Nicht der Mörder, der Ermordete ist Schuld

„Die Idee der Vernichtung der Juden war die Idee des Mufti von Jerusalem und nicht von Hitler“, sagte in seinem Vortrag vor dem Jüdischen Weltkongress Benjamin Netanjahu, Israels reaktionärer Ministerpräsident. „Hitler wollte die Juden nicht vernichten, sondern nur vertreiben“, und dass der Mufti Al Husseini derjenige war, der in Hitlers Kopf die Idee der Vernichtung der Juden eingepflanzt hat.

Es fehlt nicht mehr viel und Netanjahu wird uns erzählen, dass Hitler ein Freund der Juden war, die Nazis alle Zionisten waren und die Moslems den Antisemitismus nach Deutschland brachten. Es erinnert mich an einen deutschen Buchhändler, der 1958, als wir nach Deutschland kamen, meinem Vater gesagt hat, dass er es sehr bedauert, was man mit den Juden angetan hat, „man hätte sie auch nur vertreiben können.“ Da wird Vertreibung plötzlich zu einer humanen Tat und Hitler zum Gutmenschen, der die Juden „nur“ vertreiben wollte. 

Das alles bewegt sich auf dem Niveau der Zionisten, die wir schon seit Jahren hier kennen. So ähnlich meint es Broder, wenn er sagt: „Es stimmt, die Israelis sind Täter, aber Täter sein macht Spaß.“ Nur dass meine Großeltern, Tanten und Onkel  in Auschwitz keinen Spaß hatten. Sie wurden dort ermordet.

Als ob ein Land, in dem es seit Jahrhunderten Antisemitismus gibt, diesen aus dem Orient importieren muss, wo Juden und Moslems Jahrhunderte friedlich nebeneinander und miteinander lebten. Oder waren es etwa die Europäer, die Deutschen, die die aus Spanien vertriebenen und geflohenen Juden aufgenommen haben? Oder sind die Juden aus Spanien „freiwillig“ geflohen, wie die Palästinenser aus Palästina? Mitnichten. Sie sind brutal vertrieben worden, und es waren die Türken auf dem Balkan und in der Türkei und die Moslem in Nordafrika und Ägypten sowie die Palästinenser in Palästina, die ihnen Zuflucht gewährten und sie aufnahmen. Es waren damals auch Hunderttausende, und die moslemische Welt hat sie alle integriert.

Wir erleben wieder einen widerlichen, zynischen und ekelhaften Versuch seitens der israelischen Hasbara (Propaganda) die Geschichte zu verfälschen, Lügen zu verbreiten und Deutschland vom Nazigestank, den es wieder zu geben scheint, rein zu waschen. Weniger freilich aus Liebe zu Deutschland, als aus zynischer Berechnung, dass es den Deutschen womöglich gefallen würde und sie deshalb Israel noch intensiver unterstützen würden. Gefallen würden solche Worte allerdings nur dem Mob der Pegida in  Dresden, wo ein Redner wie Netanjahu sicherlich mit Applaus begrüßt werden würde.

Über den Versuch der Pegida Deutschland zu radikalisieren, über den Versuch eines reaktionären Juden wie Henryk M. Broder seinen Weggenossen Akif Pirincci nach seiner widerlichen Hetzrede in seinem Blog reinzuwaschen, kann Netanjahu nur müde lächeln, wo das alles in seinem Land schon bestens funktioniert. In Israel werden heute Palästinenser offen gelyncht und wenn auch ein eritreischer Gastarbeiter auf offener Straße erschossen wird, weil er wie ein Araber aussieht, dann ist es eben „nur“ ein Kollateralschaden, den man in Kauf nehmen muss. Dabei war die erste unmittelbare Nachricht nach dem Lynchmord, dass es sich um einen afrikanischen Juden handelt. Die mögliche Wahrheit ist offensichtlich der Zensur zum Opfer gefallen. Nicht der Mörder, der Ermordete ist schuld.

Bundeskanzlerin Angela Merkel trifft heute Benjamin Netanjahu und sein Kabinett. Mein einziger Rat an Sie ist, dass sie genau hinschauen soll, wem sie die Hand gibt. Die meisten israelischen Hände sind blutbeschmiert, einschließlich und ganz besonders der Hände von Benjamin Netanjahu.

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