Dietmar Bartsch verneigt sich vor Israels Besatzungsregime

Ich stehe voll und ganz hinter diesem Brief von Andrej Reder an Dietmar Bartsch. Ich hoffe, dass Bartsch antworten und seinen beschämenden Besuch im Land der Täter, wie es sogar Henryk M. Broder nannte, erklären wird. Auf seine Rechtfertigung bin ich gespannt.

Bartsch´s Besuch in Israel ist ein Skandal und eine Schande für die LINKE. Als langjähriger Wähler dieser Partei, die es mir oft genug sehr schwer gemacht hat, ist auch für mich irgendwann Schluss. Eine solche Partei, die seit Jahren die Augen vor dem Unrecht in Palästina verschließt und einer kolonialistischen Organisation wie KKL ihre Aufwartung macht, kann ich und werde ich nicht mehr wählen. Die LINKE ist leider eine korrupte Partei geworden, die sich von den Idealen der Linken längst entfernt hat. Bei dem Kotau vor Israel kann sie sich inzwischen mit der AfD zusammentun.

Im Folgenden veröffentliche „Der Semit“ den Brief von Andrey Reder an Dietmar Bartsch.

von Andrej Reder

„Berlin, 22. Juni 1941-2018

Lieber Dietmar,

Vor zwei Tagen las ich den Beitrag:

Neue Mauer: Linke-Politiker Bartsch pflanzt „sicherheitstechnische“ Bäume in Israel,

der Dir sicherlich bekannt sein wird.

Auf den besagten Beitrag Bezug nehmend, erlaube ich mir, als Sohn nichtgläubiger jüdischer Eltern, an Dich eine „Kleine Anfrage“ zu richten. Ich frage Dich:

  1. Was unternehmen die Bundestagsfraktion der Linkspartei und Du als einer der Vorsitzenden, um auch den Schutz der Palästinenser gegen den Staatsterror, die Bomben und die Geschosse der hochgerüsteten israelischen Armee zu ermöglichen?
  2. Sind das wirklich lediglich „unterschiedliche Meinungen im Hinblick auf den Weg, der uns zum Frieden führt“, wie Du das ausdrückst, oder vielmehr eine seit Jahren völlig einseitig geprägte Sicht auf den Nahost-Konflikt und den israelisch-palästinensischen Knoten, dem sich die Mehrheit der Führungsgremien der PDL im Sinne der bundesdeutschen Staatsräson verpflichtet zu fühlen scheint?
  3. Haben die folgenschweren Entwicklungen in der Region seit 1948 nicht eine Erkenntnis bestätigt, dass Frieden und Sicherheit nur einer Seite nicht von Dauer wird sein können? Sind somit einseitige Solidaritätsbeteuerungen nicht absolut kontraproduktiv, wenn man die palästinensische Seite nahezu völlig ausblendet?
  4. Ist es nicht ein Irrglaube anzunehmen, dass Bäume die Bewohner eines Kibbuz „vor den Augen ihrer Feinde auf der anderen Seite der Grenze“ verbergen und ihnen somit „ein Gefühl der Sicherheit und des Schutzes bieten können? Und ist es nicht an der Zeit, sich nicht in erster Linie an Baumanpflanzungen zu berauschen, sondern vielleicht etwas Wirksameres zu tun, damit die jahrzehntelange Feindschaft schrittweise überwunden werden kann, damit Juden und Araber auf beiden Seiten in Frieden und Sicherheit leben und die gepflanzten Bäume auch tatsächlich wachsen, überleben und Schatten allen Menschen spenden können?
  5. Wer konkret stellt heute das Existenzrecht(falls es einen solchen völkerrechtlichen Begriff überhaupt gibt) des Staates Israel in Zweifel(Selbst Iran spricht sich gegen das zionistische Regime in Israel und nicht gegen das Existenzrecht des Staates aus) und seines Rechts auf Sicherheit und darauf, sich zu schützen? Was zwingt Dich somit, diese Haltung der israelischen Regierungen kritiklos zu übernehmen? Wo bleiben Deine Sorgen und die unserer Partei im Hinblick auf die Existenz des palästinensischen Staates, was eine völkerrechtskonforme Haltung wäre?
  6. Wie erklärst Du den augenscheinlichen Doppelstandard der Linkspartei im Hinblick auf unser Verhältnis gegenüber Israel und Russland? Erwächst aus der rassistischen Vernichtungspraxis von sechs Millionen Juden(darunter zwei aus meiner unmittelbaren Verwandtschaft) bzw. von 27 Millionen Sowjetbürgern durch die Nazis ein anderes „Gefühl der Verantwortung und Verpflichtung“ für die Gestaltung der Beziehungen Deutschlands gegenüber Russland in der Gegenwart(schändliche Ablehnung des entsprechenden Antrages auf dem Leipziger Parteitag!)? Wie engagiert traten Funktionäre und Verantwortungsträger der Linkspartei anlässlich des 70.Jahrestages der Staatsgründung Israels auf und wie glänzten sie durch ihre Abwesenheit bei der heutigen Kundgebung der Berliner Friedenskoordination aus Anlass des 77.Jahrestages des Überfalls Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion, die unter dem Motto stand: Hetze gegen Russland-nicht in unserem Namen!
  7. Woran machst Du eigentlich fest, dass „in Europa ein Gefühl der Solidarität mit Israel(herrscht), die Du ganz offensichtlich teilst? Hast Du Verständnis dafür, dass Menschen ein solches Solidaritätsgefühl mit Israel, aufgrund der Politik der herrschenden Elite dieses Landes, keineswegs bereit sind zu teilen? Solidarisch bin ich mit den wenigen Überlebenden des Holocaust, die teilweise unter ärmlichen sozialen Bedingungen ihr Dasein fristen. Und solidarisch bin ich mit den mutigen Friedensbewegten in Israel und nicht zuletzt mit der benachteiligten arabischen Minderheit israelischer Staatsbürger.
  8. Was hältst Du vom Ausspruch von Heinz Galinski, der einst sagte, er habe Auschwitz nicht überlebt, um zu neuem Unrecht zu schweigen?
  9. War Dir die KKL vor Deinem „Solidaritätsbesuch“ in Israel bekannt, deren Gast Du gewesen bist?
  10. Reflektiert der Bericht über Deinen „Solidaritätsaufenthalt“ vielleicht nicht allumfassend? Eine andere Information besitze ich aber nicht. Auch habe ich keine Kenntnis über Deine Reaktion bzw. die unserer Bundestagsvizepräsidentin, oder einer anderen Führungspersönlichkeit der Linkspartei im Hinblick auf die jüngste brutale und unverhältnismäßige Vorgehensweise des israelischen Militärs gegen Palästinenser, bei der weit über einhundert Menschen ermordet und über zwei Tausend verwundet wurden. Wäre es möglich, etwas Solidarisches zu erfahren, das Du während Deines Aufenthaltes in Bezug auf den gerechten Kampf des palästinensischen Volkes vertreten hast?

Mit freundlichen Grüßen

Andrej“

4 Gedanken zu „Dietmar Bartsch verneigt sich vor Israels Besatzungsregime

  1. Zionisten ist das Kunststück gelungen, Kritik an ihrem Verhalten und ihrer Gesinnung als „Antisemitismus“ zu denunzieren. Da die „Linke“ nun einmal „antirassistisch“ usw. sein möchte, wären deren Vertreter eigentlich aufgerufen, Kritik insbesondere auch an der Politik Israels zu üben, die nicht nur für den Nahen Osten und den Frieden und die Menschenrechte dort eine sehr große Bedeutung hat.

    Um diesen Widerspruch – zugleich gegen Rassismus und gegen dieser Art von denunziatorischem „Antisemitismus“ zu sein, die unlösbare Quadratur dieses Kreises lösen zu versuchen, haben „Antideutsche“ die Formel geschaffen, gegen Rassismus, Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit zu kämpfen – aber nur, wenn dies von Deutschen ausgeht!

    Mit seiner Haltung bekommt Herr Bartsch sicherlich reichlich Beifall von der richtigen Seite. Das Schweigen der Medien zeigt, dass er auf dem rechten Weg ist.

    • Irreführende #hasbara hat sich offenbar auch bei uns in Europa wie Metastasen verbreitet.

      Dafür sorgen v.a. Bnai Brith, AJC, IKG, ZdJ, >15. Hasbara-Trolle (gem. Gilad Erdan), smartphone-apps, ….

      Diese „Juden“ sollte man auch (wie IsraelApartheid) boykottieren, weil diese „Juden“ ethnische Säuberungen bzw. die militärische Unterdrückung von >5 Mio. Nichtjuden gutheissen und unterstützen, womit sie D-Grundgesetz verletzen (insbesondere Art.1, 3 und 5)

  2. „Existenzrecht Israels“: das #hasbara-wording geht oft am Thema vorbei, weil es bei der „Kritik“ um Rassismus, Folter, ethnische Säuberungen, militärische Unterdrückung von >5 Mio. Nichtjuden, etc. geht.
    Diese Dinge hatten nie ein Existenzrecht. Ein IsraelRassismus hätte auch nie ein Existenzrecht, weil dies u.a. gegen das D-Grundgesetz (Art. 3) verstösst.

    „Antisemitismus“ ist häufig ein (#hasbara-)Schwindeletikett, um Misstände (Folter, Rassismus, miltärische Unterdrückung, ethnische Säuberungen, Apartheid) zu verteidigen und damit zu fördern.

    Bedenkt man, dass alle Araber/Palästinenser zu den Semiten zählen, geht in Nahost der „Antisemitismus“ von den „Juden“ aus bzw. vom „jüdischen“ Staat. Auch diesen Antisemitismus müsste IKG, ZdJ, AJC, Hr. Klein, .. deutlichst verurteilen, weil dieser auch gegen das D-Grundgesetz (Art. 3) verstösst.

  3. „über einhundert Menschen ermordet und über zwei Tausend verwundet wurden…“.

    Leider waren das Desinteresse oder gar die Unterdrückungsstrategien der Medien bezüglich der wahren Zahlen der in den letzten GAZA-Protestenl getöteten und verletzten Palästinenser so erfolgreich, dass selbst ausgewiesene Palästinafreunde sie nicht besser kennen:

    In seinem Videointerview mit dem Schweizer „BLICK“ nennt der Schweizer Dominik Stillhart, Direktor für internationale Einsätze des IKRK, die wahren Zahlen : 120 Tote, 13 000 (!!) Verletzte, davon 3 400 Schussverletzte, die dringend z.T. mehrfache operative Eingriffe benötigen, die in Gaza kaum zu bewältigen sind ( mit zu erwartender, entsprechend hoher Invaliditätsrate.)

    In seinem Interview mit dem Schweizer „BLICK“ vom 1.6.2018 drückte Dominik Stillhart auch sein Unverständnis und Bedauern über das offensichtliche Desinteresse der Medien an dem wahrem Ausmass der palästinensischen Opferzahlen aus.

    Quelle : „ BLICK“
    «Das Letzte, das wir aufgeben dürfen, ist die Hoffnung»
    Publiziert am 01.06.2018 | Aktualisiert am 18.06.2018
    (https://www.blick.ch/news/ausland/dominik-stillhart-operativer-chef-des-ikrk-zur-gewalt-in-gaza-das-letzte-das-wir-aufgeben-duerfen-ist-die-hoffnung-id8447941.html)

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