Eine „Anti-Israel-Konferenz“?

Eine „Anti-Israel-Konferenz“ in Frankfurt stößt wieder auf heftige Kritik der üblichen Philosemiten und der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt, die schon Übung darin haben, Veranstaltungen, die sich mit dem Nahost-Konflikt beschäftigen und nicht „kosher“, d. h. pro-zionistisch sind, zu verfolgen, verleumden und mit allen zur Verfügungen stehenden Mittel an Beziehungen, Kontakten zur Stadtverwaltung,  Drohungen und politischen Erpressungen, zu verbieten.

Konferenzen der Jüdischen Gemeinde, wie „I Like Israel“ werden von der Stadt mitfinanziert. Demgegenüber werden Tagungen zum 50. Jahrestag der israelischen Besatzung , die man vielleicht auch „I Like Palästina“ nennen könnte, als „Antisemitismus“ verleumdet. Aus der Forderung der Veranstalter, im Übrigen auch die Forderung der EU, der UNO und vieler Staaten, auch europäischer Staaten, „die israelische Besatzung Palästinas müsse beendet werden“, machen die „üblichen Verdächtigten“ eine „Delegitimierung“ Israels und den Wunsch, Israel zu vernichten. 

Uwe Becker, der unsägliche Bürgermeister und Kirchendezernent der Stadt Frankfurt, der sich auf diesem Gebiet schon einen Namen als fürchterlicher Zionist gemacht hat, meint, dass die Veranstalter für ihre „antisemitische“ Haltung bekannt seien, weil sie die BDS-Bewegung unterstützen. Mir fällt dazu nur ein: „Gott schütze mich vor solchen Freunden. Vor Feinden kann ich mich selber schützen.“ Selbst die rechtsnationalistische Netanyahu-Regierung ist auf solche deutsch-philosemitische Polit-Psychopathen nicht angewiesen.

Uwe Becker, ein philosemitischer Antisemit oder antisemitischer Philosemit – wenn es stimmt, was Henryk M. Broder gesagt hat, dass „ Philosemiten auch Antisemiten seien, die Juden lieben“ – redet über BDS wie ein Blinder von der Schönheit der Farben. Eine Vielzahl jüdischer und israelischer Organisationen unterstützen BDS, aber der Judenfreund Becker meint, die BDS unterstütze „eine zutiefst antisemitische Stimmungsmache“. Auf eine solche Vermutung können nur solche Menschen kommen, die latent eine antisemitische Schlagseite haben. Die Forderung, keine Produkte der israelischen Siedlungen aus den besetzten Gebieten zu kaufen, vergleich Becker mit der Naziparole: „Kauft nicht bei Juden“. Dass dies ein perfider und zudem dummer Vergleich ist, versteht sich von selbst, zumindest von allen, die ein Geschichtsverständnis und Geschichtskenntnisse haben, aber welch vernünftiger Zeitgenosse kann dies schon von einem CDU-Funktionär der Merkel-Partei erwarten.  

Die Juden waren in der Beziehung zu den Nazis vollkommen schutzlos, und die Nazis wollten sie vernichten, was die Generation der Eltern von Uwe Becker schließlich auch getan hat. BDS will Israel nicht vernichten, sondern Israel zwingen, den Palästinensern ihr Land zurückzugeben. Wenn Herr Becker unbedingt geschichtliche Hilfe benötigt, dann sollte er BDS mit dem Boykott gegen das rassistische Südafrika mit seiner Apartheid Politik vergleichen. Auch in Südafrika gingen Schwarze und Weiße (und unter ihnen viele Juden) auf die Straße und forderten die freie Welt auf, „ihr“ Land zu boykottieren, wie es heute viele Juden und Israelis tun. Wir brauchen da keine philosemitischen Ermahnungen von nichtjüdischen Zionisten, deren Motive im Dunklen liegen und für mich sehr zweifelhaft sind. Oder ist Becker (und seine jüdischen Freunde sowieso) der Meinung, dass Israel ohne die Herrschaft über die Palästinenser nicht existieren kann?

Die Juden im Dritten Reich konnten sich nicht wehren. Israel kann sich aber wehren, allein das ist schon ein wesentlicher Unterschied, der einen Vergleich verbietet. Israel könnte schon heute mit einem Knopfdruck die Palästinenser und manche arabische Staaten auslöschen. Aber Israel könnte auch schon heute die BDS-Kampagne stoppen, wenn es sich aus den besetzten Gebieten zurückzieht: Gemeint sind die Gebiete Ost-Jerusalem, Golan-Höhen, Westjordanland und Gazastreifen. Es reicht nicht, heuchlerisch zu behaupten, die Hamas würde Israel nicht anerkennen. Israel erkennt doch auch die Hamas nicht an, und wäre es nicht an Israel als die stärkere Macht, zuerst einen Schritt auf die Hamas zuzugehen?

Die Gleichsetzung der BDS-Bewegung mit der „Kauft nicht bei Juden“-Aktion der Nazis ist eine eindeutige Relativierung, Verharmlosung der Verbrechen der Nazis. Wenn schon die Bezeichnung Rassist nicht ausreicht, kann man berechtigt die, die diese Gleichsetzung machen, als Antisemiten bezeichnen. Wollen wir es zulassen, dass wieder einmal die Deutschen sich eine solche Schuld aufladen?

Auch die Jüdische Gemeinde muss ihren Senf dazugeben und allen zeigen, dass sie „fremd im eigenen Land ist“. Ihr Vorsitzender Leo Latasch zeigt allen, dass er nichts vom Grundgesetz hält und fordert das Verbot einer Konferenz, nur weil dort möglicherweise Meinungen geäußert werden könnten, die ihm nicht passen.

Der Aufruf zum Boykott israelischer Waren ist ein legitimes demokratisches Recht, das uns unsere Verfassung gewährt und es wäre klug vom Juden Leo Latasch, wenn er das respektieren würde, wenn er nicht einer antisemitischen Stimmung Vorschub leisten oder „Antisemiten“ produzieren will. Der israelischen Regierung, besonders Benjamin Netanjahu, wäre dies freilich sehr recht. Kann das israelische Besatzungsregime eventuell nicht ohne die Konstruktion von „Antisemiten“ überleben?

Wenn man Lataschs Aufruf bzw. sein Statement in der Presse liest, dann kann man sich nur wundern, dass solche infantile Menschen einer Jüdischen Gemeinde vorstehen. Er behauptet, dass es in der deutschen Geschichte schon einmal solche Aufrufe „zum Boykott israelischer Waren“ gab. Leider nicht, kann man da nur sagen. Aber offensichtlich sind Herrn Latasch und der israelischen Regierung sowieso Krieg und Vernichtung lieber als friedliche Boykott-Aktionen. Israel ist nur stark im Krieg, friedliche Aktionen fürchtet Benjamin Netanjahu wie der Teufel das Weihwasser.

Auch Becker zeigt, dass er vom GG nichts hält. „Eine solche Veranstaltung hat in Frankfurt nichts verloren“, sagt er. Warum? Ist Israel seine Heilige Kuh, die man nicht berühren darf? Israel ist ein Staat wie jeder andere und darf wegen seiner Politik kritisiert werden, so wie dieser Staat von Naivlingen wie Becker gelobt wird. In unserem Staat kann jeder sagen „I Like Israel!“, aber es darf auch jeder sagen „I Like Palästina!“ Das garantiert das Grundgesetz in  Artikel 5. Vielleicht sollte Frau Merkel ihm einmal den Inhalt vorlesen!

Becker meint, dass der Kongress von „kopi“ in „unserer Stadt nicht willkommen ist.“ Da bin ich mir überhaupt nicht sicher. Vielleicht bei Becker und seiner Mischpoche, aber bestimmt nicht bei allen Frankfurtern, die aus vielen Ethnien und Nationen bestehen. Ist denn ein solcher Kongress auch bei den moslemisch stämmigen Frankfurter nicht willkommen? Becker und Latasch können sich nicht bei der rein deutschen Bevölkerung sicher sein und nicht einmal bei allen Juden, die in Frankfurt leben. Also warum den Mund so voll nehmen? Ich kann Herrn Becker nur auffordern, eine Befragung der Bürgerschaft durchzuführen.

„Es wäre die eleganteste Lösung, wenn die Räume nicht vermietet würden“, sagt Leo Latasch. Wäre es nicht auch für die Nazis die „eleganteste Lösung“ gewesen, wenn Deutsche nicht bei Juden kaufen? Latasch handelt hier wie der türkische möchte gern Diktator Erdogan. Auch er droht wie Erdogan, dass er seine „Jüdische Gemeinde“ auffordern würde, vor dem Ökohaus zu demonstrieren. Es wundert mich, dass ein Jude das sagt und die Vergleichbarkeit mit Erdogan nicht bemerkt. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold, sagt ein bekanntes deutsches Sprichwort. Vielleicht sollten sich das auch die Damen und Herren der jüdischen Gemeinden in Frankfurt, München und sonst wo zu Herzen nehmen, da sie sich ansonsten nur lächerlich machen. Sie sollten endlich aufhören hier israelische Politik zu vertreten, zumal wenn diese rassistisch und nationalistisch ist.

Die Forderung der Palästinenser ist gerecht und berechtigt, und es liegt an uns den Palästinensern zu helfen, dass sie endlich ihren eigenen, von den Israelis unabhängigen Staat bekommen. Und die jüdischen Gemeinden in Deutschland sollten sich endlich um ihre Angelegenheiten kümmern und nicht Außenpolitik zu betreiben. Dafür ist unser Außenminister zuständig. Leider ist es aber wie mit der Türkei, dass die Politik nicht schon längst eine rote Linie gezogen hat, die die Gemeinden nicht überschreiten sollten.

Bizhan Alkanan vom Ökohaus ist wohl der einzige, der den gesunden Menschenverstand behält und richtig argumentiert: „In einem freien Land darf jeder seine Meinung sagen.“ Becker und Latasch scheinen aus Deutschland kein freies Land machen zu wollen. Ein Naziland womöglich?

Bizhan ist jetzt um die Sicherheit des Ökohauses besorgt, und zurecht, nach dieser offensichtlichen Drohung durch den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde. Darauf gibt es meiner Meinung nach nur eine Antwort: Man sollte das Haus durch die Polizei schützen lassen und die Kosten der Jüdischen Gemeinde auferlegen. Geld ist in der Regel ein überzeugendes Argument.

4 Gedanken zu “Eine „Anti-Israel-Konferenz“?

  1. Es ist zum Haareausraufen.

    Hier in den USA ist die Meinungsverschiedenheit hinsichtlich Israel-Palaestina vergleichbar zu der in Deutschland. Kein Respekt vor dem Grundgesetz (US Constitution). Free Speech wird nicht mehr garantiert, sollte sie in der Vergangenheit ueberheupt existiert haben. Einige US Staaten haben es sogar unternommen, BDS zu verbieten,

    Israel’s Langzeitstrategie ist es, dafuer zu sorgen, dass sich die Deutschen fuer alle Zeiten schuldig zu fuehlen haben. Beweis dafuer ist der folgende Bericht: https://forum.codoh.com/viewtopic.php?t=9639 . Prof. Norman Finkelstein, selbst Jude, nennt die praktische Umsetzung dieser Strategie „Holocaust-Industrie“ (Holocaust Industry – Reflections on the Exploitation of Jewish Suffering, ISBN 1-85984-323-9) . Jegliche, selbst die vorsichtigste, Kritik an Israel’s Verhalten zu den Palaestinensern wird als Antisemitismus angeprangert.

    Wenn sich die Deuschen die Muehe machen wuerden und die Geschichte der Juedisch/Zionisisch-Palestinensischen Beziehung zwischen 1890 und 1948 zu studieren, kann ich mir nicht vorstellen, dass sich Verhalten wie von Frau Merkel, Uwe Becker und Leo Latasch demonstriert, von der deutschen Bevoelkerng akzeptiert warden wuerde.

    Leider scheint die Gehirnwaesche der Deutschen durch ihre opportunistischen Politiker und Israel-hoerigen Presse ein voller Erfdolg gewesen zu sein (der deutsche Begriff ‚arschkriechend‘ anstelle ‚opportunistisch‘ beschreibt die Situation viel treffender).

    Wirklich, das deutsche Verhalten in diesem Konflikt ist fuer mich als Auslandsdeutscher eine zutiefst depremierende Erfahrung…

    G.R.
    deutscher Staatsbuerger
    In den USA lebend seit 1988

  2. Ergänzung zu „infantile Menschen“ hier:Politiker: Der hochschulpolitische Sprecher der Hamburger CDU Carsten Ovens, der Initiator des Versuchs, die BDSBewegung am 13.3. 2017 in der Hamburger Bürgerschaft als antisemitisch einstufen zu lassen, schreibt allen Ernstes in einem persönlichen Brief an einen jüdischen Mitstreiter: Die Palästinenser sollen lieber Krankenhäuser und Schulen statt Tunnel bauen.
    Mehr geht kaum.

  3. In Frankfurt ist Bnai Brith mit der CDU-Frankfurt bestens vernetzt.

    Das ist auch vermutlich der Grund, wieso die CDU-Frankfurt die Anti-BDS-Erklärung zuerst in Frankfurt beschlossen hat und danch zur Bundes-CDU gebracht hat, um sie auch dort beschließen zu lassen.

    Das ist, wie ich meine, die 5.Kolonne Israels in Deutschland wirklich ‚mächtig‘ oder einflußreich. Bnai Brith, AJC-Berlin, … die beeinflussen jahrelang sehr fleißig auch Politik mit ihrem #hasbara-Netzwerk.

    Die Antisemitismus-Diffamierung von BDS ist – wie deren homepage zeigt – völlig lächerlich. Eine Judith Butler, die BDS unterstützt, ist eher Marsianerin als Antisemitin.

    Aber gegen die Dummheit (auch von Politikern) ist immer noch kein Kraut gewachsen.

    Eigentlich eine Frechheit, solche Menschen als Antisemiten zu diffamieren und zu beleidigen.

  4. Lieber Herr Melzer,
    wenn auch Sie noch zum jetzigen Zeitpunkt die Zwei-Staaten-Lösung vertreten, leiden wohl auch Sie wie unsere Politiker unter einem gravierenden Realitätsverlust. Schade. Sollten Sie darüber hinaus mit dieser Sicht noch die Hoffnung verbinden, dass es doch irgendwie möglich sei, dass Israel ein reinrassiger Judenstaat wird, dann…. möchte ich mir über Sie und Ihre Intentionen lieber keine weiteren Gedanken machen.
    Schöne Grüße,
    Dr. Torsten Kemme

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