Achille Mbembe sagt die Wahrheit über den kolonialistischen Hintergrund Israels und wird als „Antisemit“ dämonisiert

von Arn Strohmeyer

Die Antisemitismus-Vorwürfe gegen den afrikanischen Philosophen Achille Mbembe haben auch eine positive Seite. Sie offenbaren, in welcher ideologischen Blase sich der Mainstream-Diskurs über den Nahost-Konflikt im politischen Deutschland befindet. Wenn es um Israel/Palästina geht, sind nur noch Fragen nach dem Existenzrecht Israels und nach der Relativierung des Holocaust erlaubt. Fallen die Antworten nach Meinung der Fragesteller unbefriedigend aus, beginnt die Antisemitismus-Kanonade und die hinterlässt dann nur noch verbrannte Erde. Dass solche Kampagnen dem eigentlichen Anliegen, dem Kampf gegen den wirklichen Antisemitismus, nur schaden können, scheint dann in der hysterisch aufgeladenen Stimmung schon kaum noch jemanden zu interessieren. Und dass dann wie jetzt im Fall Achille Mbembe auch noch die im Grundgesetz verbürgte Freiheit der Wissenschaft großen Schaden nimmt, wen interessiert das im Eifer des Gefechts?

Wenn man heute laut ausspricht oder schreibt, dass der Holocaust und der Antisemitismus-Vorwurf auch in perfider Weise instrumentalisiert werden, um die brutale Herrschaft Israels über ein ganzes Volk vor Kritik zu schützen, dann ist das auch gleich wieder schlimmer Antisemitismus. Und so dreht sich die Debatte im Kreis ohne die geringste Chance, einen Erkenntnis-Schritt weiter zu kommen. Von politischen Fortschritten und Verbesserungen für die am meisten unter dem gegenwärtigen Zustand Leidenden – die Palästinenser unter der nun schon über 50 Jahre andauernden Besatzung – ganz zu schweigen. 

Insofern hat die Debatte um Achille Mbembe auch ihre guten Seiten offenbart. Der Israel-Palästina-Konflikt wird endlich einmal nicht unter dem ausschließlichen Aspekt Holocaust und Antisemitismus geführt, sondern auf seine Wurzeln zurückgeführt. Denn in der westlichen Welt hat man sich – dank der sehr erfolgreichen israelischen Propaganda – daran gewöhnt zu glauben, dass es den Konflikt erst seit dem Juni-Krieg 1967 und den damaligen israelischen Eroberungen gibt, also dem Beginn der Okkupation. Dass es diese Besatzung schon unter strengster Militärherrschaft nach der Nakba 1948 über die noch im jungen Staat Israel verbliebenen Palästinenser bis 1966 gab, wird meistens verschwiegen.

Die entscheidenden Probleme, die den Konflikt bis heute ausmachen, sind aber schon Jahrzehnte früher entstanden. Ohne ihre Kenntnis konnte sich aber der Eindruck verfestigen, dem Israel mit seiner Propaganda kräftig nachgeholfen hat, dass die Araber bzw. die Palästinenser allein an der Auseinandersetzung schuld seien, weil sie sich weigerten, die Feindschaft zu beenden, Israel als Staat anzuerkennen und damit Frieden zu schließen. Also auf der einen Seite die bösen und aggressiven Araber und auf der anderen die friedliebenden und unter der Bedrohung leidenden Israelis. Die wirklichen Ursachen des Konflikts gingen bei dieser Sichtweise völlig unter.

Es lohnt sich aber, den Blick etwas weiter in die Vergangenheit zu richten und auch die andere, die am meisten betroffene Seite zu Wort kommen zu lassen. Was besonders in Deutschland schwierig ist, da im offiziellen Diskurs nicht zwischen Judentum und Zionismus unterschieden wird, ja allein die Beschäftigung mit dem Zionismus schon den Verdacht nahelegt, ein Antizionist gleich Antisemit zu sein. Aber der Zionismus ist – unterschieden vom Judentum – eine historische Tatsache, an der kein Weg vorbeiführt, denn er ist bis heute die Staatsideologie Israels. Die Auseinandersetzung mit ihm ist unumgänglich zum Verständnis des Nahostkonflikts.

Deshalb ein Rückblick. Der Zionismus ist ohne die Theorie und Praxis des europäischen Imperialismus und des Kolonialismus im 19. Jahrhundert gar nicht denkbar. Der Imperialismus strebte die Unterwerfung anderer Länder und Völker sowie die Eingliederung in den eigenen Machtbereich an. Er rechtfertigte diese Eroberungen mit seinem höheren zivilisatorischen Standard und auch mit der rassischen Überlegenheit der Europäer. Schon die frühesten Rassentheoretiker grenzten die weiße Rasse „wissenschaftlich“ von den Völkern roter, gelber, brauner und schwarzer Hautfarbe ab. Aus diesem rassischen Hochmut des Kolonialismus heraus wurden die von den verachteten Angehörigen dieser Völker bewohnten Territorien als unbewohnt und leer verstanden. Man sah über diese Menschen einfach hinweg und betrachtete sie als unzivilisiert, unterlegen und minderwertig. Ihnen kam eigentlich kein menschlicher Status zu. Sie galten einfach als nicht-existent.

Damit standen diese Gebiete der westlichen Kolonisierung zur Verfügung. Vieles von diesem ideologischen Gedankengut hat der Zionismus übernommen. Die zionistische Parole „Für das Volk ohne Land ein Land ohne Volk“ drückt das sehr deutlich aus. Die Zionisten nahmen die 600 000 Araber bzw. Palästinenser, die am Ende des 19. Jahrhunderts im Land zwischen Mittelmeer und Jordan lebten, einfach nicht wahr. Berühmt ist der Ausspruch der israelischen Politikerin Golda Meir: „Es gibt gar keine Palästinenser.“ Und ihr Kollege Shimon Peres konnte bekennen: „Wir haben sie einfach übersehen.“

Die radikale Unterscheidung und Trennung zwischen den privilegierten Juden und den verachteten, minderwertigen Palästinensern war also von Anfang an gegeben und besteht bis heute fort. Sie ist durch das Nationalstaatsgesetz von 2018 sogar festgeschrieben worden. Die jüdischen Israelis haben nie eine Sensibilität für die Leiden der von ihnen beherrschten und unterdrückten Nicht-Juden entwickelt. Die Palästinenser werden bis heute nicht als selbstbestimmende, freie menschlichen Wesen betrachtet. Von dem Augenblick an, als sie sich gegen ihre Unterdrückung zu wehren begannen und ihre Rechte einforderten, war das für die Zionisten blanker „Terrorismus“. An dieser Menschenverachtung, Dämonisierung und Entmenschlichung hat sich bis heute nichts geändert. Es ist sogar noch eine Steigerung der Dämonisierung hinzugekommen: Die Palästinenser sind die „neuen Nazis“, was eine völlige Umkehrung der Täter-Opfer-Rolle in diesem Konflikt bedeutet.

Das Ziel des Zionismus war von Anfang an, den jüdischen Staat in möglichst ganz Palästina, aber ohne Araber darin zu gründen. Die Idee war also, dass die Kolonisierung Palästinas nur von und für Juden vorgenommen werden sollte – bei gleichzeitiger Umsiedlung (Transfer) der Palästinenser. Der Begründer des Zionismus, Theodor Herzl, drückte das in einer Tagebucheintragung deutlich aus und nahm schon vorweg, was später in die Praxis umgesetzt wurde: „Die Zionisten müssen sich zunächst in zureichender Weise den Grundbesitz der arabischen Bevölkerung verschaffen. Die Einheimischen – insbesondere die Armen – sollen unbemerkt über die Grenze in Nachbarländer transportiert werden, nachdem sie vorgängig die gröbste Kolonisierungsarbeit im Judenstaat geleistet haben. Den Arabern darf im Judenstaat keine Arbeit gegeben werden; auch ist es der eingeborenen Bevölkerung untersagt, von Juden erworbenes Land zu kaufen.“ Auch über die geographische Ausdehnung des Judenstaates hatte sich Herzl schon Gedanken gemacht: Er sollte die Sinai-Halbinsel einschließen und neben Palästina auch große Teile Syriens umfassen und bis an die Ostgrenze des heutigen Jordanien reichen.

In der Zeit, als der europäische Imperialismus sich in Afrika und Asien weiter ausdehnte und seinem Höhepunkt zustrebte, begann auch die siedlerkolonialistische zionistische Besiedlung in Palästina. Das Verhältnis der einwandernden Juden zu den Arabern war von Hass und Verachtung bestimmt. So schrieb der aus Russland stammende Philosoph Ahad Ha’am am Ende des 19. Jahrhunderts über seine Eindrücke in Palästina: „Eine Sache hätten wir ganz gewiss aus unserer vergangenen und gegenwärtigen Geschichte lernen können: wie behutsam wir sein müssen, um nicht durch tadelnswertes Verhalten den Zorn anderer Leute gegen uns zu erregen. Um wie viel mehr sollten wir dann bemüht sein, einem fremden Volk, unter dem wir wieder leben, mit Liebe und Achtung und natürlich mit Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit zu begegnen. Und was machen unsere Brüder im Lande Israel? Ganz das Gegenteil! Sie waren Sklaven in den Ländern des Exils, und plötzlich verfügen sie über unbegrenzte Freiheit, die Art wilder Freiheit, die sich nur in einem Land wie der Türkei [Palästina gehörte damals zum Osmanischen Reich] finden lässt. Dieser plötzliche Wandel hat in ihnen einen Drang zum Despotismus ausgelöst, wie es stets geschieht, wenn ‚ein Sklave König wird‘, und siehe da, sie begegnen den Arabern mit Feindschaft und Grausamkeit, berauben sie ihrer Rechte, schlagen sie schmählich ohne Grund, brüsten sich dessen sogar, und niemand wirft sich dazwischen und gebietet ihrem gefährlichen und abscheulichen Trieb Einhalt.“

Der Palästinenser Edward Said beschreibt, wie die Europäer und damit auch die Juden in den vom Kolonialismus beherrschten Ländern vorgingen und wie es dort aussah: „Man entledigt sich des anstößigen menschlichen oder pflanzlich-tierischen Unkrauts, entweder weil es so unordentlich wuchert, oder weil seine Anwesenheit durch Unproduktivität und sinnentleertes Dasein stört – der Rest wird in Reservaten, eingezäunten Geländen, Heimstattbezirken in Schach gehalten, damit man zählen, taxieren und profitabel nutzen kann. So errichtet man eine neue Gesellschaft in einem freigeräumten Gebiet. Auf diese Weise wurde Europa im Ausland rekonstituiert, seine ‚Vervielfachung in räumlicher Entfernung‘ erfolgreich projektiert und durchgesetzt. Als Ergebnis gab es eine Vielzahl kleiner Europas; hier und dort, in Afrika, Asien und Amerika, und jeder Nukleus reflektierte den Zustand, die spezifischen Wirksamkeiten der Mutterkultur, ihrer Siedlervorhut und Pioniere.“

Und weiter: „Ungeachtet der erheblichen Unterschiede war allen [Kolonien] ein Merkmal gemeinsam – sie gaben ihrem Leben die Aura der Normalität. Die unsinnigsten Reproduktionen Europas wurden als angemessen empfunden (Süafrika, Rhodesien usw.). Die schlimmste Diskriminierung und Abschiebung der Einheimischen wurde als normal angesehen, da sie ‚wissenschaftlich‘ legitimiert war; die Widersprüchlichkeit eines Lebens in der Enklave, Tausende Kilometer von heimischer Kultur und Erde entfernt; umgeben von feindseligen und verständnislosen Einheimischen: Diese Absurditäten unter dem Deckmantel der Normalität führten zur Entstehung eines eigensinnigen Geschichtsempfindens, einer hartnäckigen Scheinlogik und eines sozialpolitischen Zustands, der das jeweils bestehende koloniale Vorgehen als normal, legitim und gut ausgab.“ Diese Zeilen stammen aus Saids Buch „Zionismus und palästinensische Selbstbestimmung“, das in Deutschland 1981 erschien. In visionärer Weise sieht Said hier schon die Wegsperrung der Palästinenser in „Reservaten, eingezäunten Geländen und Heimstätten“ voraus, die heute im Westjordanland und Gazastreifen grausame Realität ist.

Dass dies keineswegs der einseitige Blick eines Palästinensers auf seine Heimat war, belegen Aussagen des israelischen Psychologen Benjamin Bei-Hallahmi, der schreibt: „Für den Zionismus stellte sich die Frage: Was soll mit diesen Menschen – der indigenen arabischen Bevölkerung – geschehen? Die Antwort war klar: Um einen rein jüdischen Staat zu schaffen, mussten sich die Zionisten von dieser ‚überschüssigen‘ Bevölkerung befreien. Ihre Rechte anzuerkennen und mit ihnen zusammenzuleben haben die Zionisten (von ein paar human gesinnten ‚Kulturzionisten‘ abgesehen) nie in Erwägung gezogen. Um den zionistischen Traum zu erfüllen, eben die Gründung eines eigenen Staates, war man entschlossen, hart gegen die ‚Eingeborenen‘ vorzugehen, was nicht schwer war, denn diese waren schwach, rückständig und arm. (…) Die Palästinenser waren nicht Teil einer Gleichung. Sie waren für die Zionisten eigentlich gar nicht vorhanden, waren ‚unsichtbar‘ und kamen in den Visionen und Plänen der Zionisten gar nicht vor. Die einheimische Bevölkerung musste ausgesondert und ausgeschieden (eliminated) werden.(…) Der Krieg gegen die Eingeborenen (natives) war schlicht und einfach ein Teil der Umwandlung der Natur des Landes, und sie waren ein anderes Element der Natur, man musste sie [die Eingeborenen] erobern und sie bekämpfen wie die Sümpfe, die Hitze und die Malaria.“

Achille Mbembe erinnert in seinen Texten an diesen kolonialen Ausgangspunkt des Zionismus, und Israel ist heute immer noch ein siedlerkolonialistischer Staat, der sich auf dem Weg in einen Apartheidstaat befindet oder ein solcher schon ist. Mbembe hat, indem er auf die kolonialistischen Wurzeln des zionistischen Staates hinweist, auch deutlich gemacht, dass die weitere Existenz Israels vor allem davon abhängt, ob es dem von ihm besetzten und unterdrückten Volk die Freiheiten und Rechte zugesteht, die es selbst für sich in Anspruch nimmt. Die folgenden Sätze belegen das klar: „Palästina nimmt einen wichtigen Platz in meinem Nachdenken über die ‚andere Seite der Welt‘ ein, das heißt über die kolonialen Formen der Aufteilung der Erde und des Lebens. In diesem Zusammenhang vertrete ich folgende Hypothese: Aus Methoden, mit denen die besetzten Gebiete Palästinas verwaltet oder sich selbst überlassen werden, entwickeln sich technofuturistische Formen der Enklavenbildung, des Abflusses von Menschen und der Enteignung, die von globaler Bedeutung sind. In diesen Entbindungsprozessen ist ein Modell des Regierens über Menschenmassen am Werk, die als überflüssig und gefährlich erachtet werden, ein Modell, dass nicht mehr auf Palästina beschränkt bleibt, sondern sich allmählich in mehreren Teilen der Welt ausbreitet.“

Was Mbembe hier anspricht, ist zweifellos die viel zitierte „Israelisierung der Welt“, das heißt: politische und soziale Probleme nicht mehr mit den Mitteln einer humanen Politik zu lösen, sondern mit Unterdrückung, bei der ausgefeilte technisch-elektronische Hilfsmittel der Kontrolle und Überwachung eine wichtige Rolle spielen. Das Modell, das heute nicht nur Israel praktiziert, die „überflüssigen Menschen“ in Enklaven und Bantustans wegzusperren, hat im Übrigen die jüdisch-kanadische Sozialwissenschaftlerin Naomi Klein als erste kritisch dargestellt. Auch sie eine Antisemitin?

In Deutschland ist es inzwischen weitgehend gelungen, Israel und den Zionismus mit einer Mauer der Immunität zu umgeben, so dass keine rationale Diskussion seiner Ziele und Implikationen mehr möglich ist. So eine Immunität braucht der Zionismus in der Tat, weil er durch normale politische Standards nicht verteidigt werden kann. Da wird dann eben Antisemitismus und Antizionismus gleichgesetzt, um zum gewünschten Ziel des Abwürgens jedes Diskurses über die israelische Politik zu kommen

Die deutsche Mainstream-Debatte über den Nahost-Konflikt stagniert, dreht sich im Kreis und erschöpft sich in Antisemitismus-Schuldzuweisungen. Dabei hätte nicht nur Israel allen Grund zur Selbstkritik und Änderung seiner Politik, sondern auch der gesamte Westen – Deutschland natürlich eingeschlossen. Wie es der deutsche Soziologe Walter Hollstein vor fast 50 Jahren formuliert hat: „Die ungeschichtlichen Erklärungsmuster des Nahost-Konflikts nutzen Israel wie auch dem Abendland. Das erstere lässt dergestalt vergessen, dass der Zionismus mit seinem Machtanspruch überhaupt erst die Auseinandersetzung mit der arabischen Welt herausforderte; das letztere kaschiert erleichtert, dass sein Antisemitismus am Ursprung des Zionismus stand und also die andauernde Auseinandersetzung im Nahen Osten wesentlich mitbedingte. So umgeht man bequem die Analyse der wirklichen Ursachen des Nahostkonflikts und akzeptiert das Gesetz des Schweigens über die schreiendsten Wahrheiten der Geschichte, die vornehmlich so unerfreuliche Phänomene wie Kolonialismus, Imperialismus und Flüchtlingselend betreffen.“

Diese Sätze könnten auch von Achille Mbembe stammen.

14 Gedanken zu „Achille Mbembe sagt die Wahrheit über den kolonialistischen Hintergrund Israels und wird als „Antisemit“ dämonisiert

  1. * David Ben-Gurion sagte:

    „Wenn ich ein arabischer Führer wäre, würde ich nie einen Vertrag mit Israel unterschreiben. Es ist normal; wir haben ihr Land genommen. Es ist wahr, dass es uns von Gott versprochen wurde, aber wie sollte sie das interessieren? Unser Gott ist nicht ihr Gott. Es gab Anti-Semiten, die Nazis, Hitler, Auschwitz, aber war es ihre Schuld? Sie sehen nur eine Sache: Wir kamen und haben ihr Land gestohlen. Warum sollten sie das akzeptieren?“

    * Zitiert von Nahum Goldmann in Le Paradoxe Juif (The Jewish Paradox), S. 121.

  2. Die Sache ist komplizierter und paßt nicht in die verwendeten Schemata. Das fängt schon damit an, daß es keine jüdische „Kolonialmacht“ wie England oder Frankreich gab, die eine Kolonie gegen den Willen der „Eingeborenen“ nach dem Beispiel Algeriens oder Neuseelands etablierte. Palästina gehört seit dem 14. Jahrhundert zum osmanischen Reich, das dort keine Türken ansiedelte. Juden gab es im osmanischen Reich viele.

    Der Holocaust und die Sowjetisierung Europas haben nach 1945 eine Flüchtlingsbewegung ausgelöst, ohne daß man Juden, die nach den USA gingen, dort als Kolonisten stempelte. Das war in Israel im Prinzip nicht anders. Niemand würde die Syrer, die heute nach Europa fliehen, als Kolonisten darstellen.
    Es kommt dazu, daß die Juden aus Europa eine andere gesellschaftliche Struktur mitbrachten, die die vorhandenen Strukturen an die Wand spielten. Das ist aber nach Karl Marx eine notwendige Entwicklung. Der meist eingenommene Standpunkt für die Palästinenser ist, marxistisch gesehen, irgendwie reaktionär, sogar so reaktionär, daß seine Verwerfung keine Instrumentalisierung des Holocausts nötig hätte.
    Wenn den Denkern auf der Seite Palästinas nichts besseres einfällt als der Gebrauch unpassender Schablonen, werden sie dereinst dem Kushner-Plan noch nachweinen

    • Welches Schemata Herr Lobenstein? Ihres?

      Das Schemata ist gut getroffen, und auch verständlich erklärt.

      Welches Schemata wenden Sie an, um zu solch einer Aussage zu kommen?

      Das interessiert mich jetzt doch, denn das haben Sie uns Lesern und Gleichgesinnten des Friedens auf Erden noch nicht verraten.

    • Der Zionismus hat keine Metropole. Dennoch ist es ein Unterschied, ob Leute in ein Land gehen, um sich als Flüchtlinge in Sicherheit zu bringen oder ob Leute in ein Land gehen, um mittels Gewalt gegen ansässige Bevölkerung einen Siedlerstaat durchzusetzen. Was unterscheidet letzteres von Kolonialisierung?

    • Wenn die Flüchtlinge aus Syrien einen arabischen Siedlerstaat auf europäischem Boden durchsetzen wollten, gäbe es es bestimmt Widerstand dagegen vonseiten der europäischen Bevölkerung. Selbst wenn die Flüchtlinge aus Syrien es mit Gewalt schaffen würden, einen arabischen Siedlerstaat auf europäischem Boden durchzusetzen, würde niemand jemals dessen „Existenzrecht“ oder auch nur dessen Legitimität anerkennen.

  3. Herr Lobenstein,
    Es gibt Fakten die wir nicht ignorieren dürfen.
    1:- Obwohl die Zionisten damals von der jüdischen Kolonisation Palästina redeten , war es in Wirklichkeit keine “Kolonieschaft” wie die von den Engländern oder von den Franzosen betrieben wurde. Es war noch schlimmer als die beiden. Weder die Franzosen noch die Engländer haben versucht die Einheimischen zu deponieren bzw. zu transferieren. Allein die zionistische Terrorgruppen haben geplant die Zivilisten zu massakrieren und zu vertreiben, was sie auch später taten und versuchen es bis heute zu tun.
    2:- Lange vor der Holocaust haben die Zionisten geplant Palästina zu kolonisieren
    3:- Der Vergleich mit den Syrern bzw. den Flüchtlingen finde ich falsch, da die Flüchtlinge die zionistische Absichten nicht haben.

    • Die Fakten als solche mögen alle stimmen, nur zeitlich lassen sie sich nicht stimmig aufreihen. Als die Zionisten Palästina „entdeckten“, waren die Verhältnisse andere als 1948, als der Staat Israel gegründet wurde. Man braucht nur jüdische Stimmen nachzulesen (z.B. Karl Kraus), mit welchem Spott die „Basler“ Zionisten überschüttetet wurden.
      Und so gibt es günstige Gelegenheiten, Frieden zu schließen und ungünstige. Und es ist eine Frage der Realität, welche Zustände man ändern kann und welche man hinnehmen muß. Auch das ändert sich laufend. Und zuletzt sollte ein Frieden einen „Status quo“ von 2040 eher im Visier haben als einen von 1980. Das ist meine bescheidene Meinung.

      • David Ben Gurion beschreibt das ganze Problem genau. Er sagt, dass die Zionisten den jüdischen Glauben missbrauchen, um dadurch legitimiert in imperialistischer Weise sich über alles und jeden zu erheben.
        Warum ist Koch-Weser nicht nach Palästina ausgewandert 1933?
        Er war halbblut Jude und christlicher, sozialer Zionist. Eindrucksvoll hat er die europäische, soziale und produktive Lebensweise seiner Generation in Brasilien entstehen lassen.
        Den Brasilianerin nicht das Land gestohlen – nicht wie die zionistischen Juden geplündert und gemordet – sonder die von so vielen deutschen und europäischen Größen gesuchte „Seele Europas“ in Brasilien erblühen lassen, sich eingefügt in das Ganze.

        Die Zionisten, speziell die evangelischen in den USA tragen nicht mehr das Kreuz der Juden, an das die Juden, nicht die Römer Jesus genagelt haben.

        Herr Lobenstein, ich habe mir live die Vorstellung von Trump und Netanyahu angesehen, fast 2 Stunden hat die Vorstellung des Friedensplan gedauert.

        Etwas ganz besonderes kam dort zum Ausdruck, das Netanyahu zu umgehen versucht. Denn die USA wird den Plan nur unterstützen, wenn alle Punkte umgesetzt werden, so muss Netanyahu Palestina als Staat akzeptieren. Außerdem haben die Palästinenser 4 Jahre Zeit, um mit den USA eine Flurbereinigung, geistig, wie auch kommerziell auszuarbeiten, um sich zu positionieren.

        Der Kriegstreiber Netanyahu wird allmählich ausgefast. Netanyahu kann nichts mehr alleine entscheiden.

        Man erntet das was man Sät!

        Sein Sohn ist ein Afd- Jünger, wie passt denn das zum deutschen Antisemitismuswahn!

        In Israel wird der Sohn mit dem Tod bedroht – das macht Netanyahu täglich, gegen alle die nicht seine Meinung haben.

        Netanyahu ist politische Vergangenheit, selbst der Mossad, Shin Bet, die Polizei und weitere Organisationen haben Netanyahu und den rechten Kriegstreibern den Gehorsam in Bezug auf eine Annexion Palestinas verweigert – schriftlich. Für Netanyahu geht es nur noch darum, wo sein Kopf hinfällt – ab ist er poltisch gesehen schon.

        Das das alles Zeit braucht ist jedem klar, da gebe ich ihnen Recht Herr Lobenstein.

      • Ihre Meinung ist sehr bescheiden. Der internationale rechtliche Konsens ist weniger bescheiden als Ihre Meinung und auch weniger bescheiden als der Kushner-Plan. Der internatonale Konsens ist ein souveräner Palästinenserstaat in Gaza und Westjordanland mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt. Die Gründung eines solches Palästinenserstaates bedingt auch nicht, dass das rassistische zionistische Projekt von den Palästinensern als legitim anerkannt wird.

  4. Herr Lobenstein, wann haben die Zionisten Palästina entdeckt?
    Das beantwortet auch David Ben-Gurion:

    „Es ist wahr, dass es uns von Gott versprochen wurde, aber wie sollte sie das interessieren? Unser Gott ist nicht ihr Gott.“

    Ihre Interpretationen vom Land der Juden, das Gott versprochen hat hin zu den Zionisten, wie diese es ihrer Darstellung erkannt haben ist so ein Schwachsinn. Denn Ihre Aussage ist dem gleich, als sie Gott selbst seien, ja sie Herr Lobenstein.

    Das Land wurde den Juden versprochen, nicht den gottlosen Zionisten oder den gottlosen Semiten.

    …und wegen ihrer Zeitzuweisung, die nicht stimmig sein soll. Spätestens jetzt zeigt sich, dass sie im Kopf kein Jude sind, sondern gottloser Zionist.

    Deshalb möchten sie auch zugerne selbst Palästina besetzen – Zitat Lobenstein:
    „Wenn den Denkern auf der Seite Palästinas nichts besseres einfällt als der Gebrauch unpassender Schablonen, werden sie dereinst dem Kushner-Plan noch nachweinen“ Zitat Ende.

    Wem da nichts einfällt!
    Ihre bescheidene Meinung ist keine, sie haben keinen Standpunkt.

    Vielleicht sollten sie ihr Credo auf sich selbst anwenden.

  5. …Netanyahu hat Israel an die Chinesen verkauft. Er hat seine Verbündeten hintergangen – ob ihm Trump das durchgehen lässt?

    Deshalb haben sich die früheren Freunde (Adelson) von Netanyahu distanziert.

    Jetzt wird so einiges klarer.
    Die Polithure. Ein toller Name für ein Buch über …

  6. Da China die Expansion der Seidenstraße gewaltlos vorantreibt, hat Netanyahu auch hier sich getäuscht Unterstützung von Seiten der Chinesen zu erhalten, um Palestina sich einzuverleiben.

    Netanyahu ist für die Chinesen nur ein Windhund – und bekannterweise wird vierbeiniges Getier rücksichtslos verspeist – wenn es zu fett und nicht mehr gebraucht wird, oder sich wichtig macht.

    China unterstützt die Hui-Chinesen, da in China der Einfluss auf arabische Moslime, zwecks Zugang zur arabischen Ölindustrie als ein Vorteil für die Expansion angesehen wird.

    Die fetten Gelder für Netanyahu sind auf den Bildern, in seinem Gesicht, beim Handshake mit Xi‘ zu sehen, die sein Clan eingefahren hat.

    Damit ist Antisemitismus tot.
    Netanjahu hat das heilige Land und die Semiten verkauft.

    Das sollte jetzt publik gemacht werden.

    Jeder Antisemitismus-Beauftragte und Jude in „Germany“, auch weltweit kann niemanden mehr als Antisemit demontieren, oder antijüdisch, sowie antizionistisch bezeichnen und Mundtod machen.

    Denn: Netanyahu hat Israel und die Semiten an die Chinesen verkauft!

    Es löst sich alles auf – wahrscheinlich auch Israel, dann ist eine der größten Lügen und Fiktionen, wie auch Netanyahu Vergangenheit – USA – Russland – China – bitte übernehmen.

    Der Sohn Netanyahus ist dafür ein sichtbarer Indikator.

    Den kriegerischen Staat Israel braucht Niemand, jedoch die Menschen, den Frieden und deren Kulturen, benötigen „AL-LE“.

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