Sascha Lobo – der unwissende Spiegel-Irokese

Wann schreibt Sascha Lobo einen ähnlich „fundierten“ Artikel über seine Stammesbrüder?

Ich habe schon 2016 in meinem Buch DIE ANTISEMITENMACHER behauptet, dass die deutsche Antisemitismus-Debatte hysterisch sei und voller aufgeregter Witzfiguren wie Sascha Lobo, mit seiner lächerlichen Irokesenfrisur, zur Zeit die größte Sumpfblüte in dieser Debatte ist. Die Israel-Lobby und die diversen Antisemitismusbeauftragten haben den Antisemitismus so sehr versaut, dass jeder heute Antisemit sein kann, ohne sich schämen und irgendwelche Nachteile befürchten zu müssen. In der Tat hat Lobo recht, wenn er schreibt, dass der Ruf des Antisemitismus arg gelitten hat. Antisemiten fürchten sich heute nicht mehr, ihre Botschaften mit echten Namen zu unterschreiben, und wenn für Lobo, Klein, Knobloch, Becker und diverse andere Zeitgenossen selbst Juden und Israelis Antisemiten sind, dann braucht sich Otto Normalverbraucher nicht mehr zu genieren. Allerdings wissen all diese kruden und brutalen Philosemiten nicht, was Antisemitismus ist und bezeichnen jeden, der Israels Politik auch nur geringfügig kritisiert einen Antisemiten, sodass es inzwischen eine Ehre sei in dieser ehrenvollen Liste aufgenommen und genannt zu werden. So könnte man Müllers Milch-Slogan umwandeln in: Alles Antisemiten, oder was?

Und weil es Deutschland, wie Lobo behauptet, am wenigsten an unterschiedlichsten Antisemitismen mangelt, hat er jetzt auch noch den „Woke-Antisemitismus“ erfunden, der uns wahrlich noch gefehlt hat. Danke Lobo. Und der Spiegel, diese äußerst ambivalente Magazine, war sich nicht zu schade, ihn darüber schreiben zu lassen. Für Lobo ist „die vielleicht größte stinkende Blüte im 21. Jahrhundert der Israel-bezogene Antisemitismus.“ Für mich könnte er der größte stinkende Antisemit sein, wenn man davon ausgeht, dass Philosemiten wie er nur Antisemiten sind, die Juden lieben. 

Er zitiert ein geflügeltes Wort – Israel ist der Jude unter den Staaten – und unterschlägt das viel verbreitetere geflügelte Wort – Die Palästinenser sind die Juden der Juden. Er beschwert sich darüber, dass die Uno-Vollversammlung 2020 genau 23 Resolutionen zu Verurteilung verschiedener Länder wegen des Verstoßes gegen das humane Völkerrecht verabschiedet hat, und er ist so ehrlich zu erwähnen, dass neben Israel auch noch Länder wie „Syrien, Myanmar, Nordkorea, Iran und so fort“ dabei waren. Selbst der israelische Außenminister war sich nicht zu Schade, sich mit diesen Schurkenstaaten zu vergleichen. Das ist in der Tat „nicht nur grotesk“, es entspricht der Wahrheit und für Lobo ist es „purer Antisemitismus.“ Aber brutaler Despotismus und die grausamste Diktatur sind zwar zu verabscheuen, aber nicht zwangsläufig antisemitisch.

Lobo schreibt von den „tödlichsten Antisemitismen“ durch den islamischen Judenhass, „denen weltweit Jüdinnen und Juden zum Opfer fallen.“ Auch hier, lieber Herr Lobo, bitte Butter bei die Fische. Wo werden heute Jüdinnen und Juden ermordet, weil sie Juden sind. In Deutschland, England, Frankreich oder Myanmar? Oder in Kassel, Hanau oder Halle? Eher schon in Israel, aber dort nicht, weil sie Juden sind, sondern weil sie sich in einem Krieg gegen die Palästinenser befinden. Wenn Israel hundert Zivilisten mit einer Bombe tötet, dann haben die Palästinenser das Recht sich zu wehren. Und nicht erwähnt hat er, dass die islamische Welt Juden nicht ermordet, sondern vor der christlichen, auch deutschen, Welt gerettet hat, wenn ich da an die vertriebenen spanischen Juden denke. Und auch vor der Nazi-Barbarei sind Juden durch die islamische Welt gerettet worden. Es ist deshalb perfide, den Moslems Antisemitismus vorzuwerfen, den eher Sascha Lobos Eltern oder Großeltern nachgingen. Man muss die Moslems nicht lieben, aber fair und gerecht sollte man schon sein.

Ich weiß nicht, wo dieser Clown lebt, aber kaum zu glauben, wenn es Deutschland ist. Er behauptet, dass die Diskriminierung von Juden in Form von Israel-bezogenem Antisemitismus bei den Deutschen nicht zählt. Ich lese aber in fast allen Zeitungen das, was die BILD-Zeitung einmal titelte, als Israel in Gaza eine 1000-Kilo-Bombe gezündet hatte, die hunderte von Opfern forderte: WIR WEINEN MIT ISRAEL.

Mit den Palästinensern hat niemand geweint, am wenigsten wahrscheinlich dieser Sascha Lobo, auf dessen Mitleid mit den Tätern ich gut verzichten kann. Israel bezogener Judenhass ist eine Erfindung der israelischen Propaganda, die Leuten wie Lobo das Gehirn gründlich gewaschen hat. Antisemitismus ist nichts anderes als Hass auf Juden nur weil sie Juden sind. Die Palästinenser haben aber gute Gründe Israelis, nicht Juden, zu hassen. Immerhin schießen diese auf die Bewohner von Gaza nicht mit Mozartkugeln, sondern mit tödlicher Munition. Deshalb ist der Vorwurf, dass Amnesty International eine antisemitische Organisation sei, eine niederträchtige Behauptung, die nur von gehirngewaschenen Fanatikern erhoben werden kann. Die traurige Wahrheit ist, dass Lobo nicht weiß, was er sagt. Seine Unkenntnis spricht Bände. Er widerspricht als Deutscher, der Israel wahrscheinlich nicht einmal von einem Besuch her kennt, tausenden von Israelis, von denen ich einen zitieren möchte: „Systematisch, Schritt für Schritt, zerstört Israel das Leben der Palästinenser und macht es mehr und mehr unerträglich. (Leserbrief in Haaretz vom 1.2.22). Oder kennt sich dieser Tausendsassa in Israel und Palästina besser aus als Israelis und Palästinenser?

Lobo behauptet der Bericht von Amnesty beinhalte Bigotterien und Dämonisierungen Israels, „der immer noch einzigen rechtstaatlichen Demokratie im Nahen Osten.“ Da irrt er sich. Der Libanon ist auch eine Demokratie und auch noch älter als Israel. Demokratie allein ist jedoch nicht alles. Demokratie ohne Rechtstaatlichkeit, Moral und ein Grundgesetz wäre nur eine Diktatur der Mehrheit. Ein Grundgesetz, wie es Deutschland besitzt, hat Israel leider nicht. Die Tatsache, dass auch einige wenige Palästinenser, sieben von 120, in der Knesset sitzen (obwohl die israelischen Palästinenser 20 Prozent ausmachen. Danach hätten es 24 Abgeordnete sein müssen) besagt nichts über die tatsächlichen Verhältnisse im Land. Tatsächlich gibt es in Israel die Apartheid seit dem ersten Tag seiner Gründung und mit der Apartheid die Heuchelei. In der Unabhängigkeitserklärung von 1948 versprach Ben-Gurion allen palästinensischen Bewohner, damals hießen sie noch Araber, Gleichheit und Gerechtigkeit. Es folgten aber Jahre unter einer drakonischen Militärverwaltung, in denen die arabischen Bewohner keine Gleichheit und keine Gerechtigkeit erfuhren. Das nennt man in der zivilisierten Welt: Apartheid.

„Natürlich gibt es in Israel Rassismus“, schreibt Sascha Lobo, „aber das macht Israel ebenso wenig zu einem Apartheid-Staat wie Deutschland, Großbritannien oder Uruguay. Israel als „Apartheid-Staat“ zu bezichtigen sei antisemitisch. Da hat aber dieser Spiegel-Irokese einiges nicht verstanden. Rassismus ist schlimm und verabscheuungswürdig. Aber Apartheid ist noch viel schlimmer. Apartheid bedeutet Trennung und gemeint ist die Trennung von Menschen wegen unterschiedlicher Hautfarbe, Religion oder sozialer Herkunft. In diesem Fall die Trennung der Palästinenser von den Juden, und dies begann, wie gesagt, schon gleich nach der Staatsgründung. Lobo mag es nicht wissen, aber er weiß noch vieles nicht.

Sein Wissen über BDS ist ebenso mangelhaft und falsch wie alles andere. „Kauf nicht bei Juden“ ist ein Slogan der Nazis und war der Beginn der Entfernung der Juden aus dem deutschen Volk. Mit BDS wollen aber die Palästinenser nicht die Juden entfernen, sondern für sich selbst die Rechte zurückfordern, die ihnen die Israelis weggenommen haben. BDS ist nicht antisemitisch, auch wenn Lobo es apodiktisch behauptet, BDS kämpft gewaltfrei für die Rechte der Palästinenser. Oder sollen die Palästinenser wieder Selbstmordattentate verüben?

Lobo, wirft nun auch der Black Lives Matters und der Friday for Future-Bewegung vor, sie seien antisemitisch, weil sie mit Tweets Palästinenser unterstützten. Er meint der Zeitpunkt sei falsch gewesen, weil „mitten im Kampf der palästinensischen Terrororganisation Hamas gegen Israel im Mai 2021.“ Er meint auch die „radikal-islamistischen Hamas“ und nicht die radikal-israelische Armee. Er meint auch, wie fast alle Zeitungen und Sender, dass die Hamas gegen Israel kämpfte und nicht Israel gegen die Hamas. Und er meint, dass einige belanglose und harmlose Tweets schon Beweis für Antisemitismus seien. Eben nach dem Motto: Alles Antisemitismus, oder was? Für ihn ist die Situation in Gaza eine „Täter-Opfer-Umkehr“. Für ihn ist nicht der Mörder, sondern der Ermordete schuld. Er weiß sicherlich nicht, dass die meisten Bewohner von Gaza Flüchtlinge der Vertreibung von 1952 sind, nicht von 1948. Die Palästinenser aus den Orten um die heutige israelische Stadt Ashkelon wurden vier Jahre nach Ende des Krieges von 1948/1949 aus ihrer Heimat vertrieben. Wer ist da nun Täter und wer Opfer?

Eigentlich habe ich mir vorgenommen mit Gutmenschen, die keine Ahnung haben, aber eine falsche Meinung, nicht mehr zu debattieren. Es ist schade um die Zeit, schade um die Nerven und hoffnungslos. Leute wie Sascha Lobo haben die israelische Selbstgerechtigkeit und „Unschuld“ so verinnerlicht, dass sie päpstlicher als der Papst sind und zionistischer argumentieren als manche Zionisten, denn selbst viele Zionisten wollen nicht mehr Zionisten sein und viele Juden verlieren ihren Glauben an den Zionismus.

Nein, Israel soll nicht untergehen, aber es geht kein Licht mehr von Zion aus, und Jerusalem ist nicht mehr ein Licht für die Völker, obwohl es dort brennt.

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