur seine eigene Freiheit. Diese Andersdenkenden sind Antisemiten. 

Broder steigerte sich im Laufe des Gesprächs und bei erhöhter Selbstgefälligkeit zu der Forderung: „Wir müssen die Realitäten anerkennen.“ Er will aber „die Realität“ nicht anerkennen, mit der Begründung: „Warum sachlich, wenn es auch persönlich geht?“ Für ihn gelten sie nicht. Für ihn kann nicht sein, was nicht sein darf. Er verurteilt beim Gespräch (im Fernsehen) Menschenverachtung und Zynismus, nur nicht seine Menschenverachtung und seinen Zynismus. Es sind immer die anderen.

Er hat endlos über „Israel als Heimstätte für die Juden“ geschwafelt, aber nicht mit einem Wort Palästina als real existierende Heimat der Palästinenser erwähnt. Er meinte zynisch, „dass den Juden einiges erspart geblieben wäre, wenn Palästina schon früher Israel geworden wäre“. Die Palästinenser sind also daran schuld, dass sechs Millionen Juden von den Deutschen vernichtet worden sind. Hätten sie bloß schon früher ihre Heimat den Juden überlassen. Das Schicksal der Palästinenser geht ihn nichts an. Er will davon nichts wissen. Er hasst sie nicht, er verachtet und ignoriert sie.

„Israel ist ein schwieriges Land“, gibt Broder zur Antwort, als ihn Peter Voss fragte, warum er nicht in Israel geblieben sei. Fürwahr, wer weiß es besser als Broder? Deshalb ist er Zionist geworden. Er wohnt in Berlin und schickt andere Juden nach Israel. Wahrscheinlich diejenigen Juden, die nach seinen Worten „hysterisch“ sind. Dabei ist er der Urheber dieser Hysterie, die „Antisemitismus in Deutschland“ heißt. Als ich neulich darüber in München einen Vortrag halten wollte, hat Charlotte Knoblauch, eine Kampfgefährtin von Broder, mich einen „berüchtigten Antisemiten“ genannt und meinen Vortrag verhindert. Die zionistische Lobby will nicht nur den Antisemitismus in Deutschland kontrollieren, sondern auch noch die Deutungshoheit darüber behalten. Keiner soll den Antisemitismus erklären, außer diejenigen, die dafür verantwortlich sind. Und wenn man sagt, dass auch Juden Antisemitismus machen, dann ist man schon ein „berüchtigter“ Antisemit, weil man sich mit einer solchen These nicht auseinandersetzen möchte.

Broders These lautet: „Man kann nicht den Zionismus ablehnen, ohne Antisemit zu sein.“ Dabei ist Zionismus „nur“ eine Ideologie. Für manche die absolute Wahrheit und für andere, darunter Millionen Juden, das absolute Böse. Es gibt Juden, die den Zionismus ignorieren und auch solche, die den Staat Israel ganz ablehnen.

Auf den Einwand von Peter Voss, dass jemand, der Israels Politik kritisiere nicht per se Antisemit sei, antwortet Broder: „Kritik an Israel ist Antizionismus und zielt auf die Abschaffung Israels.“ Das würde bedeuten, dass Kritik an Angela Merkel die Abschaffung Deutschlands zum Ziel hat. Eine verwegene, dumme These.

Bei all dem und bei seiner verlogenen Selbstgerechtigkeit präsentiert uns Broder noch eine koschere Lüge, die vom Moderator Peter Voss leider als solche nicht erkannt wurde. Broders Freund, Hamed Abdel-Samad, wird von drei bis fünf Leibwächter beschützt, die seine Bewegungsfreiheit einschränken, weil er es gewagt hat, den Islam zu kritisieren. Eine „Fatwa“ schwebt über seinen Kopf. Ein Skandal. Hamed Abdel-Samad bekommt Personenschutz, da sein Leben bedroht wird. Wenn dem so wäre – er war ja mitten auf dem Tahrir-Platz in Kairo während des „Arabischen Frühling“ und ihm ist dort nicht ein Haar gekrümmt worden. Also, es handelt sich hier „höchstwahrscheinlich“ lediglich um einen „Publicity Gag“ und es ging um Geld. Abdel-Samad lässt nichts unversucht, um Publicity zu erlangen. Nachdem die Wogen hier in Deutschland, nach seiner „fingierten“ Entführung in Ägypten, sich legten, ist er nach Amerika „aus“-gewandert, um sein Glück, mit seiner Hetze gegen den Islam, dort zu versuchen. Als er merkte, dass er dort nicht damit ankam, war er schnell wieder zurück, um das Spiel mit Henryk M. Broder von neuem zu beginnen. Hier angelangt, wird er auf Kosten des Steuerzahlers rund um die Uhr beschützt. Noch nicht einmal Minister werden von fünf Personenschützern begleitet. Mit dem Geld, das diese Überwachung kostet, könnte man etwas Sinnvolleres machen.

Zum Höhepunkt schwingt sich Broder, dieser Zyniker und Menschenverächter, der wie Mielke „alle Menschen liebt“, solange sie seiner Meinung sind, als er meinte, dass die Leute von Aleppo „froh wären, wenn sie in Gaza leben würden“, denn das, was dort passiert, ist halb so schlimm. Allein, „halb so schlimm“, ist auch sehr schlimm, wenn man es mit Aleppo vergleicht. Eine halbe Hölle ist nicht viel besser als eine ganze Hölle oder umgekehrt, eine ganze Hölle ist nicht viel schlimmer als eine halbe Hölle. Und geteiltes Leid ist auch ganzes Leid.

Broder verglich in einem Beitrag für die WELT, Aleppo mit Auschwitz und meinte, „Aleppo sei schlimmer.“ Da könnte man analog zu seiner Logik auch sagen, „die Häftlinge in Auschwitz wären froh, wenn sie im Warschauer Ghetto gelebt hätten, denn dort wären sie mit einer Pistole in der Hand gestorben.

Was lernen wir daraus? Auch Juden sind Menschen und dürfen sich lächerlich machen.

2 Gedanken zu “Henryk M. Broder sprach bei 3sat mit Peter Voss

  1. Peter Voss hat versagt – wie so viele Deutsche, die es nicht wagen, eben jene Fragen gegenüber bekennenden Zionisten zu stellen, die Sie hier aufwerfen, immer wieder. Peter Voss kannte Broder; wenn er nur Stichwortgeber für den Großmeister der Debatte sein wollte, dann hätte sich Voss diesen Abgang ersparen sollen. Aber geschätzt ob seines Intellekts hat Voss wohl niemand sonderlich.

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