Der Einsatz für Menschenrechte ist nicht antisemitisch

In einem offenen Brief verurteilen mehr als 80 namhafte jüdische Wissenschaftler und Intellektuelle, darunter Noam Chomsky, Eva Illouz, Alfred Grosser, Moshe Zimmermann, Judith Butler und Micha Brumlik, die Anfeindungen gegen unseren Verein und rufen die deutsche Zivilgesellschaft auf, die freie Meinungsäußerung jener zu gewährleisten, die sich gegen die Unterdrückung der palästinensischen Bevölkerung wenden. 

In den letzten Jahren haben die israelische Regierung und ihre Unterstützer versucht, die Debatte über die systematische Unterdrückung der palästinensischen Bevölkerung und die verheerenden Auswirkungen der seit 51 Jahren andauernden Besatzung zu unterbinden. Zivilgesellschaftliche Organisationen in Israel und weltweit, die sich für die Menschenrechte der Palästinenser einsetzen, werden von israelischen Offiziellen in zynischer Weise als Feinde des Staates, Verräter und zunehmend als Antisemiten abgestempelt. Für kritisches Engagement bleibt immer weniger Raum.  Weiterlesen

Der Mythos von der Vertreibung der Juden aus arabischen Ländern

Arn Strohmeyer

Eins muss man dem Staat Israel lassen: Seine Chuzpe (laut Duden: Dreistigkeit) kennt keine Grenzen. Gemeint sind in diesem Fall die jetzt erhobenen Forderungen an die arabischen Staaten, insgesamt 250 Milliarden Dollar „Entschädigung“ für die „Vertreibung“ von Juden aus diesen Ländern im Jahr 1948/49 zu zahlen. Als Grund wird neben der „Vertreibung“ die Ablehnung des UNO-Teilungsplans von 1947 durch die Araber bzw. die Palästinenser angegeben. Israel argumentiert: Die Palästinenser hätten ja damals ihren Staat haben können, und sie seien selbst schuld, wenn sie das Angebot nicht angenommen hätten.

Was die israelische Seite natürlich nicht sagt, ist, wie dieser UNO-Teilungsplan aussah. Die Juden, die damals nur ein Drittel der Bevölkerung stellten, sollten 56 Prozent Palästinas bekommen, die Palästinenser (zwei Drittel der Bevölkerung) aber nur 42 Prozent und dazu noch das qualitativ schlechtere Land. Jerusalem sollte internationalen Status erhalten. Es versteht sich von selbst, warum die Palästinenser diesen Beschluss, der sie so benachteiligte, ablehnten. Dazu kommt ein völkerrechtliches Problem: Die UNO muss nach ihrer Charta das Selbstbestimmungsrecht der Völker achten, darf also gar keine Staaten gründen. Es hätte also ein Referendum über die Zukunft Palästinas stattfinden müssen. Das hat es aber nicht gegeben, was heißt: Die Palästinenser sind gar nicht gefragt worden. Man wollte ihnen verweigern, über ihre Zukunft selbst zu bestimmen. Der Zionistenführer und erste israelische Ministerpräsident Ben Gurion hat im Übrigen immer wieder bekannt, dass jede „Lösung“ für ihn nur eine „Zwischenlösung“ sei, denn Ziel der Zionisten sei es, ganz Palästina in Besitz zu nehmen. Was inzwischen ja auch geschehen ist.  Weiterlesen

The Top Ten „Anti-Semites“ of 2018 by the Simon Wiesenthal Center

by Ludwig Watzal

Year after year, the right-wing Simon Wiesenthal Center in Los Angeles publishes its shitlist of the top leading „Anti-Semites“ or „anti-Semitic“ incidents.  It’s always funny to read about this organization distortion of reality and unworldliness. These yearly „Anti-Semitism“ Awards come right after the famous Hollywood Awards.

At the top of the list, rightly so, ranks the Pittsburgh Synagogue Massacre. Besides the usual suspects, such as Louis Farrakhan, the leader of the Nation of Islam, who is slandered by the Center almost on a regular basis, these Zionists apparatchiks also put Jeremy Corbyn, the leader of the British Labor Party, UNRWA, and AIRBNB on their shitlist. In October, AIRBNB announced it would delist rentals in Israeli communities in the West Bank. What the center doesn’t say is that the West Bank is illegal Occupied Palestinian Land. 

That the famous Pink Floyd singer Roger Waters takes only tenth place will perhaps disappoint him. The Zionists and their Philo-Semite enforcers are constantly slandering him that he should have come home second. Germans or German institutions are often on this ridiculous list. This time, the Bank for Social Economy finishes up in seventh place.

Nobody should be surprised by this. Zionist extremists such as the campaign journalist Benjamin Weinthal  and many others have put pressure on the bank to terminate the bank account of the group „Jewish Voice for Just Peace in the Middle East“ because this group supports the BDS movement, which calls for a peaceful boycott of Israeli products from the illegal settlement in Occupied Palestine. That the Wiesenthal Center quotes Henryk M. Broder infamous judgment about the group („a bunch of anti-Semites“) shows how fact-free, obscure, and insane their judgment is.

Anti-Semitism is a form of racism. Racism in Israel is rampant. Israeli politicians should occupy all ten places. In 2017, I recommended Yair Netanyahu, the son of Prime Minister Benjamin Netanyahu, as a candidate on the organization’s Anti-Semitic shitlist, but to no avail. It seems the Simon Wiesenthal Center is not interested in the fight against real Anti-Semitism. They rather slander other people or organizations that speak the truth about Israel’s racist occupation and Apartheid policy.

First published herehere.

Ein jüdisches Witzenhausen

von Ludwig Watzal

Der Untertitel dieses Spaziergangs durch das jüdische Witzenhausen lautet: kennst du Israel Beer Josaphat alias Paul Julius Reuter? Reuter stammte aus einer Witzenhäuser Rabbiner-Familie und ist der Gründer der Nachrichtenagentur Reuters mit Sitz in London. Er war, zeitgemäß ausgedrückt ein Medienunternehmer.

Manfred Baumgardt, studierter Historiker und Politologe, hatte bereits mit seinem Buch „Es stand alles in der Zeitung“ den jüdischen Bürgern Witzenhausens ein publizistisches Denkmal gesetzt. Diese Studie vermittelte Einblicke in eine Kleinstadt im Dritten Reich und wie dort mit den jüdischen Bewohnern umgegangen worden ist. Schikanen, Misshandlungen, Enteignungen, Deportationen und schließlich die Ermordung der Juden war ein flächendeckendes Phänomen. Wer es wissen wollte, konnte es wissen, da alles in der Zeitung stand.  Weiterlesen

Ist Broder der bessere Blockwart?

Ich bezweifle, dass die Direktoren der Bank für Sozialwirtschaft (BfS) wissen, wie perfide ihre Absicht ist, die Jüdische Stimme für gerechten Frieden im Nahen Osten e.V., daraufhin zu überprüfen, ob die jüdischen Mitglieder dieses Vereins nicht etwa Antisemiten sind. Offensichtlich wissen die Herren der Bank es nicht, denn sonst hätten sie eine solch schamlose Untersuchung nicht in Auftrag gegeben.

Wie würde der Vorstand der Bank wohl reagieren, wenn man als Kontoinhaber einem Psychiater den Auftrag erteilen würde zu überprüfen, ob die Mitglieder des Vorstands noch alle Tassen im Schrank haben und fähig sind, eine Bank zu führen. Sie würden wahrscheinlich empört dem Kontoinhaber das Konto kündigen. Sie können dies, weil sie die Macht dazu haben, weil sie arrogant   und im Grunde dumm sind. Dumm im doppelten Sinn, menschlich-sozial und kaufmännisch. Es müsste ihnen, nach den Turbulenzen, die die Bank seit der ersten Kündigung 2017 erlebt hat, eigentlich bewusst sein, dass eine solche Überprüfung dem Image der Bank nur schaden kann. Und das ist gut so.

Kann man sich über so viel Perfidie noch wundern, gar ärgern? Man kann, aber es lohnt sich nicht. Auch dumme Menschen erreichen manchmal hohe und höchste Positionen. Darüber kann man sich in der Tat wundern. Man sollte deshalb nicht nur Banken das Recht geben zu entscheiden, wessen Konto sie kündigen, sondern auch selbst das Recht in die eigenen Hände nehmen und solchen Banken kündigen oder, noch besser, dort erst gar kein Konto eröffnen.  Weiterlesen

Broder – der ewige Anti-Antisemit?

von Holdger Platta 

Die richtigen Lehren aus den Gewalttaten der Nazis gegen die Juden zu ziehen — bedeutet das erstens, sich schützend vor die Opfer von Gewalt zu stellen, überall auf der Welt, oder zweitens, sich schützend vor die Gewalttäter zu stellen, sofern diese Juden sind? Es scheint logisch und menschlich, hier die erste Alternative zu wählen. Trotzdem kochen bestimmte Personen noch immer ihr Süppchen mit unpassenden Antisemitismus-Vorwürfen. Wachsamkeit ist vor dem Hintergrund der deutschen Vergangenheit notwendig — aber keine Generalamnestie für eine gewalttägige und diskriminierende Politik der israelischen Rechten.

Wie so oft, trat der bundesdeutsche Publizist Henryk M. Broder auch an diesem Tag mit Knalleffekten auf. Ich spreche vom Montag, den 16. Juni 2008. Der Innenausschuss des Deutschen Bundestages hatte zahlreiche ReferentInnen zu einer Anhörung zum Thema „Antisemitismus“ eingeladen, und auch der heutige WELT-Journalist Broder war mit von der Partie.

Alle Versuche, „den Antisemitismus zu definieren, zu erklären und zu neutralisieren“, seien „gescheitert“, erklärte Broder gleich zu Beginn und setzte fort: Zuallererst sei zur Verhinderung einer „virtuellen“ Debatte — was immer das sei — festzustellen:

Zuerst hier.

Bestätigung des rassistischen Charakters Israels

Keine Stadt hat das Recht, einen Park für Araber zu schließen, wie es Afula im Norden getan hat, aber eine derartige rassistische Aufstachelung ist unter Benjamin Netanyahu typisch geworden.

Haaretz Editorial

Die Vereidigung am Donnerstag, bei der der Stadtrat von Afula schwor, den jüdischen Charakter der Stadt zu erhalten, ist ein nationalistisches Ritual mit gefährlichem Potenzial. Auf Facebook erklärte der neue Bürgermeister Avi Elkabetz stolz, dass er den Stadtpark tags zuvor für jedermann außer den Stadtbewohnern geschlossen habe. Elkabetz hält sein Wahlversprechen ein. Schließlich verpflichtete er sich, den jüdischen Charakter dieser nördlichen Stadt zu erhalten und die „Übernahme des Parks“ zu bekämpfen.

Dies ist nicht der erste Versuch, den jüdischen Charakter von Afula zu „erhalten“. In der Stadt erhob sich einmal Protest, nachdem arabische Familien das Ausschreibungsverfahren für den Bau von Dutzenden von Wohneinheiten gewonnen hatten. Und Afula steht da keineswegs allein. Vor einigen Monaten versuchte Kfar Vradim, in den Hügeln Westgaliläas, das Ausschreibungsverfahren abzubrechen, nachdem sich herausgestellte hatte, dass die Hälfte der Gewinner der vorherigen Ausschreibung Araber waren.  Weiterlesen

Einen rassistischen Charakter in Israel bewahren

No city has the right to close a park to Arabs, as Afula in the north has done, but such racist incitement has become typical in the country under Benjamin Netanyahu

Haaretz Editorial

The swearing-in ceremony Thursday in which the Afula City Council vowed to maintain the city’s Jewish character is a nationalist rite with dangerous potential. On Facebook the new mayor, Avi Elkabetz, proudly stated that he had closed the city park the day before to everyone but city residents. Elkabetz is keeping his election promise. After all, he pledged to maintain this northern city’s Jewish character and fight the “conquest of the park.”

This isn’t the first attempt to “maintain the Jewish character” of Afula. A protest once arose in the city after Arab families won the bidding process to have dozens of housing units built. And Afula isn’t alone. A few months ago, Kfar Vradim in the Western Galilee hills tried to halt a bidding process after it emerged that half the winners of the previous tender were Arabs.  Weiterlesen

Thailändische Arbeiter in Israel: Niemand interessiert sich für sie

von Ludwig Watzal

Die BBC strahlte eine Dokumentarfilm über thailändische Arbeiter in Israel aus. Ein thailändischer Journalist ist für diese hervorragende Dokumentation verantwortlich. Ihre Ergebnisse sind schockierend. Die Arbeits- und Lebensbedingungen sind abstoßend und skandalös. Die Arbeiter leben in Armut und Elend, gerade nur ein wenig besser als Ratten. 25 000 Arbeiter leben in vorkapitalistischen Verhältnissen und können nur fünf Jahre in Israel bleiben. Ihre Existenz ist, um es milde auszudrücken, prekär.

Israel importierte ausländische Arbeiter aus Thailand und anderen Teilen der Dritten Welt, um die Arbeitsplätze von Palästinensern zu übernehmen, nachdem das zionistische Regime diesen die Arbeitsgenehmigungen entzogen hatte.

Die thailändischen Arbeiter müssen Pestizide in großen Mengen versprühen, was nicht nur massive Gesundheitsprobleme für die Arbeiter verursacht, sondern auch erhebliche Gesundheitsprobleme für die Verbraucher israelischer landwirtschaftlicher Produkte bedeutet. Verbraucher auf der ganzen Welt sollten nach dieser Dokumentation entscheiden, ob sie noch israelische landwirtschaftliche Produkte kaufen sollen. Wo diese in Supermärkten auftauchen, sollte man Protest einlegen.

Die folgende Dokumentation ist möglicherweise nur für 29 Tage verfügbar. Bitte herunterladen.

Auf Englisch.