Broder – der ewige Anti-Antisemit?

von Holdger Platta 

Die richtigen Lehren aus den Gewalttaten der Nazis gegen die Juden zu ziehen — bedeutet das erstens, sich schützend vor die Opfer von Gewalt zu stellen, überall auf der Welt, oder zweitens, sich schützend vor die Gewalttäter zu stellen, sofern diese Juden sind? Es scheint logisch und menschlich, hier die erste Alternative zu wählen. Trotzdem kochen bestimmte Personen noch immer ihr Süppchen mit unpassenden Antisemitismus-Vorwürfen. Wachsamkeit ist vor dem Hintergrund der deutschen Vergangenheit notwendig — aber keine Generalamnestie für eine gewalttägige und diskriminierende Politik der israelischen Rechten.

Wie so oft, trat der bundesdeutsche Publizist Henryk M. Broder auch an diesem Tag mit Knalleffekten auf. Ich spreche vom Montag, den 16. Juni 2008. Der Innenausschuss des Deutschen Bundestages hatte zahlreiche ReferentInnen zu einer Anhörung zum Thema „Antisemitismus“ eingeladen, und auch der heutige WELT-Journalist Broder war mit von der Partie.

Alle Versuche, „den Antisemitismus zu definieren, zu erklären und zu neutralisieren“, seien „gescheitert“, erklärte Broder gleich zu Beginn und setzte fort: Zuallererst sei zur Verhinderung einer „virtuellen“ Debatte — was immer das sei — festzustellen:

Zuerst hier.

Bestätigung des rassistischen Charakters Israels

Keine Stadt hat das Recht, einen Park für Araber zu schließen, wie es Afula im Norden getan hat, aber eine derartige rassistische Aufstachelung ist unter Benjamin Netanyahu typisch geworden.

Haaretz Editorial

Die Vereidigung am Donnerstag, bei der der Stadtrat von Afula schwor, den jüdischen Charakter der Stadt zu erhalten, ist ein nationalistisches Ritual mit gefährlichem Potenzial. Auf Facebook erklärte der neue Bürgermeister Avi Elkabetz stolz, dass er den Stadtpark tags zuvor für jedermann außer den Stadtbewohnern geschlossen habe. Elkabetz hält sein Wahlversprechen ein. Schließlich verpflichtete er sich, den jüdischen Charakter dieser nördlichen Stadt zu erhalten und die „Übernahme des Parks“ zu bekämpfen.

Dies ist nicht der erste Versuch, den jüdischen Charakter von Afula zu „erhalten“. In der Stadt erhob sich einmal Protest, nachdem arabische Familien das Ausschreibungsverfahren für den Bau von Dutzenden von Wohneinheiten gewonnen hatten. Und Afula steht da keineswegs allein. Vor einigen Monaten versuchte Kfar Vradim, in den Hügeln Westgaliläas, das Ausschreibungsverfahren abzubrechen, nachdem sich herausgestellte hatte, dass die Hälfte der Gewinner der vorherigen Ausschreibung Araber waren.  Weiterlesen