„Juden zur Kasse“ – oder wie leicht es ist, Antisemit zu sein

Wo findet die so genannte Achse des Guten immer wieder solche naiven und einfältigen Schreiberlinge, die nicht einmal zwischen Juden und Israelis unterscheiden können. Jude ist Israeli, und Israeli ist Jude. So einfach ist das für einen gewissen Thomas Heck, der sich in die Liste der Philosemiten einreiht, aber mit einem mittelmäßigen Besinnungsaufsatz auf Volksschulniveau. Er müsste nur den Boss dieser erbärmlichen Achse fragen, dann wird er erfahren, dass Philosemiten auch Antisemiten sind. Deshalb, so scheint es, wimmelt es nach seiner Meinung in Deutschland auch so von „Antisemiten“. Aber nicht, weil er ein Antisemit ist, fällt mir dieser Beitrag auf, sondern weil er borniert und langweilig ist. Antisemiten, auch wenn sie Philosemiten sind, finde ich alles in allem langweilig, und sie machen mir keine Angst. Fürchten tue ich mich nur vor Dummheit, Arroganz und Selbstgerechtigkeit, zumal wenn es darum geht, Israels Unrecht und Kriegsverbrechen zu kaschieren und schön zu reden.

Annette Groth fordert zu Recht, dass Israel die Beseitigung und Reparatur der Schäden, die es in Gaza verursacht hat, mitfinanziert. Eigentlich sollte Israel das, was es verursacht hat, voll selbst finanzieren, dann hätte man vielleicht eine Sicherheit, dass die israelische militärisch-politische Klasse nicht wieder und wieder ausrastet. Daraus macht dieser autistische Schreiberling Thomas Heck eine 180-Grad-Wendung und behauptet, Annette Groth verlange, dass Israel  die Vorbereitung der eigenen Vernichtung finanzieren soll. Wenn es nicht so absurd, bösartig und lächerlich wäre, dann könnte man sogar darüber lachen. Aber so kann man nicht lachen, sondern sich immer wieder wundern, dass solche Pamphlete auf der “Achse des Guten“ veröffentlicht werden. Es ist nicht das erste Mal und wird wohl auch nicht das letzte Mal sein, obwohl ich dem „Häuptling“ dieser neokonservativen Schreiberlingen-Zunft mehr Intelligenz zugetraut hätte. 

Der Grund, warum Annette Groth eine solche Forderung stellt, und man sollte nicht verheimlichen, dass sie nicht allein ist und dass sogar viele Israelis und viele Juden das fordern, ist für Thomas Heck sehr einfach und stammt aus der Mottenkiste der Antisemiten: „Weil – der Jude ist immer schuld.“ Sie, Annette Groth, bewegt sich dabei historisch auf einer Linie mit denen, die den Holocaust geplant und durchgeführt haben, schreibt Heck. Natürlich muss er gleich die dickste und schwerste Antisemitismuskeule auspacken. Dabei bewegt sich Heck selbst auf einer Linie mit denen, die ewig gestrig sind und immer nur nach hinten schauen und den Kopf dabei noch in den Sand stecken. Annette Groth hat in ihrem Aufruf mit keinem Wort „die Juden“ oder gar „Juden“ erwähnt. Sie wendet sich an die Israelis und schreibt es auch expressis verbis. Heck liest aber statt Israelis „Juden“ und merkt dabei nicht, wie er in das ewige Muster des Antisemitismus verfällt. Nein, Israel soll nicht zahlen „weil-der Jude immer schuld ist“, sondern weil im Fall von Gaza nur Israel schuld ist und kein anderer und schon keine Juden. Israel hat Gaza zerstört und Tausende getötet. Es waren nicht „die Juden“ und nicht die Europäer, die Deutschen und Amerikaner oder die Araber aus Katar und Saudi-Arabien, die jetzt mit Milliarden von US-Dollar oder Euro helfen müssen, Gaza wieder aufzubauen. Israel war es mit ihrer „moralischsten Armee der Welt“, die Gaza verwüstet hat und  nicht die Bundeswehr.

Heck beginnt seinen Beitrag mit einem Vergleich, der so passend ist, wie die Faust auf Hecks Auge. Er weist auf das Buch von Götz Aly, „Hitlers Volksstaat: Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus“ hin, in dem der Journalist und Historiker beschreibt, wie die Nationalsozialisten den Holocaust mit dem Geld ihrer Opfer finanziert haben. In der Tat ein Skandal, und man muss Götz Aly dankbar sein, dass er es so minuziös aufgedeckt hat. Jetzt wissen es viele: “Den Holocaust haben die Juden letztlich ebenfalls selbst bezahlt.“ Wieso aber „ebenfalls“? Weil man jetzt von den Israelis fordert, dass sie für die Schäden, die sie verursacht haben, gerade stehen? Nur ein krankhaftes Hirn kann hier eine Logik feststellen. Heck empört sich darüber und meint wohl, dass die Opfer selbst für den Schaden aufkommen sollen. Vielleicht denkt er an Deutschland und die Folgen des Zweiten Weltkriegs, den Deutschland angezettelt hat, aber für die Schäden nicht gerade stehen musste. Ja, Deutschland hat an die Juden „Wiedergutmachung“ gezahlt, aber Israel hat an die Palästinenser noch keinen Shekel an Wiedergutmachung gezahlt, obwohl es in den 1950er-Jahren Debatten im israelischen Parlament gab, ob man die arabischen Flüchtlinge entschädigen soll. Moshe Sharet, der damalige israelische Außenminister, sagte sogar bei einer Debatte über die deutsche Wiedergutmachung, dass man bereit wäre, den Palästinensern Entschädigung zu zahlen, wenn man genügend Geld von Deutschland bekommen würde. Daraus ist bekanntlich nichts geworden. Jetzt meint ein deutscher Philosemit, dass es wohl richtig sei, wenn das Opfer seine Vernichtung und Zerstörung selbst bezahlt und den Wiederaufbau bei unbeteiligten Staaten erbettelt. Analog zu dieser Logik müssten die Staaten Israel Geld geben. Aber Israel ist nicht so beschädigt oder zerstört, wie es Deutschland nach dem Krieg war.

Mit Häme und Genugtuung stellt Heck fest, dass Annette Groth „kein Freund Israels und der Juden“ sei. Warum „der Juden“? Hat Annette Groth irgendetwas gegen die Juden geschrieben? Nicht im letzten Aufruf und auch niemals davor. Aber für solche „intellektuellen“ Kleingeister wie Thomas Heck, und sie sind alle bei der „Achse des Guten“ versammelt, heißt Kritik an der Politik des Staates Israel, immer auch Kritik an „den Juden“, und so viel wie – „Antisemit“ zu sein.

Ich bin auch kein Freund Israels. Bin ich deshalb auch kein Freund der Juden? Selbstverständlich bin ich das. Wer ist schon ein Freund „der Juden“? Ich habe auch einige jüdische und einige israelische Freunde, aber ich bin doch nicht Freund aller Israelis und aller Juden. Manche Juden sind sogar meine Feinde und manche von ihnen verstecken sich hinter dem Logo – Achse des Guten.

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