Gewaltloser Boykott gegen Israels Besatzung kann nicht antisemitisch sein!

von Heiner Schmitz

Offener Brief an die Bundestagsvizepräsidentin Roth.

Sehr geehrte Frau Roth,

Sie hatten gestern bei der BDS-Debatte und der Abstimmung per Handzeichen keinen leichten Stand.

Mir wurde ein Link zugeschickt, in dem die gesamte Debatte noch einmal zu sehen und zu hören war. Für mich war es erschreckend zu erleben, wie alle Redner (vielleicht mit Ausnahme von Frau Heike Hänsel), wenn auch mit teilweise unterschiedlichen Schwerpunkten, die Meinung vertraten, dass BDS sich gegen den israelischen Staat wendet. Haben sich die Redner und letztlich später auch alle Abgeordneten des Deutschen Bundestages die Mühe gemacht, sich mit den Zielen von BDS zu befassen. Das Ziel ist die Beendigung der 52-jährigen israelischen Besatzung.

Aus meiner unmaßgeblichen Sicht wurde hier offenen Auges für die Fortsetzung der fortwährenden Menschen- und Völkerrechtsverletzungen durch den Staat Israel gestimmt oder wenigsten deren Duldung wegen der von Frau Dr. Merkel unsäglichen “Staatsraison“ bescheinigt. Dass bei dem Wort “Staatsraison“ heutigen Politikern in einer Demokratie nicht die Haare zu Berge stehen, ist für mich unbegreiflich. Welch Geistes Kind sind wir eigentlich, wenn wir nicht deutlich eine unverzeihliche deutsche Vergangenheit von einer aktuellen, nach unseren Wertvorstellungen menschenverachtenden israelischen Politik dem palästinensischen Volk gegenüber trennen können. 

Sicher lässt sich über BDS streiten, denn auch hier wird man feststellen, dass BDS nicht unbedingt BDS ist. Dem Aufruf, Waren, die illegale israelische Siedler oder israelische Unternehmen auf palästinensischem Boden herstellen bzw. erwirtschaften und anschließend unter “Made in Israel“ international vermarktet werden, zu boykottieren, würde wahrscheinlich auch ein Teil der Abgeordneten zustimmen, die gestern dem gemeinsamen Antrag von CDU, SPD, Die Grünen und FDP zu gestimmt haben. Man muss sich wirklich fragen, welchem Druck unsere Abgeordneten ausgesetzt sind und auch wer diesen Druck ausübt.

Gewaltfreier Widerstand, das oberste Gebot bei möglich unterschiedlicher Auslegung der BDS-Absichten, wurde von den Abgeordneten in keiner Weise herausgestellt und positiv angemerkt.

Herr Christian Lange begann seine Rede mit euphorischen Zitaten von Ben Gurion zur Staatsgründung Israels. Dem möchte ich gerne wegen der Ausgewogenheit ein weiteres Zitat hinzufügen, über das vielleicht der eine oder die andere Abgeordnete etwas ins Nachdenken kommt:

„Wenn ich ein arabischer Führer wäre, würde ich nie einen Vertrag mit Israel unterschreiben. Es ist normal; wir haben ihr Land genommen. Es ist wahr, dass es uns von Gott versprochen wurde, aber wie sollte sie das interessieren? Unser Gott ist nicht ihr Gott. Es gab Anti-Semiten, die Nazis, Hitler, Auschwitz, aber war es ihre Schuld? Sie sehen nur eine Sache: Wir kamen und haben ihr Land gestohlen. Warum sollten sie das akzeptieren?“ (David Ben Gurion, entnommen aus “Recht ströme wie Wasser))

Auch wenn man Südafrika und den Nahostkonflikt nicht unmittelbar vergleichen kann, so war es letztlich doch der gewaltlose Widerstand und der internationale Boykott, der dazu geführt hat, das Apartheidsystem zu beenden – und damals fanden es die meisten deutschen Politiker in Ordnung. Ohne den Druck von außen – das haben die letzten Jahrzehnte überdeutlich gezeigt – wird sich an der Besatzung Palästinas nichts ändern. Mich würde die Meinung von Herrn Barenboim zu dieser aus meiner Sicht unsäglichen Abstimmung im deutschen Bundestag  interessieren.

Natürlich würde ich mich über eine Antwort freuen und sende Ihnen freundliche Grüße.

3 Gedanken zu „Gewaltloser Boykott gegen Israels Besatzung kann nicht antisemitisch sein!

  1. Nachdem die BDS, wie die Palästinenser zu den Semiten zählen und schon deswegen als prosemitisch anzusehen sind, sieht man hier die Wirkung von jahrzehntelanger #hasbara-Propaganda, die Juden wie Nichtjuden ziemlich „verblödet“.

    Dass D oder BDS Juden nicht verfolgt, diskriminiert, enteignet, vertreibt ist an sich auch bekannt. Von „Antisemitismus“ zu sprechen, ist daher uralte zionistische Propaganda, Beleidigung von Nichtjuden und Desinfo.

    Mit einem „stimmt nicht“ kann diese gewaltige, internationale und rechtszionistische Gehirnwäsche, die auch von BILD, WELT, .. verbreitet wird nicht mehr ad absurdum geführt werden.

  2. The German Bundestag’s vote to declare BDS equal to anti-Semitism is outright scandalous and evidence of my compatriots‘ post-WWII brainwashing by the openly pro-apartheid, US/Israel-bootlicking German media in matters Israel-Palestine. Can someone please explain to me that cognitive dissonance? I cannot grasp that this Holocaust-neurosis seems to have engulfed even the (my) generation born after 1945. It doesn’t fit in my head that an entire legislative is in denial about nearly 100 years of oppression and land theft on the part of Zionist Jews, a miniscule percentage of whom are natives of Palestine. Ever heard of the Nakba, Frau Roth? If not you and much of the Bundestag are in dire need of Nachhilfeunterricht in history.

    NOT IN MY NAME, GERMANY !

    I hope the day will come on which the Palestinian people regain their rightful access to all of their land. The day may conincide with the collapse of the inhumane, neo-colonialist, opportunistic, violent US Empire.

    Dr.med. Günther Rückl, MD
    (Exclusively) German citizen and Green card holder for nearly three decades
    Training at Ludwig-Maximilian University, Munich, and Brown and Harvard U.
    I am ready to give up my German citizenship out of utter disappointment over my country’s lost sense of justice and political independence.

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