Jüdischer Weltkongress (WJC) kritisiert Gabriel-Besuch in Iran

Ausgerechnet Ronald Lauder, der Präsident des Jüdischen Weltkongress (WJC), wirft Gabriel Mangel an Moral vor, weil er es wagte, in den Iran zu fahren, um wirtschaftliche Interessen zu verfolgen. Kommende Woche wird freilich auch der französische Außenminister, der Jude Laurent Fabius folgen. Lauder könnte dann auch Fabius Mangel an Moral vorwerfen oder sogar behaupten, er sei ein jüdischer Antisemit oder zumindest ein Selbsthasser.

Wann hat Ronald Lauder Israel vorgeworfen, es habe ein moralisches Defizit? Als Israel etwa Waffen an korrupte Diktatoren in Lateinamerika verkauft hat? Als die „moralischste Armee der Welt“, die israelische „Verteidigungsarmee“, Gaza bombardierte und ganze Wohnviertel platt gemacht hat mit unzähligen Opfern, darunter auch Kinder? Als Israel ein Passagierschiff gekapert hat, als es auf dem Weg nach Gaza war und acht Zivilisten getötet hat? 

Dass ausgerechnet der Jüdische Weltkongress von Moral spricht, zeigt wieder, dass zionistische Politiker in einer vollkommen anderen Welt leben, dass sie völlig andere moralischen Vorstellungen haben, als der Rest der Welt. Lauder nannte die Vorstellung Gabriels naiv, Deutschland könne eine Brücke zwischen Israel und Iran bilden. Auch der israelische Botschafter in Berlin musste seine peinliche und überflüssige Meinung äußern, obwohl ihn keiner darum gebeten hatte und es alles andere als diplomatisch korrekt war. Was würde die israelische Regierung sagen, wenn der deutsche Botschafter in Jerusalem sich immer wieder in israelischer Politik einmischen würde?

Was ist „naiv“ daran zu versuchen, zwischen dem Iran und Israel zu vermitteln oder, wie es Lauder sagte, „eine Brücke“ zu bauen, bis auf die Tatsache, dass Israel daran noch weniger interessiert ist, als der Iran. Seit Jahren benutzt Benjamin Netanjahu den Iran als Waffe für seine innenpolitischen Auseinandersetzungen und als Instrument, um die USA zu erpressen. Naiv müsste man sein zu glauben, dass Netanjahu nicht mit einer amerikanischen „Wiedergutmachung“ gerechnet hat. Naiv ist es zu glauben, dass Israel sich gegen die ganze Welt stellen kann. Naiv wäre es anzunehmen, dass Israel sich mit dieser Politik Freunde macht.

Aber möglicherweise legt Israel gar keinen Wert auf Freunde. Es hält sich an den in der Bibel geschriebenen Satz, es sei ein einsames, von den Völkern der Welt isoliertes Volk, und pflegt den Glauben an seine Einzigartigkeit und daran, dass alle Welt antisemitisch sei und Israel hassen würde. Man muss sich fragen, ob der Jüdische Weltkongress, ob Ronald Lauder, überheblich oder nur dumm sei. Dieselbe Frage muss man freilich auch bei Netanjahu und vielen anderen aus seiner Partei stellen. Der Jüdische Weltkongress war einmal eine mächtige Organisation, als noch Nahum Goldmann sie geleitet hat. Goldmann saß am selber Tisch wie Israels Außenminister Moshe Sharett, als das Wiedergutmachungs-Abkommen mit Deutschland unterschrieben wurde. In den letzten Jahren und Jahrzehnten hat der JWC an Macht und Einfluss verloren, und heute ist es nur noch ein Sprachrohr, his masters voice, der israelischen Propaganda. Lauder springt, wenn Netanjahu pfeift. Ich kenne keine andere Organisation vom ähnlichen Format wie der JWC, die sich so in innenpolitische wie auch internationale Affären einmischt, kritisiert und ihre unmaßgebliche Meinung sagt.

Soll Sigmar Gabriel, Deutschlands Wirtschaftsminister, in Zukunft Lauder um Erlaubnis fragen, und dies gilt natürlich auch für den Außenminister und für die Kanzlerin. Soll sie sich die deutsche Außenpolitik von Netanjahu genehmigen lassen und die Innenpolitik vom israelischen Botschafter oder von Josef Schuster, dem Präsidenten des Zentralrat der Juden in Deutschland, der es auch nicht versäumte, seine Stimme zu erheben und den Vertrag von Wien zu kritisieren. Die Vorstellung allein ist schon für Juden peinlich und für jeden nichtjüdischen Staatsbürger empörend. Da sitzt ein Internist in Würzburg, nicht gerade das Zentrum der Welt, und weiß es besser als ein Dutzend Staatsoberhäupter und deren Gehilfen. Er weiß was ihm sein Master ins Ohr geflüstert hat: Steh auf und protestiere. Du musst nicht verstehen worum es geht. Worum geht es?

Wohl darum, dass die Welt sich nicht um Netanjahu und dem Zentralrat der Juden in Deutschland dreht, vom JWC ganz zu schweigen. Israel und die Juden haben in der Welt die gleiche Wichtigkeit wie der Iran und die Palästinenser. Je früher die Herren in Jerusalem und Berlin bzw. Würzburg es verstehen, desto besser

2 Gedanken zu “Jüdischer Weltkongress (WJC) kritisiert Gabriel-Besuch in Iran

  1. Ganz zu diesem Thema passt mein
    Offener Brief an die SZ, zu “Gruss vom Planeten Israel” auf Seite 2 vom 23.7.15:
    In “Aussenansicht” schreibt sich Eldad Beck von der Zeitung Yedioth Achronot seinen Frust über den “Planeten Israel” von der Seele.
    Er streicht in bewährter zionistischer Manier die Opferrolle Israels heraus und lamentiert über das Unverständnis der übrigen Welt zu Israels Verhalten, besonders die konstante Feindseligkeit der arabischen und iranischen Welt, die keinesfalls im Verhalten Israels seinen Grund habe.
    Vielleicht liegt die schwindende Beliebtheit Israels darin, dass es vergessen hat, dass die besagte UNO-Resolution 242 von 1947 eben auch einen Staat für die Palästinenser vorsieht, dass Israel seit Jahrzehnten konsequent und explizit das zionistische und rassistische Programm der Kolonisierung ganz Palästinas, wenn möglich ohne Palästinenser, mit aller Härte und Brutalität vorantreibt, Völker- und Menschenrechte mit Füssen tritt, UNO-Beschlüsse ignoriert und sich nicht scheut, alle zwei Jahre bei Vertauschung von Ursache und Wirkung ein Massaker in Gaza zu veranstalten. Angesichts der bestens dokumentierten Realität in Israel/Palästina sind die Aussagen Eldad Becks voller Unwahrheiten, Selbstgerechtigkeit und Zynismus.

  2. Es ist gut, dass Gabriel in Teheran war. Deutschland sollte sich als Nation des Friedens, des „Nie wieder Krieg“ weiterhin in der Welt bewähren. Egon Bahr und Willy Brandt sind dazu gute Vorbilder.

    Heute hetzt Richard Nathan Haass in der Welt online: „Notfalls muss der Iran bombardiert werden“. Die Israel in besonderer Weise verpflichteten Chefredakteure von BILD und Welt sollte mal ins GG schauen, ob denn eine solche Drohung mit unserem GG vereinbar ist. Schon Daniel Pipes durfte über die Welt online Obama auffordern, den Iran anzugreifen, um seine Wahlchancen zu verbessern. Es ist tatsächlich purer Antisemitismus, Sprachrohre jüdischer Eliten für besonders klug zu halten.

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