„Magst du Netanjahu nit

Dieter Hallervorden hat mit diesem Satz, den er in einem Protestsong eingebaut hat, für viel Furore im ganzen Land gesorgt. Die Fortsetzung lautet nämlich:  … bist du gleich Antisemit.“

Was Hallervorden hier ironisch und vielleicht und hoffentlich auch hämisch meint, wird aber von vielen braven und mit Israel loyalen Bürgern ganz ernst verstanden. Sie sind tatsächlich der Meinung, dass, wer Netanjahu nicht mag, ein Antisemit sei oder sein muss.

In einem Land, für das Israels Sicherheit gleich Staatsräson bedeutet, wird auch jede Dummheit und Unverantwortlichkeit von Benjamin Netanjahu ignoriert und vergeben.  Da mag er noch so sehr die USA und deren Präsidenten Barak Obama beleidigen, vorführen und demütigen, da mag er sich noch so sehr über Angela Merkel lustig machen und noch so sehr zeigen, wie sehr ihm sein eigenes Volk gleichgültig ist und die übrigen Völker sowieso und wie korrupt er und sein Kabinett sind, hierzulande erntet er nur Beifall oder im schlimmsten Fall zustimmendes Schweigen. Dieses Schweigen ist aber inzwischen schon unüberhörbar. 

Dass seine Frau Alkoholikerin ist, weiß in Israel fast jeder und die Zeitungen berichten darüber ausführlich. Neulich hat sie einen Hausputz veranstaltet und mehr als 5 000 leere Wein-, Whisky- und Schnapsflaschen bei ihrem Supermarkt abgegeben und dafür mehrere tausend Shekel Pfand kassiert. Das Geld hat sie privat eingesteckt, obwohl die Flaschen eigentlich mit öffentlichem Geld für „Staatsgäste“ gekauft wurden.

Netanjahu muss man mögen, denn wer ihn nicht mag, ist kein Freund Israels und wer kein Freund Israels ist, ist zwangsläufig ein Antisemit. Dass Netanjahu Israel in den Abgrund führt, in einen religiös-orthodoxen-nationalistischen und rassistischen Staat, kann doch inzwischen jeder Blinder sehen. Dass eine neue Auseinandersetzung mit den Palästinensern dem Staat mehr als 250 Milliarden Dollar kosten würde, sagen alle klugen und vernünftigen Analytiker und dass umgekehrt, ein echter Frieden dem Staat Milliarden Erträge Jahr für Jahr bringen kann, ebenfalls. Das Problem für Netanjahu und seine Clique ist aber, dass von einem Frieden auch die Palästinenser profitieren würden und da kann nicht sein, was nicht sein darf. Man nimmt lieber Verluste in Kauf, als dem „Erzfeind“ Gewinne zu gönnen. Und wer sich da an frühere deutsche Politik erinnert, ist ein Antisemit.

Wie kann man einen solchen Menschen mögen? Wie kann man, als Israel-Kritiker, ihn mögen, wenn selbst seine Freunde ihn hassen? Millionen von Juden in Israel und überall auf der Welt mögen Netanjahu nicht. Sind sie alle Antisemiten? Offensichtlich, denn alle Welt mag doch die Juden nicht und deshalb pfeift Netanjahu auf die ganze Welt und tut immer, was ihm gefällt.

Dass er jetzt eine bittere Niederlage kassieren musste bei dem Streit um die atomare Aufrüstung des Iran, geht ihm am Rücken vorbei. Dass der amerikanische Kongress die Frist zum Einspruch gegen Obamas und der übrigen westlichen Welt Verträge mit dem Iran verpasst hat und das auch nicht irrtümlich sondern mit voller Absicht, interessiert Netanjahu nicht. Er räsoniert immer noch darüber, wie er den Iran angreifen und dessen fiktives Atomprogramm vernichten könnte.

Glücklicherweise gibt es in Israel auch unter den Generälen und Geheimdienstchefs noch einige vernünftige und klardenkende Personen, die es bisher verhindert haben, dass Netanjahu sich auf ein nicht kalkulierbares Abendteuer einlässt, unkalkulierbar für Israel und gefährlich für die ganze Welt.

Wie kann man da Netanjahu noch mögen?

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