Münchens OB Dieter Reiter und die „SZ“ nennen BDS „antisemitisch“

Offenr Brief an Herrn Wagner und die SZ-Redaktion.

von Sabine Matthes

Sehr geehrter Herr Wagner, sehr geehrte SZ Redaktion,

für wie dumm halten Sie Ihre Leser, dass Sie uns die israelkritische BDS-Bewegung als „antisemitisch“ verkaufen wollen – wie Dirk Wagner in seiner Roger Waters Konzert Kritik „Gitarrensoli lügen nicht“? Wollen Sie tatsächlich Desmond Tutu, Angela Davis, Alice Walker, Stéphane Hessel, Stephen Hawking, Ken Loach, mehr als 1200 Künstlern, sieben Millionen britischen Studenten und Millionen anderen BDS-Unterstützern weltweit „Antisemitismus“ unterstellen!? Und das, obwohl die BDS-Bewegung sich selbst dezidiert GEGEN Antisemitismus ausspricht!? Wie man klar auf obiger website sehen kann, ist sie weder antizionistisch und schon gar nicht antisemitisch – sie möchte, angelehnt an die frühere Anti-Apartheid-Bewegung für gleiche Rechte in Südafrika, UNO-Resolutionen und Menschenrechte umsetzten, weil es die Politik seit 70 Jahren nicht schafft! Wenn auf Roger Waters Konzert eine Texttafel vor einem „israelischen Antisemitismus“ warnte, ist dies keine „sprachliche Unsinnigkeit“: Hebräisch und Arabisch sind semitische Sprachen, Antisemitismus kann also gegen Vertreter beider Sprachfamilien gerichtet sein. Gut, dass Roger Waters Berliner Rechtsanwalt Christian Schertz gegen die Verleumdung des Münchner OB Dieter Reiter vorgeht. Seit einiger Zeit werden in München sogar Israel-kritischen jüdischen Referenten Auftrittsverbote erteilt: DAS ist Antisemitismus – im Auftrag der Stadt!?

Ist es nur Ihre persönliche Meinung, die BDS-Kampagne für „antisemitisch“ zu halten (was Ihr gutes Recht ist), oder müssen sich alle SZ-Autoren dem Urteil von Dieter Reiter unterwerfen (was ein völlig unzulässiger Eingriff in die Meinungs- und Pressefreiheit wäre)? Falls es eine Definitions-Richtlinie der gesamten SZ-Redaktion ist, werde ich mein jahrzehntelanges SZ-Abo kündigen – ich will keine Zeitung unterstützen, die ein Engagement für Menschenrechte kriminalisiert und sich gegen Meinungs- und Pressefreiheit positioniert. Man kann nicht die Türkei für etwas rügen, was man selbst praktiziert. Ich bitte um eine Stellungnahme.

Die Deutschen haben den Holocaust begangen, nicht die Palästinenser.

Vertrieben, enteignet, entrechtet und aus ihrem Land ausgebürgert wurden aber die Palästinenser.

Schämen Sie sich nicht, den Palästinensern und deren Unterstützern wie Roger Waters dann auch noch die Legitimation abzusprechen, mit friedlichen Mitteln für ihre Rechte zu kämpfen!?

Mit freundlichen Grüßen,

Sabine Matthes

Der SZ besonders empfohlen: https://bdsmovement.net/what-is-bds

6 Gedanken zu „Münchens OB Dieter Reiter und die „SZ“ nennen BDS „antisemitisch“

  1. Danke, Sabine Matthes, für dieses engagierte Schreiben an den Münchner OB.
    Auf dessen Rückmeldung, so eine solche denn kommen sollte, bin ich gespannt.

  2. Das Recht auf Meinungsfreiheit und damit die Demokratie wird radikal eingeschränkt, wenn jemand für eine eigene Meinung, die weder antidemokratisch noch antihuman ist, mit einem Bannfluch belegt wird!

  3. leider lese ich jetzt erst, dass Sie öffentlich auf meinen Artikel in der Süddeutschen Zeitung reagierten. Was mich zunächst auch ehrt. Vielen Dank dafür. Trotzdem wähne ich mich in einen Punkt missverstanden. Als ich schrieb, dass Politikwissenschaftler die wirtschaftliche und kulturelle ISolierung Israels als antisemitisch bewerten, behauptete ich nie, ihnen darin zuzustimmen. Allerdings, das gebe ich zu, habe ich dem bislang auch nicht widersprochen. Stimmt es denn nicht, dass Politikwissenschaftler solche Einschätzungen äußerten? Wegen des Begriffs „Antisemitismus“ hatte ich in der Tat immer gedacht, es handele sich dabei um eine judenfeindliche Diskriminierung. Darum erschien mir der Begriff „israelischer Antisemitismus“ unsinnig. Selbst dann, wenn Juden auch dort diskriminiet werden sollten. Dann aber doch nicht, weil sie Juden sind, sondern, weil sie Ausländer sind. Weil sie eine andere politische Einstellung leben. Oder aus anderen Gründen. Aber doch nicht, weil sie Juden sind. oder? Weder die Redaktion noch Dieter Reiter haben mich im Schreiben übrigens beeinflusst.

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