Wenn Israelis nicht mehr zu Maycis fliegen dürfen

von Gideon Levy

Israel stellt vor: Gedanken-Polizei. DDR in Tel Aviv. Nach der Verhinderung der Einreise von denen, die in Israels Augen die Staatssicherheit gefährden und nach den demütigenden Untersuchungen und Befragungen von denjenigen, deren Abstammung ihre Gefährlichkeit verrät, auch das eine willkürliche Sache, ist die nächste Stufe erreicht worden: Es werden auch diejenigen zurückgewiesen, deren Meinungen dem Staat nicht genehm sind.

Es fing an mit den Unterstützern der BDS-Kampagne – und es gibt schon Teams von staatlichen Denunzianten (Blockwarte A. M.) – aber das wird nicht bei diesen aufhören. In Kürze: Einreise nur für Zionisten. Du liebst uns – du darfst einreisen. Du liebst uns nicht? Fahr zurück nach Hause. Es gibt sowas nirgends auf der freien Welt. Nur Israel vertreibt eine bekannte Theologin, weil irgendjemand glaubt, dass die Organisation, für die sie arbeitet, BDS unterstützt. Das ist dasselbe Israel, welches gewagt hat, Noam Chomsky abzuweisen, und Norman Finkelstein – zwei bekannte Intellektuelle, denen sogar ihr Judentum nichts genützt hat. Ein spanischer Clown, der gekommen ist, um die Palästinenser zu amüsieren, eine amerikanische Schriftstellerin, die gekommen ist, in Palästina einen Luna-Park einzuweihen und sogar einen israelischen Auswanderer, der gekommen ist, seine alte Mutter im Kibbutz zu besuchen. 

Und wir haben noch kein Wort über die Palästinenser gesagt und was sie bei der Einreise nach Israel ertragen müssen. Im Geist der Zeit und des Ortes, das der Geist von Minister Gilad Erdan repräsentiert, wird dieses Phänomen nur noch schlimmer werden. Die Tore des Ghettos werden immer enger, bis sie schließlich zu sein werden, nicht nur für die Abgewiesenen, sondern auch für uns. Wenn die Regierung es könnte, dann hätte sie schon jetzt nicht wenigen Israelis die Einreise in ihr Land verweigert. Das wird die nächste Stufe sein. Diese Politik zerstört noch die letzten Reste an Glaubwürdigkeit, dass Israel für seine Bürger eine Demokratie ist. Jede solche Abweisung erregt Zorn und Ärger in den Ursprungsländern der abgewiesenen, die Israel mehr schaden, als jede Aktion von Breaking the Silence. Am letzten Wochenende nahm ich teil an einem Kongress in Beit Lechem, an dem die abgewiesene Theologin Dr. Isabel Perri teilnehmen sollte. Ihre Abwesenheit war beschämend, es war die Schwalbe, die den Herbst des McCarthyismus  im Ben-Gurion Flughafen angekündigt hat.

Die meisten dieser Abgewiesenen sind moralische Vorbilder. Es gibt heute keinen Menschen mit Gewissen auf der Welt, der die Besatzung unterstützt. Die meisten sind der Meinung, dass Israel einen Boykott verdient hat. Solchen Menschen wird Israel die Einreise nicht erlauben. Eine Strafe! Viele von ihnen wollen gar nicht Israel besuchen, sondern die Besetzten Gebiete, Palästina. Die sie nicht besuchen können, ohne die Genehmigung Israels. Sie wollen Solidarität mit den Opfern zeigen. Das ist ihr Recht, das ist ihre Pflicht. Israel hat kein Recht, sie daran zu hindern.

Mit dieser widerlichen Einstellung, die in Israel offensichtlich niemanden interessiert, gibt es nur einen Weg, um damit fertig zu werden: Boykott gegen Boykott, Vertreibung gegen Vertreibung. Kein Staat hat es bisher gewagt, so zu handeln, aus Angst vor Israel, aber es scheint, dass sie es sich selber schuldig sind, ihrer Ehre wegen und wegen ihrer abgewiesenen Bürger. Das kann mit ausführlichen Befragungen von israelischen Bürger, die in den Besetzten Gebieten wohnen, genauso wie ein palästinensischer Amerikaner am Ben-Gurion Flughafen befragt und gedemütigt wird. Auch ein Israeli aus Maale Adumim sollte im Kennedy Flughafen in New York ausgefragt werden über seine Abstammung, seine Freunde, seine Pläne, sein Sexleben und was er denkt, so wie es im Ben-Gurion Flughafen gemacht wird. Schließlich ist die Rede von Bewohnern von illegalen Siedlungen.

Man kann davon ausgehen, dass nachdem der erste Siedler im JFK ausgezogen werden wird und nachdem sein Freund im Charles de Gaulle für ganze 24 Stunden aufgehalten werden wird, Israel anfangen wird sich anders zu verhalten. Wenn das nicht helfen wird, dann wird man anfangen können, Israelis abzuschieben mit allen möglichen Begründungen. Wenn eine kritische Theologin wegen ihrer Ideen nach Israel nicht einreisen darf, warum sollte man nicht einen israelischen Piloten die Einreise nach Großbritannien verweigern, wegen seiner Vergangenheit. Dieser Schneeball wird rollen: Ein Visumzwang für jeden Siedler, vielleicht auch für jeden Israeli, indem man seine militärische Vergangenheit überprüft.

Will das irgendjemand? Hat jemand von euch jemals demütigende Untersuchungen am Ben-Gurion-Flughafen erlebt? Hat jemand jemals das Erlebnis einer Abschiebung erlebt, auf dem Weg zu einem Basketball-Spiel in Madrid? Erst wenn das passieren wird, wird sich, vielleicht, in Israel etwas ändern.

Übersetzung Abi Melzer.

Original.

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