Israel und AIPAC kämpfen gegen Iran-Deal

von Ludwig Watzal

Eine Stunde bevor US-Präsident Barack Obama seinen Verhandlungserfolg mit Iran in Washington der Öffentlichkeit verkündete, kamen Netanyahu und seine Helfershelfer von AIPAC aus ihrer Deckung und bliesen zum Angriff auf das zwischen den fünf Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates und Deutschland zusammen ausgehandelte Nuklear-Abkommen mit der Islamischen Republik Iran. Heißt das, dass der Mossad vor Obama informiert war, oder gab es andere undichte Quellen in der US-Delegation? Haben die USA mit dem Abschluss dieses Abkommens endlich gezeigt, dass ihnen die Marschbefehle aus Tel Aviv egal sind?

Netanyahu reagierte so, als sei er politisch nicht zurechnungsfähig, dass er in Sachen iranisches Nuklear-Programm paranoid ist, ist allseits bekannt. Die Quintessenz seiner kriegslüsternen Aussagen ist, dass sich Israel nicht an dieses Abkommen gebunden fühle. Mit Verlaub: Wen interessiert dies eigentlich. Er wollte schon immer den Krieg gegen Iran, am liebsten die USA führten ihn für Israel wie weiland im Irak, nur wurden er und sein damaliger Verteidigungsminister Ehud Barak („Messianics„) von den eigenen rationalen Geheimdienstleuten ausgebremst. Mit diesem Abkommen ist jedenfalls die Kriegsoption vom Tisch. Netanyahu und die zionistische Lobby in den USA haben immer noch begriffen, dass der Kaiser nackt ist.

Netanyahus Arroganz sollten die führenden Weltmächte eigentlich umgehend zurückweisen. Was maßt sich ein Ministerpräsident eines winzig kleinen Landes eigentlich an, die mächtigsten Staaten der Welt zu Schulmeistern? Ihre Interessen sind andere als die einer Kolonial- und Besatzungsmacht, die seit fast 50 Jahren, dank der USA und seiner westlichen Vasallen, dem Volk, dem eigentlich das Land gehört, seine Existenzgrundlage beraubt und es durch eine brutale Militärdiktatur in den besetzten Gebieten tagtäglich in den Staub drückt. Insbesondere die USA müssen sich vom Diktat der zionistischen Lobby und Netanyahus befreien, dann würden die eingeschüchterten westeuropäischen Staaten garantiert folgen.

Der Westen kann einen diplomatischen Erfolg verbuchen, obgleich es sich beim iranischen Nuklearprogramm um einen israelisch inszenierten Propagandacoup gehandelt hat. Alle Geheimdienste wussten spätestens seit 2003, dass Iran kein eigenes Atomprogramm mehr verfolgt. Gleichwohl haben die USA diese „Bedrohung“ geostrategisch zu ihren Gunsten instrumentalisiert, indem sie ein Raketenabwehrsystem in Europa versucht haben aufzubauen, das gegen die „Bedrohung aus dem Iran“ gerichtet gewesen sein soll. Tatsächlich zielte das Raketenabwehrsystem gegen Russland. Das Land ist das eigentliche Ziel der US-Aggression. Iran hatte weder die USA noch Europa bedroht. Es verfügt gar nicht über die Trägersysteme und die entsprechenden Waffen. Das einzige Land des Nahen Osten, das alle westlichen Hauptstädte durch seine Atomraketen erreichen kann, ist Israel. Darüber sollte in Europa gesprochen werden und nicht über eine fiktive Bedrohung durch Iran.

Seit 25 Jahren rennt Netanyahu wie weiland Oskar Matzerath mit seiner Blechtrommel durch die internationale Manege und will der Welt weißmachen, das Iran nur einige Wochen von der Produktion einer Atombombe entfernt sei. Und der Westen hat, trotz besseres Wissen, diese Schmierenkomödie mitgespielt. Die eigentlichen Aggressoren im Nahen und Mittleren Osten sind primär die USA und Israel und nicht Iran.

Netanyahus Vorwurf, das Iran-Abkommen würde weitere finanzielle Mittel für „weltweiten Terrorismus“ bereitstellen, entbehrt jeglicher rationaler Grundlage. Wenn ein Staat gegen den Iran Terrorismus verübt hat, sind das die USA. Sie haben nicht nur den demokratisch gewählten Ministerpräsidenten Mohammed Mossadeq durch einen CIA-Putsch beseitigt und den Diktator Shah Reza Pahlewi eingesetzt und über Jahrzehnte gewähren lassen, sondern auch ein iranisches Zivilflugzeug mit 290 Passagieren am 3. Juli 1988 abgeschossen. Dieser Terrorismus wurde von den USA bis heute noch nicht gesühnt. Bis dato gibt es seitens der USA und Israels keinen einzigen Beweis, dass Iran internationalen Terrorismus fördern würde. Wenn Iran den Hisbollah, Syrien oder die Hamas unterstützen sollte, dann ist dies völlig legitim, weil diese Parteien oder Staaten sich gegen den israelischen und von den USA und Saudi-Arabien finanzierten Terror zur Wehr setzen. Netanyahu stellt also die Tatsachen auf den Kopf, wenn er behauptet, Iran würde weltweit den Terrorismus unterstützen. Schickt nicht Israel seine Mossad-Killer in alle Welt, um Unschuldige hinzurichten, und dies auch noch mit gefälschten Pässen „befreundeter“ Staaten?

Netanyahu führt einen nichtmilitärischen Krieg gegen den US-Präsidenten und das amerikanische Volk. Die extremistische stellvertretende Außenministerin Tzipi Hotovely erklärte. „The State of Israel will employ all diplomatic means to prevent confirmation of the agreement.“ Israels „fünfte Kolonne“, AIPAC, und ihre Abgeordneten im US-Kongress werden in den nächsten 60 Tagen ein riesiges Tamtam veranstalten und alles tun, um das Iran-Abkommen zu Fall zu bringen.

Bereits Netanyahus erzwungene „Einladung“ vor dem US-Kongress, um gegen Präsident Obama zu polemisieren, hat nicht nur der zionistischen Lobby, sondern auch der US-amerikanischen Judenheit schweren Schaden zugefügt, weil sie sich von Netanyahu haben in „Geiselhaft“ nehmen lassen, indem er sich als „Repräsentant“ aller Juden weltweit in Szene gesetzt hat. Da facto kann sich Netanyahu gerade einmal als Vertreter des rechtsextremen Teils Israels betrachten, der höchstens 50 Prozent der Bevölkerung beträgt.

Stephen Lendman hat in seinem Beitrag auf „MWC News“ vom 14. Juli dargelegt, wer der Terrorstaat im Nahen Osten ist und dass AIPAC selbst die schlimmsten Verbrechen dieses Staates unterstützt. AIPAC schadet massiv den nationalen Interessen der USA und müsste eigentlich wie ein „ausländischer Agent“ behandelt werden. „AIPAC is an unregistered foreign agent. It operates illegally and destructively. It deplores peace. It supports wars of aggression and occupation harshness.“ Aber für die zionistische Lobby scheinen andere Gesetze in den USA zu gelten, obwohl die beste Zeit dieser Lobby vorüber sein dürfte, weil selbst die US-Amerikaner langsam erwachsen werden und sich aus dem öffentlichen und medialen Würgegriff der Lobby emanzipieren.

Je öfter Netanyahu sein Wutgeheul und seine Clownerie aller Welt vor Augen führt, desto angewiderter wird sich die Weltöffentlichkeit von ihm abwenden. Er hat Israels Image sowieso schon schwer ramponiert. Weitere 60 Tage seiner verqueren und substanzlosen Statements sollte sich die internationale Staatengemeinschaft nicht mehr antun.

Gleichwohl ist Iran noch nicht über den Berg, weil im nächsten Jahr ein neuer US-Präsident gewählt wird. Sowohl Hilary Clinton als auch Jeb Bush haben bereits ihre absolute Loyalität gegenüber der Israel-Lobby bekundet, und beide werden von zionistischen Multimilliardären finanziert: Clinton von Haim Saban und Bush von Sheldon Adelson. Beide haben sich öffentlich für die Bombardierung Irans ausgesprochen. Wer noch Zweifel hat, dass fast alle Kandidaten der Republikaner von Adelson „gekauft“ sind, sollte diesen Beitrag lesen. Wie es scheint, könnte  der Welt ein weiteres US-verursachtes Desaster im Mittleren Osten bevorstehen, wenn Clinton oder Bush an die Macht kommen. Deutschland und die EU sollten sich schnellstens von den USA lossagen.

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